|
Der italienische Haushalt
verabschiedet
Das Budget für 2013 auch vom
Unterhaus genehmigt
Artikel vom 21. Dezember 2012 hinzugefügt um 21:53
Nach dem Senat gestern hat heute wie erwartet das italienische
Unterhaus (Camera dei Deputati) den Haushalt für 2013 genehmigt. 309
Abgeordnete stimmten mit ja, 55 mit nein und 5 enthielten sich der Stimme.
Premierminister Monti hat den Staatspräsidenten Napolitano um seine
Entlassung gebeten, um so den Weg für frühzeitige Neuwahlen Ende
Februar 2013 frei zu machen.
Spätestens im April 2013 wären ohnehin reguläre Neuwahlen angestanden. Doch
da das Volk der Freiheit (PDL) von Silvio Berlusconi der Expertenregierung
Monti sein Vertrauen vor einigen Tagen entzogen hat, sah sich der abtretende Regierungschef
zum Rücktritt veranlasst. Die PDL-Abgeordneten stimmten heute allerdings im
Parlament dem neuen Haushalt zu. Überhaupt ist die Argumentation des
ehemaligen Premier Berlusconi widersprüchlich. So deutete er mehrfach an, er
könne sich vorstellen, nicht als Spitzenkandidat anzutreten, sollte Mario
Monti sich präsentieren, um im nächsten Atemzug die Regierung Monti aufs
Schärfste zu attackieren.
Berlusconi tritt wieder an, weil ein
Gericht ihn in erster Instanz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hat. Das
geschieht nicht zum ersten Mal, doch da seine politische Macht weitgehend
gebrochen ist, wird es für den Ex-Premier auch juristisch immer enger. Zudem
stehen Anfang 2013 noch weitere Prozesse an, so wegen Sex mit einer
minderjährigen Prostituierten. Da
„Ruby Rubacuore“ älter aussah, als sie tatsächlich war,
kann man dem geilen Alten glauben, dass er sich nicht bewusst mit einer
Minderjährigen einliess. Doch lächerlich machte er sich mit der Bemerkung,
er habe in seinem Leben nie für Sex bezahlt, wo er doch in seiner
Retortenstadt Milano2 ein ganzes Harem von bezahlten Gespielinnen
finanzierte. Strafrechtlich relevant war seine Intervention bei der Polizei,
als er behauptete, die junge Dame sei die Enkelin von Mubarak, weshalb sie
freigelassen werden sollte, um diplomatische Komplikationen zu vermeiden.
Die involvierte Magistratin Annamaria Fiorillo meinte dazu, wenn die
Herzensbrecherin Karima El-Mahroug die Enkelin von Mubarak sei, dann sei sie
Königin Nefertiti.
Bücher zu italienischer Kunst bei Amazon.de .
Reiseführer zu Italien bei Amazon.de .
Jeden Tag kommt Silvio Berlusconi mit einer neuen, grandiosen Idee, um
im Gespräch zu bleiben. Dass er sich mit einer neuen Flamme verloben will,
sei ihm gegönnt, auch wenn selbst das als Ablenkungsmanöver gesehen werden
kann; vielleicht wird die neue Frau seines Lebens ja termingerecht zu den
Wahlen hin schwanger, damit schöne Homestories geschrieben werden können.
Auf der wirtschaftspolitischen Ebene schlug der ehemalige Regierungschef
allen Ernstes einen Austritt Italiens aus der Eurozone vor. Kein Wunder,
halten einige ehemalige Verbündete und selbst Mitglieder seiner
eigenen Partei vermehrt Abstand zum immer erratischeren Cavaliere.
Zurück zum italienischen Haushalt: Das heute verabschiedete Budget für 2013
sowie die Budgetvoraussicht für 2013 bis 2015 sieht weitere Einsparungen in Milliardenhöhe
sowie ab dem 1.7.2013 eine von 21% auf 22% erhöhte Mehrwertsteuer vor.
Weitere betreffen Kürzungen beim Wohlfahrtsstaat, die Streichung von
Steuererleichterungen sowie eine Pensionsreform. Dies wird beim Wähler nicht
nur Wohlwollen auslösen.
Am Sonntag, dem 23. Dezember 2012, um 11 Uhr wird Mario Monti seine
Pressekonferenz zum Jahresende abhalten. Laut seinem Umkreis will der
abtretende Premierminister bei der Gelegenheit seine politischen
Zukunftspläne vorlegen. Dazu soll ein ambitioniertes Programm zur Reform
Italiens gehören. Wird sich Mario Monti wieder als Regierungschef zur
Verfügung stellen?
Ein halbwegs solides Fundament hat Monti als Premier zwar bereits gelegt, doch wurde
es weitgehend auf höhere Steuern und Abgaben (Mehrwert-, Immobilien- und
Mineralölsteuer, etc.) sowie Einsparungen (Rentenreform, etc.) gebaut. Monti
machte zwar in seinen 13 Monaten an der Macht
Ernst mit ersten Reformen, doch die harten
Strukturreformen müssen erst noch kommen, insbesondere was den Arbeitsmarkt
anbelangt. Die allgemeine Arbeitslosigkeit von über 10% und die
Jugendarbeitslosigkeit von über 35% müssen sinken, um langfristig den
Staatshaushalt und die Schulden in den Griff zu bekommen. Viele
Liberalisierungen sind noch gar nicht in Angriff genommen worden. Die
Umsetzung der Mehrzahl der Dekrete der Expertenregierung steht noch aus.
Italiens Reformweg wird lang und mühsam sein.
|
|