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Die magere Bilanz von Angela Merkel
Schwarz-Gelb nicht halb so gut
wie die Kanzlerin behauptet
Artikel vom 1. Dezember 2012 um 13:42
Diese Chuzpe muss an erst einmal haben. Die Kanzlerin
behauptete am 21. November 2012 im Bundestag allen Ernstes:
„Ein nüchterner Blick auf die Fakten zeigt: Diese Bundesregierung ist
die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“. Die
Kanzlerin verwies in ihrer Begründung auf die tiefste Arbeitslosigkeit seit
der Wiedervereinigung, die höchsten Ausgaben für Forschung und Bildung und
die höchste Entlastung für die Kommunen. Sie erwähnte zudem
„zwei ehrgeizige Projekte“, die Energiewende und die Aussetzung der
Wehrpflicht mit der Einführung eines Freiwilligendienstes.
Die magere Bilanz von Angela Merkel wird auch durch Schönreden nicht besser.
Natürlich, je mehr Menschen in Arbeit sind, je sozialer ist ein Land. Doch
bei der tiefen Arbeitslosenrate vergass die Kanzlerin zu erwähnen, dass die
Rate von zur Zeit 6,5% - rund 2,75 Millionen Arbeitslose - herzlich wenig
mit ihrer Regierungsarbeit zu tun hat. 6,5% mag zur Zeit in Europa und
angesichts der Krise akzeptabel klingen, doch jede Zahl über 5% ist zu hoch
und verweist auf strukturelle Probleme. Vor allem aber verdankt Deutschland
die tiefe Rate weitgehend den Hartz-Reformen von Rot-Grün. Mit Schwarz-Gelb
hat sie fast nichts zu tun. Doch die Hartz-Reformen bedürfen der
Nachbesserung. Was bitte sollen Ein-Euro-Jobs und 400-Euro-Jobs sein? Das
hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Schlimmer noch,
„MAE-Kräfte“, also Menschen, die „Arbeitsgelegenheiten mit
Mehraufwandsentschädigung“,
also Zusatzjobs im Rahmen des
„Arbeitslosengeldes II“, ausführen, tauchen in der Arbeitslosenstatistik
nicht auf. Damit wird nicht nur die Arbeitslosenstatistik geschönt, ja
gefälscht, es wird nicht nur der Wettbewerb verfälscht, vor allem wurde in
Deutschland eine neue Unterklasse geschaffen. Schaut man sich noch Hartz IV
an, so wird das Bild noch düsterer. Rund 8 Millionen Deutsche, also knapp
10% der Gesamtbevölkerung, leben von Hartz IV. Eine solche Politik kann auf
lange Sicht nicht gut gehen. Was hat Schwarz-Gelb gemacht, um diese soziale
Zeitbombe zu entschärfen? Nichts!
Angela Merkel verwies in ihrer Bundestagsrede vom 21. November 2012 zudem
auf solide Finanzen. Die Neuverschuldung sei auf ein Niveau von
€17,1 Milliarden heruntergekommen, nachdem im Krisenhaushalt 2010
noch €80 Milliarden vorgelegen hätten, beim mit 5% des BIP
stärksten Wirtschaftseinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik. Drei
Jahre bevor die Schuldenbremse es von der Bundesregierung verlange, könne
die Regierung die Vorgabe einhalten und die strukturelle Neuverschuldung auf
0,35% des BIP begrenzen.
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Auch da vergass die Kanzlerin wieder einiges, so das kleine Wörtchen „strukturell“
zu erläutern. Es handelt sich um die um
„Konjunktur- und Sondereffekte bereinigte Neuverschuldung“. Doch die
Bundesregierung profitierte haufenweise von besonderen Umständen. Der
SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück führte dazu in seiner Rede noch vor der
Kanzlerin aus, dass die Regierung „die gute Zeit nicht genutzt“ und
„Vorsorge für angespannte Zeiten nicht getroffen“ habe.
„Dabei hat Ihre Koalition schlichtweg mehr Glück als Verstand: Gegenüber
der ersten schwarz-gelben Finanzplanung für den Zeitraum 2010/13 haben sich
die Steuereinnahmen..., die Zinsausgaben ... [und] die Arbeitsmarktausgaben
deutlich günstiger entwickelt. Das dürfte Sie in einer Grössenordnung von
130 Milliarden Euro entlastet haben. Darüber hinaus kann der
Bundesfinanzminister... deutsche Staatsanleihen zu einem Nahezu-Null-Zins
platzieren, weil viele Deutschland als sicheren Hafen suchen...“ Der
Allianz-Versicherungskonzern rechnete aus, dass daraus eine jährliche
Zinsersparnis von 10 Milliarden Euro für den deutschen Staatshaushalt
entsteht, wie Peer Steinbrück zuecht ausführte.
Die Wahrheit ist folglich dass es die Regierung Merkel trotz
€130 Milliarden Sonderentlastungen nicht geschafft hat, einen ausgeglichenen
Haushalt vorzulegen. Noch viel schlimmer, es wurde keine Vorsorge für
bevorstehende Milliardenverluste getroffen, die sich aus der
Konkursverschleppung im Falle Griechenlands ergibt. Da bleibt Angela Merkel
nach wie vor bei den Märchen von Garantien, Krediten und einem wundervollen
Ende der „Rettung“ Griechenlands.
Natürlich hat das Land Fortschritte gemacht, wenn auch zu wenige, und bewegt
sich langsam in die richtige Richtung. Die Schuldenquote Griechenlands
liegt jedoch bei rund 190% des BIP. Die Schulden belaufen sich auf über
€300 Milliarden. Wer Laufzeiten verlängert oder Zinsen senkt, der schreibt
natürlich einen Teil der Schulden ab. Was im November 2012 bezüglich
Griechenland verabschiedet wurde, reicht nicht, um das
bankrotte Land auf die Gewinnerstrasse zurückzubringen. Die Kanzlerin
versucht, die wahre Dimension des Desasters bis nach der Bundestagswahl
nicht ans Licht kommen zu lassen. Deutschland hat sich in eine Haftungsunion
begeben. Die Vergemeinschaftung der Schulden hat stattgefunden. Scheibchenweise wurden Versprechen gebrochen und rote Linien
überschritten. Und Griechenland ist nicht alleine, auch wenn dieses Land den
einzigen hoffnungslosen Fall darstellt, solange es nicht zu einem massiven
Schuldenschnitt kommt, mit Konsequenzen für den deutschen Steuerzahler. Den
Regierungsfraktionen schwant Böses. Deshalb hatte die Kanzlerin bei der
November-Abstimmung für neue Griechenland-Kredite keine Kanzlermehrheit
hinter sich. Gerettet von SPD und Grünen!
Auch
Spanien, mit einer Arbeitslosenquote von
über 25% und einer Jugendarbeitslosigkeit von 50%, hat noch einen langen Weg
vor sich. Portugal, Irland und Italien stellen weitere Baustellen innerhalb
der Eurozone dar, die
allerdings alle zur Hoffnung Anlass geben. Nicht vergessen werden darf
Frankreich, das unter dem sozialistischen
Präsidenten Hollande
und seiner
Regierung (noch)
in die falsche
Richtung läuft, wenn auch zuletzt eine erste, überfällige Kurskorrektur erfolgte.
Angela Merkel muss eine äusserst magere Bilanz verantworten. CDU und CSU
haben alles gemacht, damit die FDP nach der Bundestagswahl nicht noch
stärker wird. Die Liberalen selbst haben sich zudem alles andere als
geschickt angestellt. So konnte von der Schwarz-Gelben Agenda in der
„Wunschkoalition“ fast nichts
durchgesetzt werden. Nur ein Stichwort: Keiner spricht mehr von einer
radikalen Vereinfachung das hanebüchenen Steuerrechts in Deutschland. Mit
der Mängelliste der Regierung und ihrer Vertreter in Kabinett und Parlament könnte man ein
ganzes Buch
füllen.
Deutschland steht im europäischen Vergleich nicht schlecht da. Doch
Griechenland, Spanien oder selbst Frankreich sind keine seriösen
Konkurrenten, mit denen man sich messen kann. Kurzum: Liebe Frau Merkel, es wird Zeit, dass sie gehen! Wir werden
noch bis zur nächsten Bundestagswahl warten müssen, bis der Traum wahr werden
kann. Zur Zeit stinkt es allerdings wieder stark nach einer Neuauflage der
grossen Koalition. Wenn die Kanzlerin auch nur einen Funken Verstand hat,
wird sie den Weg für eine neue Kraft frei machen. Doch wer soll das sein?
Das Kabinett präsentiert Durchschnittspolitiker, und auf den
Oppositionsbänken sieht es noch düsterer aus. Mit Steinbrück könnte man
halbwegs leben. Wäre er besser als Merkel? Immerhin wären ihm mehr Reformen
zuzutrauen. Seine Chancen aufs Kanzleramt sind allerdings minimal. Nochmals
vier Jahre mit Angie?!
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