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Japan ohne neue Ideen
Alter Wein in alten Schläuchen
Artikel vom 2. Oktober 2012 um 14:16
Immerhin neu in Japan ist die Erhöhung der
Mehrwertsteuer, um das alte Problem des Lebens auf Kredit langsam anzugehen.
Doch das im April 2012 verabschiedete Budget setzte zu rund 50% auf neue
Staatsobligationen zur Finanzierung. In den nächsten Wochen geht es wieder
ums Budget. Die oppositionelle LDP hat der Erhöhung der Mehrwertsteuer nur
im Gegenzug zu vorgezogenen Neuwahlen zugestimmt. Einige Abgeordnete der DPJ
sind bereits vom Regierungswagen abgesprungen. Folgen weitere, verliert die
DPJ die Mehrheit um Unterhaus und Neuwahlen sind sicher.
Japans
Premierminister Yoshihiko Noda
offerierte sich im
September
2011 die Möglichkeit eines Neuanfangs. Seither hat er die Regierung
dreimal umgebildet, zum letzten Mal am 30. September 2012. Zehn neue
Minister sind ins Kabinett aufgenommen worden, doch im wesentlichen handelt
es sich um alte Gesichter. Zudem fanden abtretende Minister führende
Aufgaben in Partei und Fraktion. Es handelt sich um alten Wein in alten
Schläuchen, um die verbleibenden Truppen zusammenzuhalten.
Doch wer sein Budget nicht mehr zur Hälfte auf Kredit finanzieren will, und
wer seine Staatschulden von über 200% des Bruttosozialprodukts langsam
abbauen möchte, der muss sich der Wirklichkeit stellen und Budgetposten
eliminieren bzw. zusammenstreichen, die nichts zum Wachstum beitragen oder
die wie Subventionen und ähnliches nur dem Schutz von Sonderinteressen
dienen. Japan kann sich schon längst vieles nicht mehr leisten und wurstelt
dennoch weiter wie bisher. Je länger dieser Zustand andauert, je brutaler
wird das Aufwachen in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt werden, und
natürlich nicht nur dort, denn die Implosion Japans hätte folgen für die
Weltwirtschaft.
Das Ende der Regierung
Yuko Hatoyama im Juni 2010
hätten neuen Wind in die sklerotische Politlandschaft Japans bringen
können. Doch rasch verstrickte sich die neue Regierung in alte Probleme.
Premierminister Yoshihiko Noda
hat am 30. September 2012 zehn Ministerposten mit neuen, aber dennoch
altbekannten Gesichtern besetzt. Neuer Finanzminister ist nun Koriki Jojima.
Der ehemalige Chef des Unterhauses wurde für seine Rolle im Handel um die
Erhöhung der Mehrwertsteuer mit den oppositionellen Liberaldemokraten (LDP)
belohnt. Im Gegenzug sollten eigentlich vorgezogene Neuwahlen stattfinden,
was jetzt wieder auf Eis gelegt wurde. Daher wollen die Liberaldemokraten
die regierende Demokratische Partei nicht mehr bis zur Verabschiedung des
neuen Budgetentwurfs im Amt belassen. Ein Machtkampf ähnlich wie in den USA
zwischen Demokraten und Republikanern bahnt sich an.
Das neue Regierungspersonal macht die Lage nicht besser. Finanzminister
Koriki Jojima hat sich bisher nicht als Finanzpolitiker hervorgetan. Zudem
hat er noch nie eine exekutives Amt ausgefüllt. Keine ideale Ausgangslage in
der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Kann Jojima erneut
Verhandlungsgeschick im Umgang mit der LDP zeigen? Die Interessenlage der
zwei grössten Parteien lässt nicht darauf schliessen.
Jojimas Amtsvorgänger, Jun Azumi, wechselt von der Regierungsbank auf den
Posten des Generalsekretärs der Demokratischen Partei. Der ehemalige
Generalsekretär der Demokraten, Shinji Tarutoko, kümmert sich neu um das
Innenressort. Der ehemalige Umweltminister Goshi Hosono wird neuer
Chefstratege der Demokraten. Die ehemalige Aussenministerin Makiko Tanaka
kommt als Erziehungsministerin neu ins Kabinett. Erneuerung sieht anders
aus, insbesondere wenn noch hinzukommt, dass Yuko Edano weiterhin Handels-
und Industrieminister, Koichiro Gemba Aussenminister, Satoshi Morimoto
Verteidigungsminister und Osamu Fujimura Kabinettsgeneralsekretär bleibt.
Offensichtlich kämpft
Premierminister Yoshihiko Noda
mit seiner Regierung ums politische Überleben. Viele Parlamentarier
haben sich seit der Mehrwertsteuererhöhung bereits abgesetzt. Es wird eng
für die Demokraten. Noch verfügen sie über eine knappe Mehrheit im
Unterhaus.
Alle reden von den Griechen, die im
Chaos
sind,
umschulden müssen und wieder
wählen, anstatt das Land noch weiter zu reformieren. Bei
Griechenland geht es jedoch nur um Peanuts. Die im japanischen Budget vom
April 2012 auf Kredit finanzierte knappe Hälfte beläuft sich auf rund €410
Milliarden Euro. Das sind andere Dimensionen. Wenn die Japaner, die gut 90%
der japanischen Staatschulden halten, nervös werden, gehen die Lichter aus.
In diesem Zusammenhang ist der zur Zeit lediglich politische Konflikt
zwischen China und Japan um von beiden Ländern beanspruchte Inselchen nicht
gefahrlos. Noch sind wir nicht soweit, doch sollte die weltweite Finanz- und
Wirtschaftskrise sich verschlimmern, sollte zum Beispiel Japan auf Grund der
Schuldenwirtschaft implodieren, kochten nationalistische Gefühle rasch
wieder hoch und ein Sündenbock wäre leicht gefunden.
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