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Berlusconi tritt wieder an
Artikel vom 7. Dezember 2012 um 20:46
Il ritorno del furbissimo ladrone?
Kommt er wieder zurück an die Macht, Italiens
schlauester Gauner? Silvio Berlusconi liess am Abend des 6. Dezember 2012
verlauten, er wolle wieder als Spitzenkandidat antreten. Anfang 2013 stehen
Parlamentswahlen an, welche die politischen Weichen in Italien nach der
Experten-Regierung von Mario Monti neu stellen werden.
Im November 2011
entzogen Vertraute und Partner Berlusconi das Vertrauen. Kurz darauf
verlor der Cavaliere die Mehrheit.
Mario Monti wurde neuer Regierungschef. Selbst
Berlusconis Volk der Freiheit stellte sich hinter den neuen
Premierminister. Die
Expertenregierung Monti brachte einiges auf den Weg, weil
Monti Ernst mit Reformen machte, doch
vieles bleibt noch zu tun, insbesondere die meisten
Strukturreformen, das härteste Stück des Reformkuchens. Daneben harren
Dauerprobleme wie Steuerflucht, Schwarzarbeit, organisierte Kriminalität und
vieles mehr der Lösung.
Nun drängt Silvio Berlusconi mit folgenden Worten wieder auf die politische
Bühne:
„Ich kann nicht zulassen, dass mein Land in eine endlose
Rezessionsspirale fällt.“ Der Cavaliere attackierte so die Sparpolitik der
Regierung Monti. Doch inzwischen sind dem grossen Zampano die Mitstreiter
abhanden gekommen, so
Umberto Bossi. Seine Partei der Freiheit (PDL) dümpelt in Umfragen nur
noch bei 14% bis 16% der Wählerstimmen. Berlusconi hofft natürlich, dass
seine Ankündigung dem PDL wieder Aufwind geben wird. Gleichzeitig hofft er
darauf, nach raschen Neuwahlen in den für ihn anstehenden Prozessen (Sex mit
einer Minderjährigen, Amtsmissbrauch, etc.) als führender Politiker
unangreifbarer zu sein.
Im Oktober 2012 wurde Berlusconi bereits von einem Gericht wegen
Steuerbetrug verurteilt. Ein Dekret der Regierung Monti stellte zudem
sicher, dass Politiker, die zu Haftstrafen über zwei Jahren verurteilt
wurden, nicht mehr gewählt werden können, was natürlich den grossen Silvio
treffen sollte.
Sofort nach der Bekanntgabe der Kandidatur von Berlusconi haben die
Senatoren des PDL einem Konjunkturpaket der Regierung Monti nicht
zugestimmt. Das Paket kam im Senat knapp durch, doch die Abstimmung im
Abgeordnetenhaus kommt erst noch. Das Klima in Italien wieder rauer.
Mindestens bis Weihnachten soll Mario Monti im Amt bleiben, damit das neue
Budget noch verabschiedet werden kann. Geht das politische Theater in
Italien wieder voll von vorne los? Wird die Glaubwürdigkeit Italiens an den
Märkten wieder in Frage gestellt werden? Drohen bald Ratingagenturen mit
erneuten Downgrades?
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Klärung auf der Linken - Bersani Spitzenkandidat des PD
Nicht nur auf der politischen Linken ist die Demokratische Partei (DP) in
Umfragen zur Zeit die stärkste Kraft. Der Parteivorsitzende des PD und
ehemalige Kommunist, Pierluigi Bersani, setzte sich vor wenigen Tagen in
Primärwahlen gegen den jungen, aufstrebenden Bürgermeister von Florenz,
Matteo Renzi, mit gut 60% gegen knapp 40% klar durch. Rund drei Millionen
Wähler nahmen an der internen Ausmarchung des PD teil. Ein grosser Erfolg,
der Bersani und seine Mitstreiter auf eine grosse Mobilisierung des linken
Lagers bei den nächsten Parlamentswahlen hoffen lässt.
Bersani stammt aus der
Emilia-Romagna, wo er sich als linker Pragmatiker profilierte. Er diente in
zwei Regierungen von Romano Prodi als Industrieminister sowie in den
Regierungen d'Alema und Amato als Verkehrsminister. Als Minister setzte
Bersani einige Liberalisierungen im Dienstleistungssektor durch.
Als
Spitzenkandidat des PD machte Bersani bereits taktische Fehler. Nicht so
sehr, weil er erklärte, Montis Sparkurs nach einem allfälligen Wahlsieg
fortsetzen zu wollen, sondern weil er sich auf eine Allianz mit dem
Linksaussen Nichi Vendola, dem Präsidenten der Provinz Apulien, der an der
Spitze der Partei Sinistra Ecologia Libertà (SEL) steht, festlegte. Damit
verschreckt Bersani Wähler und Parteien der Mitte, auf die er angewiesen
sein könnte. Zudem gewinnt auf der Linken der Komiker Beppe Grillo weiterhin
an Macht, was das Wählerpotenzial des PD schmälert.
In Berlusconis PDL konnte sich Parteichef Angelino
Alfano selbst in seiner Heimatprovinz Sizilien bei den
Lokalwahlen nicht als Zugpferd profilieren, wohl mit ein Grund, weshalb
Berlusconi wieder an die Macht drängt. Stattdessen wurde in Sizilien die
linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo zur
stärksten Kraft.
Die italienische Politik wird spassiger. Die Wirtschaft wird es nicht
freuen, den Arbeitslosen nichts bringen, die Staatsschuld nicht verringern.
Die Probleme Italiens und der Eurozone kann auch ein Komiker nicht
weglächeln.
Gibt es eine Neuauflage einer linken Koalition, die im Chaos endet? Kommt
die Rechte von Berlusconi nicht los? Wo bleiben die personellen
Alternativen? Wird der PDL zerfallen? Die politische Rechte muss sich
einigen und einen glaubwürdigen Führer finden. Davon weiter entfernt wie
heute kann man nicht sein. Forza Italia!
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