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Parlamentswahlen in Italien
Hinzugefügt am 26. Februar 2013
Bersani gewinnt im Abgeordnetenhaus, Berlusconi
holt stark auf, Beppe Grillo bei 25%.
Artikel vom 25. Februar 2012 um 15:38; Wahlgesetz Details zuletzt aufdatiert
um 20:25
Nach ersten Hochrechnungen liegt Bersanis Demokratische Partei mit 35%
bei der Abgeordnetenhauswahl in Führung, vor Berluconis PDL mit
29%, Grillos 5-Sterne-Bewegung mit 20% und Montis Zentrum mit 9%. Es wird
noch eine Weile dauern, bis verlässliche Daten zum Wahlergebnis und zu den
Parlamentssitzen vorliegen. Gleichzeitig zu den Parlamentswahlen fanden
übrigens noch wichtige Regionalwahlen statt.
Populisten finden viel
Zustimmung
Am 24. und 25. Februar 2013
fanden in Italien Parlamentswahlen statt. Heute um 15 Uhr schlossen die
Wahllokale. Rund 50 Millionen italienische Wähler waren an die Urnen
gerufen. Als Favorit ging Pier Luigi Bersani ins
Rennen, ein biederer Post-Kommunist, der immerhin in der Regierung Romano
Prodi einige Reformen durchsetzte. Zudem hat Bersani erklärt, er wolle Mario
Montis Reformkurs fortsetzen. Allerdings will er zusammen mit extremen Linken regieren,
mit denen glaubwürdige Strukturreformen, so des noch immer verkrusteten Arbeitsmarktes, schwerlich durchzusetzen
sein werden. Sein logischer Partner wäre Mario Monti, der zusammen mit
Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, dem Postfaschisten Gianfranco Fini und dem
Zentristen Pier Ferdinando Casini ins Rennen gestiegen ist. Ihnen werden
aber laut Umfragen nur um die 12% zugetraut.
Das 2006 von Ex-Premier Silvio Berlusconi durchgesetzte Wahlgesetz gibt dem stärksten
Wahlbündnis
automatisch eine Mehrheit von 55% der 630 Sitze im Unterhaus (Abgeordnetenhaus). Damit dürfte Bersanis
Demokratische Partei rechnen. Allerdings könnten Ex-Premier Silvio
Berlusconi und seine Alliierten mit Siegen in wichtigen Regionen wie der
Lombardei eine Mehrheit der Linken zusammen mit den Zentristen im Oberhaus
(Senat)
verhindern und so die Durchsetzung einer Reformagenda behindern oder
erschweren.
Bereits heute abend in der Fernsehsendung Porta a Porta von Bruno
Vespa dürften sich die Fronten geklärt haben oder zu klären beginnen. Neben
Silvio Berlusconi, der viele Steuerhinterzieher anspricht, gibt es noch den
Komiker Beppe Grillo mit seiner Fünfsternebewegung, die alles andere als
Reformwillig ist und laut Umfragen mit bis um die 20% Wählerstimmen rechnen
kann. Werden die Politclowns von Links und Rechts
Italien ins Chaos stürzen? Den Populisten gehört in Italien wieder einmal
viel Wählergunst.
Die Lega Nord, die sich eigentlich von Berlusconi
abgewandt, die
Regierung Monti
dadurch erst ermöglicht, aber nie unterstützt hatte,
trat nun im Februar 2013 wieder an der Seite von Silvio Berlusconi an.
Wendehälse gibt es auch in Italien.
Seit
Berlusconi entschied, wieder anzutreten, wenn
auch nicht als Kandidat für den Posten des Regierungschefs, geht in Italien
wieder alles drunter und drüber. Der Cavaliere ist ein begnadeter
Wahlkämpfer. Sein Pirouetten schaden ihm nicht. Noch am 12. Dezember 2012
hatte er bei einer Buchpräsentation erklärt, er würde auf eine erneute
Spitzenkandidatur verzichten, falls Mario Monti als Anführer der
Bürgerlichen gegen die Linke antreten würde. Nachdem Monti ihm die kalte
Schulter gezeigt hatte, die Gefahr einer Gefängnisstrafe für Berlusconi
wieder akut wurde und der Spitzenkandidat der Berlusconi-Partei, Alfano,
eine erbärmliche Figur in seiner Heimatregion Sizilien machte, gab der
Grosse Silvio wieder Vollgas. Er verspricht bis heute das Blaue vom Himmel
herunter und hat damit Erfolg. Termingerecht präsentierte der 76-Jährige im
Januar mit Francesca Pascale eine neue, 28-Jährige Freundin aus Neapel. Das
Bunga-Bunga soll in den Hintergrund treten.
Daneben präsentierte Silvio Berlusconi mehrfach die Story vom Komplott der
Deutschen gegen ihn: Merkel und die Bundesbank hätten ihn gestürzt. Der
Cavaliere stellte sich gar am Fernsehen seinen Kritikern Michele Santoro und
Marco Travaglio, die ihn darauf hinwiesen, dass er während der Regierung
Monti zuerst für die Einführung der ungeliebten Immobiliensteuer war, die er
nun wieder abschaffen will. Die Sache mit der Bundesbank
„schwächte“
der Cavaliere dann ab, indem er behauptete, er habe die Deutsche Bank
gemeint, nicht die Bundesbank, doch die zwei Journalisten machten klar, dass
die Verkäufe von italienischen Staatstiteln durch die Deutsche Bank vor der
Krise, die zu seinem Rücktritt führte, erfolgten.
Daneben behauptete Silvio Berlusconi noch frech im Januar am Rande eines
Holocaust-Gedenktages in Mailand:
„Die Rassengesetze sind die schlimmste Schuld Mussolinis, der aber in
vielerlei Hinsicht Gutes geleistet hat.“ Nicht zum ersten Mal beschönigte
Berlusconi die Herrschaft des Duce. Mit Faschisten hat er wenig
Berührungsängste.
In Fernsehinterviews, so auf Euronews, behauptete Silvio Berlusconi
rotzfrech, er habe als Premier überhaupt keine Fehler gemacht, dabei hat er
Italien massgeblich in die Scheisse geritten. Unter ihm ist die Staatsschuld
von 106% des BIP (unter Prodi 2008) wieder auf deutlich über 120% des BIP
gestiegen. Reformen hat er überhaupt keine durchgesetzt. Es ging nur immer
schnell, wenn der reichste Mann Italiens seine Eigeninteressen schützen
musste.
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La „bibbia“ dei Grillini di Gianroberto Casaleggio e Beppe
Grillo : Siamo in guerra. Per una nuova politica. Chiarelettere,
2011, 188 pagine. Comprate il libro:
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Ein Haufen ungelöster Probleme
Wer auch immer in Italien gewinnt, die alten Probleme bleiben. Die
Steuerflucht ist gigantisch. Die Steuerlast viel zu hoch. Daher sollten
eigentlich die Steuern gesenkt werden, dafür aber konsequent eingetrieben
werden. Doch es fehlt am politischen Willen, an glaubwürdigen Steuerbehörden
und ehrlichen Steuerzahlern. Die Schwarzarbeit boomt. Ebenso die
organisierte Kriminalität wie die
’Ndrangheta, die Cosa Nostra und die Camorra, die jährlich Dutzende
von Milliarden umsetzen. Es geht nicht nur um Drogenhandel. Die Kriminalität
treibt allgemein Blüten. In Italien werden laut Schätzungen jährlich
€12,5 Milliarden allein mit gefälschten Lebensmitteln wie falschen
Parmaschinken und falschen Aceto Balsamico verdient. Die Gangster
investieren ihre Milliarden vielfach in legale Geschäfte, auch im Ausland.
Die Arbeitslosenrate in Italiens Süden liegt bei 18%, obwohl dort nur 39,6%
aller Frauen erwerbstätig sind. Die Jugendarbeitslosigkeit in ganz Italien
liegt bei rund 36%. Wer keine Beziehungen hat, kriegt kaum einen Job. Ein
aufgeblähter Staatssektor, der Subventionsdschungel, die grassierende
Korruption und die Vetternwirtschaft treiben bunte Blüten.
In Palermo wurden 2007 Hunderte von Busfahrern eingestellt, von denen 110
gar keinen Führerschein besassen. Dann gibt es die Geschichten um falsche
Invalide sowie Verstorbene, die Renten beziehen. Die Liste solcher Sünden
ist lang und zeigt, dass das Problem nicht nur bei den Politikern liegt.
Allerdings muss auch dort noch härter als unter Mario Monti der Rotstift
angesetzt werden. Das Parlament könnte problemlos auf die Hälfte geschrumpft
werden. Die Bezüge gehören gekürzt. Viele Privilegien abgeschafft.
Die Liste der fundamentalen Probleme Italiens ist lang. Die fehlende
Rechtssicherheit gehört dazu. Bei Klagen wird um die 12 Jahre lang selbst um
Nichtigkeiten prozessiert. Verjährungsfristen haben Berlusconi auch schon
gerettet. Doch ohne Vertragssicherheit gibt es schwerlich Investitionen.
Mario Monti hat vor allem die Steuern und Abgaben erhöht und eine
Rentenreform durchgesetzt, ansonsten aber kein Strukturreformen
durchgesetzt. Die Italiener verstehen immer noch nicht, dass Leute wie
Berlusconi und Grillo die bescheidenen Reformerfolge von Monti zunichte
machen werden.
Das Land braucht ein Jahrzehnt solider Reformen, um die Staatsschulden
abzubauen und Italien wettbewerbsfähiger zu machen. Die grossen
Strukturreformen liegen noch in der Zukunft. Staat, Verwaltung, Politik,
Bürger und Unternehmer sind in der Pflicht. Italien ist nicht Griechenland.
Es kann sich noch selbst retten. Es muss sich auch selbst retten, da es eine
viel zu grosse Volkswirtschaft ist, die gar nicht gerettet werden könnte.
Werden die Italiener das Steuer nun herumreissen? Oder muss es ihnen zuerst
noch schlechter gehen?
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