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Landtagswahl in Kärnten: FPK
abgestraft
Hinzugefügt am 6.3.2013 um 20:19
Kurt Scheuch gibt dem Druck nach
und kehrt doch nicht als Abgeordneter in den Kärntner Landtag zurück.
Hinzugefügt am 4.3.2013 um 23:02
Nun ist FPK-Obmann Kurt Scheuch
doch noch von seinem Spitzenamt zurückgetreten. Im Landtag wird er
allerdings weiterhin Einsitz nehmen. Christian Ragger heisst der neue
geschäftsführende FPK-Chef. Der SPÖ-Wahlsieger denkt an Rot-Grün.
Artikel vom 4. März 2013, hinzugefügt um 20:31
Die Landtagswahl vom 3. März 2013 in Kärnten hat eine
historische Umwälzung gebracht, die einem politischen Tsunami gleichkommt.
Die Wahlbeteiligung lag 2013 bei 75,15%, gegenüber 81,78% im Jahr 2009. Die
letzte Wahl stand noch ganz im Zeichen des Unfalltodes von Kärntens
Übervater Jörg Haider (Don't drink and drive!).
Das offizielle Endergebnis der Landtagswahl in Kärnten bringt für einmal positive
Nachrichten aus Österreich. Die populistischen Rechtsaussen der FPK wurden
abgestraft wie selten eine Partei in Westeuropa. 2009 noch gab es
überragende 44,89% zu feiern. 2013 sind davon noch erbärmliche 16,85% übrig,
wobei allerdings noch 6,4% der Stimmen ans BZÖ gingen. Zugelegt hat hingegen
die SPÖ. Die Sozialdemokraten legten von 28,74% im Jahr 2009 auf stattliche
37,13% zu. Ob die Sozis dem Land Kärnten besser tun werden, bleibt
abzuwarten. Die Misswirtschaft von Haider und FPK zu überbieten wird
glücklicherweise schwierig werden. Die SPÖ freut sich, nach 24 Jahren wieder
an die Macht zurückzukehren.
Die ÖVP verlor nur leicht, von 16,83% 2009 auf noch 14,40% 2013. Die Grünen
legten stark zu, von 5,15% 2009 auf nun bemerkenswerte 12,10%. Der
Senkrechtstarter der österreichischen Politszene, der vor allem der
populistischen Rechten zu schaffen macht, der Grossindustrielle und Populist
Frank Stronach, schaffte es auf Anhieb auf 11,18%. Der Parteiname Team
Stronach ist allerdings irreführend. Das Team zählt nur wenig, der
Teamführer hingegen alles. Zuletzt noch zu erwähnen wäre das BZÖ. Die Partei
des blassen Touristikkaufmanns Josef Bucher kam auf 6,40%. Nach der Spaltung
der populistischen Rechten in Kärnten im April 2005 (Strache, Scheuch und Bucher),
stand das schloss er sich dem BZÖ unter Jörg Haider an. Die FPÖ trat in
Kärnten unter dem Namen Freiheitliche in Kärnten, FPK, an. Josef Bucher
versuchte sich vom Image der Populistenpartei zu trennen. Er sieht sich als
liberaler und bürgerlicher Politiker. Wer ihn bei seinen Reden im
österreichischen Nationalrat schon erlebt hat, kommt zum Schluss, dass ihm
jegliche Durchschlagskraft fehlt, dass das BZÖ auf Bundesebene mit ihm an
der Spitze auf keinen grünen Zweig kommen kann.
Die Misswirtschaft und Vetternwirtschaft im Land Kaernten, von Jörg Haider
vorangetrieben, nach ihm tapfer weitergeführt, hat nun verspätet doch noch
politische Opfer gefordert. Der Ende 2008 verunfallte Jörg Haider blieb fast
ein halbes Jahrzehnt über seinen Tod hinaus eine Lichtgestalt. Jetzt endlich
dämmerte es den Wählern, dass das System-Haider doch nicht ganz so toll war,
wie es allzu viele zu lange wahrhaben wollten.
Laut dem Umfrageinstitut SORA steht Gerhard Dörfler als Landesvater viel
besser da als seine Partei (FPK). Ihn würden immerhin 26% der Befragten noch
immer als Landeshauptmann wieder wählen, geschlagen nur vom Sozialdemokraten
Peter Kaiser mit 32%. in einer hypothetischen Direktwahl. Die Grünen sowie
das Team Stronach wählten die Kärntner vor allem zur Bekämpfung von
Missständen im Land, so die Umfrage. Bei den Menschen über 60 Jahre
dominierte die SPÖ mit 43% an Zustimmung.
Der abgewählte Landeshauptmann zeigte sich über die klare Abwahl überrascht,
akzeptierte sie aber ohne Selbstmitleid. Er sagte laut Medienberichten:
„Mit so einer Niederlage habe ich nicht gerechnet.“ Er führte zu sich
selbst aus:
„Gerhard Dörfler ist durchgerasselt, ich bin Landeshauptmann ausser
Dienst.“ Selbstkritisch fügte er an:
„Die Menschen sind mit dieser Politik nicht zufrieden.“ Zuletzt
versprach er Standard gar, er werde Peter Kaiser zum neuen
Landeshauptmann wählen. Will sich der abgestrafte FPK-Kandidat als
Koalitionspartner für die SPÖ bereit halten? Der FPÖ-Chef und FPK-Partner
Heinz-Christian Strache hielt an seiner Schwesterpartei fest. Konsequent
wäre es laut Strache allerdings, in Zukunft unter gemeinsamer Bezeichnung,
also FPÖ, anzutreten. Er versucht die Schwäche der Kärntner-Partner zu
nutzen. Der umstrittene FPK-Obmann Kurt Scheuch klebt an seinem Sessel und
will nichts von Rücktritt wissen.
Laut der Wahlstromanalyse von SORA verlor die FPK vor allem Stimmen an die
SPÖ (22%), die Nichtwähler (23%) und an das Team Stronach (11%). 7% wählten
BZÖ. Nur 29% der Wähler von 2009 liessen sich laut dieser Umfrage 2013 für
die FPK mobilisieren.
Fast die Hälfte der Wähler von Team Stronach rekrutierte sich aus früheren
BZÖ-Wählern. Nur 10% kamen von der ÖVP, 7% von der SPÖ. Beim BZÖ unter Josef
Bucher stammen 54% der Wähler vom alten BZÖ, das heute als FPK firmiert.
SPÖ, Grüne und Team Stronach haben Grund zum Jubeln. Die ÖVP ist mit einem
blauen Auge davongekommen. Das BZÖ ist selbst im Heimatland nur eine
Splitterpartei. Nur die FPK muss arg an ihren Wunden lecken.
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