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Hotel Adlon Kempinski Berlin
Artikel vom 4. Januar 2005

Allein schon auf Grund seiner Lage Unter den Linden am Pariser Platz mit freier Sicht auf das Brandenburger Tor ist das Hotel Adlon Kempinski Berlin eine der ersten Adressen Berlins. Wer zwischen Mai und Oktober nach Berlin kommt, sollte die Sommerterrasse am Pariser Platz geniessen.

Die legendäre Luxusherberge brannte aus nicht ganz geklärten Gründen am Ende des Zweiten Weltkriegs, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945, aus. Nur ein hinterer Seitenflügel überlebte und wurde zu DDR-Zeiten bis zu Beginn der 1970er Jahre als kümmerlicher Abglanz des Adlon weitergeführt, ehe dort ein Lehrlingswohnheim eingerichtet wurde. 1984 entschied das Politbüro der SED, dass auch dieser letzte Hotelrest abgerissen werden sollte.

Hedda Adlon, die 1967 verstorbene Schwiegertochter des legendären Hotelgründers Lorenz Adlon, hatte bereits in den 1950er Jahren der Kempinski AG die Vorkaufsrechte für das Gründstück und den Namen Adlon verkauft. Das heute der von Anno August Jagdfeld geführten Fundus Fonds-Verwaltungen GmbH gehörende Luxushotel mit der Kempinski-Hotelgruppe als Pächterin konnte allerdings erst nach dem Untergang der DDR und der Überwindung juristischer Schwierigkeiten neu gebaut und am 23. August 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog feierlich eröffnet werden. Die Festrede hielt Walter Jens, der Ehrenpräsident der Akademie der Künste, die gleich neben dem Adlon steht aber noch immer nicht fertiggestellt ist.

Das Hotel Adlon Kempinski Berlin hat folglich abgesehen vom Namen und Anspruch nichts mit dem historischen Hotel gemein. Doch mit der Eröffnung wurde es sogleich wieder zum beliebten Treffpunkt der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Als der Schreibende am Tag seiner Ankunft in den weiten des dritten Stockes auf der Suche nach dem Hauptlift - nur der Spa-Lift liegt direkt gegenüber dem Superior Deluxe Doppelzimmer 328 - durch die Gänge irrte, konnte ihm ein ebenfalls neuer Gast den Weg weisen: Tom Waits.

Am Neubau scheiden sich die Geister: Weder Fisch noch Fleisch, weder eine Architektur der Kaiserzeit noch eine der 1990er Jahre. Ziel der Architekten Patzschke, Klotz & Partner war allerdings nicht die Rekonstruktion des historischen Adlon, sondern ein eigenständiger Entwurf eines zeitgemässen Luxushotels, wofür die Stolze Summe von DM 600 Millionen eingesetzt wurde. Einzig der Brunnen unter der fünfzehn Meter hohen blau-goldenen Glaskuppel im Foyer sowie der Kamin im ersten Stock mit der Büste von Wilhelm II. wurden nach dem Vorbild des alten Adlon originalgetreu rekonstruiert. Das gelang so gut, dass bereits vor der Neueröffnung ein "Sammler" den Bronzeadler vom Helm des Kaisers stahl.

Im Adlon zitieren einige Elemente den Stil des historischen Hotels aus der Kaiserzeit, das für den heutigen Geschmack vielleicht ein wenig überladen und düster wirken würde, weshalb der Neubau hell, lichtdurchflutet, mit einer freundlichen und offenen Atmosphäre gestaltet wurde.  

Das Design im Adlon ist zeitlos elegant und gleichzeitig modern. Alle Zimmer verfügen über eine Mindestgrösse von 38 Quadratmetern. Die Junior-Suiten für Geschäftsleute, die länger im Aldon wohnen, verfügen über einen voll ausgestatteten Arbeitsbereich sowie eine Kitchenette und sind über einen separaten Eingang von der Behrenstrasse aus zugänglich.

Die Räumlichkeiten wurden von den Innenarchitekturbüros Ezra Attia (London) und Lars Malmquist von AB Living Design (Stockholm) entworfen. Die Zimmer und Suiten sind in vier Farbgruppen verschiedenen Farbkombinationen ausgestattet: Blau/Beige, Rot/Beige, Grün/Goldbraun und Gold. Die Fussböden und Türumrandungen sind mit Jura-Kalkstein ausgestattet, Wände und Türen mit Kirsch- und Wurzelholz furniert. Blattvergoldete Decktapeten, zeitlos-elegante Möbel aus Kirsch- und Myrteholz mit komfortablen Polstern in Wilderlederoptik sorgen für ein gediegenes Ambiente.

Die Bäder im Adlon sind in schwarzem Granit, hellem Marmor und edlen Holzvertäfelungen ausgestattet. Die Duschen in den Suiten können übrigens auch als Dampfkabinen benutzt werden.

Bei Luxushotels machen Details den kleinen Unterschied aus. Im Superior Deluxe Doppelzimmer 328 stand zum Beispiel ein pot pourri, der diskret den Raum parfümierte. Der kostenfreie Schuhputzservice des Hotel Adlon Kempinski Berlin ersetzt über Nacht fehlende oder kaputte Schnürsenkel. Im Badezimmer von 328 befanden sich zwei Badesalze und ein Badeöl. Auf Nachfrage wurde dem Schreibenden erläutert, dass jeder Gast auf Wunsch beim Housekeeping aus zwanzig Badesalzen und -Ölen die gewünschten Duftlinien auswählen kann. Und wer zwar fit bleiben, nicht aber das Spa aufsuchen möchte, bekommt ein Laufband oder Fitnessfahrrad ins Hotelzimmer gestellt.



In den meisten Luxusherbergen kann der Gast Souvenirs aller Art des jeweiligen Hotels kaufen. Das Adlon Berlin bietet diesbezüglich wohl die grösste Auswahl, die der Schreibende bisher gesehen hat. Für Damen gibt es sogar ein Adlon-Gesichtspeeling, für Herren ein After Shave Balm. Befremdlich ist nur, das die Postkarten, die fast jedes Hotel als Werbung den Gästen offeriert, im Adlon gekauft werden müssen.

Im Mai 2004 wurde das Hotel um 69 Zimmer, davon 21 Suiten, erweitert. Der Wiener Architekt Gustav Peichl errichtete den an die Britische Botschaft grenzende Erweiterungsbau auf dem Eckgrundstück Wilhelmstrasse/Behrenstrasse. Die neuen Zimmer und Suiten sind technisch auf der Höhe der Zeit, alle mit in die Wand eingelassenen TV-Flatscreens, Wireless LAN im gesamten Hotel und High Speed Internet Access, wobei einzelne Zimmer und Zimmergruppen zu privaten Netzwerken zusammen geschlossen werden können und auf Wunsch auf einen gemeinsamen Server Zugriff haben. UMTS, ein Badtelefon, eine Stereoanlage mit CD- und DVD-Player, Tapedeck und Radio runden das Angebot ab.

Das Gesamtkonzept entwarf die Besitzergattin und Designerin Anna Maria Jagdfeld mit ihrem Team von amj Design. Die neuen Zimmer sind etwas dunkler gehalten als die alten. Die Wände sind mit Kirschholz und Seide bezogen, die Fussböden sind aus dunklem Eichenparkett. Die Seidenstoffe stammen von Etro aus Italien, die Leuchter aus Chrom und Eisenguss sowie die Möbel aus hochglänzendem lackiertem Kirschholz sind Massanfertigungen, exklusiv fürs Adlon geschaffen. Die Badezimmerwände und -böden sind aus Limestone in warmen Tönen. Daneben wurde der schwarze Granit nero assoluto verwendet.

Zusätzlich zum bereits existierenden Pool- und Spa-Bereich im alten Teil des Adlons entstand in den beiden Untergeschossen des Erweiterungsbaus das luxuriöse Adlon Day Spa mit einer Gesamtfläche von 610 Quadratmetern, das verschiedene Treatment-Bereiche von 14 bis 30 Quadratmetern, eine Health-Bar, eine Kamin-Lounge und einen Yoga-Raum umfasst. Der neue Spa-Bereich verbindet gekalkte Eichenhölzer, hellen Limestone und farbige Lichtprojektionen auf weiss gelackten Wänden mit ursprünglicher indonesischer Kunst, darunter antike Garuda-Skulpturen, die Glück und Vollkommenheit symbolisieren.

Viel Wert legt das Adlon auf die Schulung seiner Mitarbeiter, die in einem 50seitigen Handbuch nicht nur Richtlinien zur korrekten Kleidung finden, sondern auch 101 Fragen und Antworten zum Adlon und seiner Geschichte, die jeder Angestellte immer parat haben muss. Kandidaten auf eine Karriere im Adlon sollten, wenn möglich, das Abitur sowie eine Zeit im Ausland verbracht haben.

Die Liste der Politiker, Musiker, Schauspieler und anderer VIPs, die das Hotel Adlon Kempinski Berlin seit seiner Neueröffnung 1997 besucht haben, ist eindrucksvoll. Fast alles, was Rang und Namen hat, ist hier bereits einmal abgestiegen. Stellvertretend für die vielen Stammgäste sei Aussenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher erwähnt. Im reichen Veranstaltungskalender fallen der Staatsempfang "50 Jahre Luftbrücke" mit Bill Clinton, Roman Herzog und Helmut Kohl 1998, die  Zehnjahresfeier des Mauerfalls am 9. November 1999 mit der Live-Talkshow von ARD/SFB mit George Bush, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl und die Neujahrsansprache 1999/2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus der Adlon-Präsidentensuite ins Auge. Die Premierenfeier des mehrfach ausgezeichneten Kinofilms Comedian Harmonists sowie, im November 2004, die Pressekonferenz zur Bridget Jones-Fortsetzung Am Rande des Wahnsinns mit Hugh Grant und Renée Zellweger fanden ebenfalls im Adlon statt.

Das Hotel Adlon Kempinski Berlin gehört also wieder zu den ersten Adressen, nicht nur in der deutschen Hauptstadt. Davon zeugen ebenfalls die vielen Auszeichnungen, die das Hotel seit 1997 erhalten hat. Drei seien erwähnt: 1998 kürte Gault Millau das Adlon zum "besten Hotel des Jahres", das Time Magazine wählte es 1999/2000 zum "Hotel of the Century", und der Condé Nast Traveler zeichnete es 2003 mit dem zweiten Platz in der Gold List - the World's Best Places to Stay aus. Bereits im Jahr der Neueröffnung wurde das Adlon in die prestigereiche Vereinigung der Leading Hotels of the World aufgenommen.

Siehe auch die Artikel zur Geschichte des Hotel Adlon und zu Lorenz Adlon.


Sicht von der Quadriga aufs Adlon. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.




Das Foyer mit der 15 Meter hohen Glaskuppel. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.


Blick in die Brandenburger-Tor-Suite. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.


Blick in ein Deluxe-Zimmer. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.


Laurenz Demps, Carl-Ludwig Paeschke: Das Hotel Adlon. Nicolai Verlag, Berlin, 2004, 203 S. Bestellen bei Amazon.de. Ein reich illustriertes Buch mit einer detaillierten Geschichte. Demps ist Berlin-Historiker und Professor and der Humboldt Universität Berlin, Paeschke leitet die Redaktion Dokumentationen beim TV-Sender Phoenix.

Hedda Adlon: Hotel Adlon. Heyne, 1998, 319 S. Bestellen bei Amazon.de. Das Buch der 1967 verstorbenen Schwiegertochter des Hotelgründers Lorenz Adlon und Witwe von Louis Adlon bietet allerlei kurzweilige Anekdoten, deren Fakten allerdings nicht immer einer Überprüfung standhalten. So war der legendäre französische Spitzenkoch Georges Auguste Escoffier nie Chef im Adlon.

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Weitere Artikel zu Berlin
Geschichte: Gendarmenmarkt Berlin, Unter den Linden, Brandenburger Tor.
Musik: Christian Thielemann, Daniel Barenboim 
Hotels: Geschichte des Hotel Adlon, Lorenz Adlon, Brandenburger Hof (engl. Art.).
Restaurants: Restaurant Alt Luxemburg, Restaurant Quadriga Berlin (engl. Art.).

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