|
Das Kabinett von Shinzo Abe
Artikel vom 26. Dezember 2012 um 11:12
Das Kabinett von
Regierungschef Shinzo Abe
Der LDP-Chef Shinzo Abe hat heute sein neues Kabinett vorgestellt. Japan
befindet sich erneut in einer Rezession, weshalb keine Zeit vergeudet werden
darf. Dabei sind einige alte Bekannte. So wird der ehemalige Premierminister
Taro Aso neuer Finanzminister. Der frühere Handels- und Industrieminister
Akira Amari wird neuer Minister für den wirtschaftlichen Aufschwung (Minister
for Economic Revival); Japans Wirtschaft muss in der Tat wiederbelebt
werden.
Toshimitsu Motegi wird neuer Handelsminister. Er soll sich laut
Pressemeldungen zudem um Japans neue Energiepolitik kümmern. Neuer Umwelt-
und Nuklearminister wird Nobuteru Ishihara, der da sicher auch ein Wort
mitreden dürfte. Es wird erwartet, dass die von einer Koalition aus LDP und
New Komeito geführte Regierung den vom abgewählten Kabinett Noda
beschlossenen Atomausstieg rückgängig machen wird.
Yoshihide Suda wird Chefsekretär des Kabinetts. Der ehemalige Finanzminister
Sadakazu Tanigaki wird Justizminister. Yoshimasa Hayashi wird
Landwirtschaftsminister. Hakubun Shimomura wird neuer Erziehungsminister.
Der ehemalige Vizeaussenminister Itsunori Onodera wird
Verteidigungsminister. Aussenminister wird der frühere Staatsminister für
Okinawa Fumio Kishida.
Viele der erwähnten Minister gelten als enge Vertraute und/oder Alliierte
des Premierministers. Frisches Blut sucht man vergeblich im Kabinett von
Shinzo Abe. Auf bewährte Kräfte zu setzen, ist sicher nicht falsch. Doch ein
besserer Mix von alten und jungen Politikern täte Japan gut, insbesondere
weil sich viele nun ernannte Minister früher nicht wirklich bewährt hatten.
Bestellen Sie Bücher zu japanischer Kunst bei Amazon.de .
Bestellen Sie Bücher zur Geschichte Japans bei Amazon.de .
Ein Wahlsieg der wenig
Hoffnung verspricht
Nach dem Sieg der Liberaldemokraten bei den
Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2012
kam es am 26. Dezember 2012 zum siebten Wechsel an der Regierungsspitze in
Japan. Der neue Premierminister ist allerdings ein alter, denn Shinzo Abo
hat schon einmal für ein Jahr sein Land geführt, musste aber 2007 unter dem
Druck zahlreicher Skandale frühzeitig zurücktreten.
Bei den Wahlen vom 16. Dezember 2012 brachte es Shinzo Abes LDP auf 294 von
480 Unterhaussitzen. Ihr traditioneller Regierungspartner, die New Komeito
kontrolliert 31 Sitze. Zusammen verfügen die zwei Parteien über eine
Zweidrittel-Mehrheit im Unterhaus, die nötig ist, um
Verfassungsänderungen durchzusetzen und um das Oberhaus bei Gesetzen zu
überstimmen; das Oberhaus wird (noch) nicht von Abe kontrolliert. Einmal mehr hat die Koalition der langjährigen Regierungspartei
LDP zusammen mit der New Komeito die volle Verantwortung und somit keine
Entschuldigung, sollte Japan nicht aus der Wirtschaftskrise herausfinden.
Dass dies allerdings geschieht, ist sehr unwahrscheinlich.
Die Verschuldung Japans liegt bei über 200% des Bruttosozialprodukts. Dies
ist nur möglich, weil Japaner fast die Gesamtschuld halten und tapfer alle
neuen Staatsschuldenpapiere aufkaufen, weshalb die Zinsen äusserst niedrig
sind. Trotzdem „finanziert“
Japan einen Grossteil seines jährlichen Budgets auf Pump. Wenn man noch
hinzudenkt, dass in der Agglomeration Tokio mit seinen 37 Millionen Menschen
längst ein weiteres grosses Erdbeben überfällig ist, kann man Japan nur als
tickende Zeitbombe bezeichnen.
Shinzo Abe drängte wie im Wahlkampf versprochen die Zentralbank zu einer
Lockerung der Geldpolitik. Der Yen fiel daher auf den tiefsten Stand seit 20
Monaten, da die Wirtschaftsteilnehmer mit einer Geldschwemme rechnen. Der
Nikkei kletterte auf den höchsten Stand seit 9 Monaten. Shinzo Abe hat
bereits gedroht, sollte die Bank of Japan sich weigern, ein Inflationsziel
von 2% zu setzen, werde er das Gesetz revidieren lassen, das die
Unabhängigkeit der Zentralbank garantiert; mit einer Zweidrittelmehrheit im
Unterhaus wird vieles möglich. Ein Abbau der gigantischen Staatsschulden
ohne Inflation scheint tatsächlich unmöglich. Wird Shinzo Abe
versuchen, die Wirtschafts-, Schulden- und Budgetprobleme über die
Notenpresse zu lösen? Doch nicht alle Strukturprobleme Japans werden so
verschwinden.
Nebenbei bemerkt, die Demokratische Partei, die unter der Führung von
Premierminister Yoshihiko Noda kollabierte und auf 57 Sitze im Unterhaus
zusammenschrumpfte, hat am 25. Dezember 2012 den früheren Industrieminister
Banri Kaieda (*1949) zum neuen Parteichef gewählt. Im internen Wahlkampf der
Demokratischen Partei war Banri Kaiedo im August 2011 mit 177 gegen 215
Stimmen für Yoshihiko Noda unterlegen, der so zum Premierminister gewählt
wurde. Ob Banri Kaieda jetzt der richtige Mann ist, um die Demokratische
Partei zu führen, wird die Zukunft zeigen. Japan braucht eine glaubwürdige
Opposition, die regierungsfähig ist.
|
|