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Hotel d'Angleterre, Genf
Das Genfer Luxushotel - Hotelkritik, Geschichte, Fotos
Artikel vom 16. Februar 2007
 
Die Geschichte des Hôtel d'Angleterre reicht ins Jahr 1872 zurück. Das vom Architekten Antony Krafft errichtete Haus öffnete damals seine Türen. Ursprünglich bestand es lediglich aus einem Gebäude, das am Kai lag und auf der Rückseite einen Innenhof besass, in dem die Kutschen und Pferde Platz fanden. Die Diener hatten ihre Kammern im Dachgeschoss.

1910 liess der Hotelbesitzer, Charles Gustave Kunz, einen Hausflügel in der Rue de Monthoux bauen, wodurch die Hotelkapazität schlagartig verdoppelt wurde. Nach der Zeit der Belle Epoque kam das Hotel d'Angleterre in den Besitz der Familie Bucher.

Franz Joseph Bucher (1834-1906) war ein Unternehmer aus Obwalden, der in Kägiswil eine Fabrik für Bodenbeläge betrieb, Tramlinien in der ganzen Welt errichtete, wobei er mit dem Bürgenstock begann, wodurch er ins Hotelgeschäft kam.
                                                                     
Die Familie Bucher wurde eine der berühmtesten Hotelier-Dynastien der Schweiz. Sie schuf die erste internationale Hotelkette. Zu ihrem Imperium gehörten unter anderen Hotels neben dem Bürgenstock das Euler in Basel, das Semiramis in Kairo und das Quirinal in Rom. Der Enkel von Franz Joseph, Otto Bucher (1884-1991), übernahm nach Lehrjahren in England das Hotel d'Angleterre 1938 zur Miete, 1951 kaufte er es.

Es war auch Otto Bucher, der den Hoteleingang in die Rue de Monthoux verlegte und zum Kai hin eine Terrasse sowie einen Speisesaal anlegte, noch ehe er das Hotel von Charles Gustave Kunz zur Miete übernahm.

Der im Alter von rund 107 Jahren verstorbene Otto Bucher war eine Legende und schaffte es ins Guiness Book of Records, weil er es im biblischen Alter von 100 Jahren als ältester Golfer aller Zeiten schaffte, ein hole in one zu schlagen.
Die Tochter von Otto Bucher, Carmen, ist übrigens mit dem Schweizer Besitzer des berühmten Hotels Hässler in Rom verheiratet.

Im Vorfeld der Abkommen von Evian (Accords d'Evian, 1962) zwischen Frankreich und Algerien wurde im Hôtel d'Angleterre ein klein wenig Geschichte geschrieben, da hier Gespräche über die algerischen Schulden stattfanden. Ein beteiligter Bankier wurde am Tag nach seiner Abreise in Deutschland ermordet.


In den 1960er Jahren übernahm Otto Buchers Sohn Robert das Hotel und führte es bis 1989 weiter. Als die Buchers auf die Pensionierung zugingen und die Infrastruktur des Hotels hätte erneuert werden sollen, wurde das Angleterre im richtigen Moment im Spekulationsjahr 1989 an die Compagnie des Eaux weiterverkauft und danach als Sofitel Demeure (Accor Hotel) geführt.



1994 wurde das Hotel d'Angleterre vom damaligen Musikkonzern Vivendi Universal übernommen, ein Jahr lang komplett geschlossen und von 60 auf 45 Zimmer und Suiten umgestaltet. Das Haus ist allerdings denkmalgeschützt, weshalb selbst die Farbe der Fassade nicht verändert werden darf.

In der Zeit unter Vivendi Universal, in welcher der Generaldirektor Philippe Rubod (1995-2001) das Hotel führte, kamen viele Gäste aus der Musikszene für Interviews nach Genf ins Hotel, darunter Céline Dion, Michael Jackson, Laura Pausini und Zucchero.

Michael Jackson kam gar ein zweites Mal - diesmal inkognito - ins Hotel und blieb drei Monate unerkannt im Angleterre. Chef-Concierge Bruno Pensa erinnert sich an einen freundlichen Gast, der sich hier so frei wie seit Jahren nicht mehr fühlte, mit seinen Kindern in seiner Suite spielte und dazu viele Kostüme anfertigen lies. Einmal spazierte er gar völlig unbehelligt durch die Rue du Rhône. In amerikanischen Medien war nach seiner Abreise von schwarzen Messen zu lesen, die Michael Jackson im Hotel gefeiert habe, was laut Bruno Pensa, erfundener Quatsch war.

Im Oktober 2001 übernahm die Red Carnation-Gruppe, die unter anderem auch The Milestone in London besitzt, das Hotel d'Angleterre. Es wurde 2002-2003 komplett neu dekoriert, in ein Luxushotel für höchste Ansprüche verwandelt und mit einem
Gourmet-Restaurant ausgestattet. Rund 85 bis 90 Angestellte kümmern sich um die 45 Zimmer und Suiten, wodurch ein individueller Service auf höchstem Niveau garantiert ist.

Zu den frühen Hotel-Anekdoten gehört jene aus den 1930er Jahren, die sich um Johnny Weissmuller dreht. Der fünfmalige Schwimm-Goldmedaillen Gewinner und zwölffache Tarzan-Darsteller dinierte in den 1940er Jahren (?) im Hotelrestaurant, von zwei amerikanischen Damen bewundert, die nach seinem Weggang meinten: „He's a god“.

Zu den pikantesten Hotelgeschichten zählt jene von Prinzessin Marie-Louise de Prusse, die am Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Musikprofessor durchgebrannt war und im Hotel d'Angleterre ihre aussereheliche Affäre lebte.

Nach seinen liebsten Gästen bzw. den eindrücklichsten Persönlichkeiten befragt, erzählte mir Chef-Concierge Bruno Pensa von Audrey Hepburn, die kurz vor ihrem Tod 1993 im Hotel weilte. Der Schriftsteller Alistair MacLean verbrachte längere Zeit im Angleterre, wo er als grosser Whiskey-Trinker bekannt war. Der französische Poet Jean Genet blieb dem Concierge als unscheinbarer Gast in einem alten Regenmantel in Erinnerung. Hans Erni weilte hier mit seiner Frau und hinterliess im Gästebuch eine Zeichnung mit Pferd. Bundespräsident Joseph Deiss trug - wie es sich für einen bescheidenen Schweizer Politiker gehört - seinen Koffer selbst vom Zimmer zur Rezeption.

Man glaubt es kaum, aber das Hotel d'Angleterre ist vor allem ein Business Hotel, allerdings für Geschäftsleute mit exklusivem Geschmack. Jedes Zimmer ist einzigartig. Die Zahl von 60% Stammgästen spricht für sich. Der Schreibende war übrigens in der eleganten Chambre Supérieure 327 untergebracht.


In den Suiten offeriert das Angleterre seinen Gästen nicht nur Amenities von Penhaligon's, sondern Damen können zudem aus einer Palette mit den bekanntesten Marken ihr Badeöl auswählen. Vier Suiten und Junior Suiten besitzen einen Balkon mit Blick auf den Jet d'Eau, Genfs Wahrzeichen, das sich aus einem simplen Überdruckventil der Stadtwerke heraus entwickelt hat. 14 Zimmer und Suiten haben den direkten Blick auf den See.

Das Hotel d'Angleterre wartet nicht nur mit den vielleicht elegantesten Zimmern der Stadt und einem
Gourmet-Restaurant auf, sondern besitzt im Untergeschoss die zumindest Ende 2006/ Anfang 2007 angesagteste Hotelbar der Stadt.

Weiterführende Literatur:
- L'Hôtellerie Genevoise 1893-1993. Cents Ans d'Hospitalité d'Excellence. November 1993.
- Die Anekdoten und viele Detailinformationen verdanke ich Chef-Concierge Bruno Pensa, der im Hotel d'Angleterre seit 1968 tätig ist und davor im Waldhaus Dolder arbeitete.



Die populäre Bar im Untergeschoss. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Die Chambre Supérieure 299. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Blick ins kleine Fitness im Untergeschoss, das der Schreibende ausgiebig nützte, um die im Restaurant aufgenommenen Kalorien zu eliminieren. Foto © Hotel d'Angleterre, Genf.


Blick in ein Single-Zimmer. Fotos © Hotel d'Angleterre, Genf.


Der kleine Salon. Foto © Hotel d'Angleterre, Genf.


Blick vom Genfersee aufs Hotel. Foto © Hotel d'Angleterre, Genf.


Ankunft mit Stil in der Limousine des Hotels. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Eine Chambre Supérieure. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.




Die Chambre Deluxe 228. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Der Salon von 325. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Die Chambre Deluxe 326. Photo © Hotel d'Angleterre, Genf.


Blick von 325 auf den Jet d'Eau. Photos © Hotel d'Angleterre, Genf.


Blick in ein Bad. Foto © Hotel d'Angleterre, Genf.
 
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