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Mena House Hotel
Geschichte, Fotos und
Anekdoten des Luxushotels in Gizeh
Artikel vom 30. Januar 2013
Managementwechsel und
anstehende Renovation
Das Mena House am Fusse der Pyramiden gehört zu den
legendärsten Hotels der Welt. Ende 2012 lief der Managementvertrag der indischen Oberoi-Hotelgruppe mit der staatlichen Hotelgesellschaft EGOTH (Egyptian
General Company For Tourism & Hotels) ab. Die Suche
nach einem neuen Management läuft. Laut Vizedirektor Tarek Lotfy, der sich
seit Jahrzehnten insbesondere um die Erforschung der Hotelgeschichte
verdient gemacht hat, befinden sich noch mehrere Gesellschaften im Rennen um
den neuen Kontrakt.
Das historische Gebäude bedarf einer umfassenden Renovierung. Insbesondere
die Badezimmer und die Klimaanlage müssen vollständig erneuert werden. Beim
Rest der Zimmer und bei den öffentlichen Räumen ist hingegen eine sanfte
Renovierung angesagt, um die einmalige Atmosphäre des Mena House Hotels zu
bewahren. Die Antiquitäten im Palastflügel mit seinen historischen Räumen und Einrichtungen
sollten nicht angetastet werden. Die
Badezimmer hingegen stammen aus den 70er Jahren und sind daher zurecht nicht
Denkmalgeschützt, wie mir Mohit
Nirula,
der damalige Oberoi Hoteldirektor 2012 erzählte.
Eine Renovierung war eigentlich bereits für den Sommer 2012 vorgesehen, wie
mir damals Mohit Nirula mitteilte. Leider wurden die Pläne verschoben. Hoffentlich wird EGOTH
zusammen mit dem neuen Management die Erneuerung im Sommer 2013 durchführen. Was in Ägypten möglich
ist, zeigt der Fall des renovierten
Old Cataract Hotels in Assuan eindrücklich.
2012 übernachtete ich auf demselben Stockwerk im historischen Gebäude wie 2007
(englischer Artikel). Diesmal war ich in Zimmer 1010 zu Gast. Erneut
genoss ich den direkten Blick auf die Pyramiden. Den hatte ich sowohl
von
meinem Bett wie auch von meinem Balkon aus. Zimmer 1010
(Palace Superior Pyramids View) ist eine Art Junior Suite mit einem
kleinen Wohnzimmerteil mit einem zweiten Fenster, ebenfalls mit
Pyramidenblick, und vor allem mit einem grösseren Balkon als direkt vor dem
Schlafzimmer. Hier kann gemütlich gefrühstückt und am Abend vom Alten
Ägypten geträumt werden.
Der Gartenflügel
(Garden Wing) des Luxushotels wurde in den letzten Jahren völlig erneuert.
Die Tennisplätze sind inzwischen verschwunden. Der Golfplatz des Hotels wird
noch renoviert. Im Garenflügel befinden sich 323 Zimmer, inklusiv 3 Suiten.
Der Gartenflügel dient vor allem Gruppenreisenden, verfügt über eigene
Restaurants, wo ich mit Genuss speiste, einen eleganten und grossen
Freiluftpool, ein Spa mit Fitness, das ich ausgiebig benutzte, Massageräume und
mehr. Der Gartenflügel verfügt über einem eigenen Eingang und eine eigene Rezeption.
Sollte also das historische Gebäude für eine Renovierung schliessen, kann
der Betrieb im Garden Wing normal weitergeführt werden.
Wer die
ultimative Mena House-Erfahrung in einem Ambiente voller Geschichte will, wird weiterhin im Palastflügel
absteigen wollen. Sollte die Renovierung wie nach dem mir 2012 vom
vormaligen
Oberoi Hoteldirektor Mohit Nirula erläuterten Projekt durchgeführt
werden, dürften
nach einigen Umbauten im Palast rund 100 Zimmer, zumeist Suiten,
sowie ein eigener Pool und ein eigenes Spa entstehen.
Die Geschichte des Luxushotels
Die Geschichte des Luxushotels wird fortlaufend fortgeschrieben. Wie in
allen grossartigen Hotels der Welt steigen auch im Mena House Hotel ständig
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Politiker, Künstler und
Wirtschaftsmagnaten ab. Bei meiner Ägyptenreise 2012 wanderte ich quasi auf
den Spuren von Kate Winslet. Wie schon im
Winter Palace, war die Schauspielerin auch im Mena House
nur einige Tage vor mir zu Gast
gewesen und hatte sich ins Goldene Buch eingetragen.
Die Hotelgeschichte ist im Mena House Hotel allgegenwärtig.
Vizedirektor Tarek Lotfy macht
sich seit Jahrzehnten um ihre Erforschung verdient. 2012 sah ich mir mit ihm
erneut seine Sammlung historischer Fotos und Postkarten sowie einen neuen,
von ihm gedrehten Film zur Hotelgeschichte an. Tarek Lotfy bringt seinen
Gästen auf den Hotelgängen das historische Mena
House näher. Fotos zeigen einen Zeppelin, der um 1913 über den Pyramiden schwebt, die 1920
noch nicht völlig ausgegrabene Sphinx, die Nilfluten um 1885 und um
1900, die fast das Hotel erreichten! Antiquitäten,
Teppiche, Fotos und Stiche zu Ägypten, seiner Kunst und
seinen Menschen bereichern die öffentlichen Räume ebenso wie die Zimmer und
Suiten.
Die Geschichte des Mena House Hotels beginnt im 19. Jahrhundert. 1797 brach
Napoleon in Ägypten ein und raubte viele Güter, die er nach Europa brachte,
wo daraufhin die Ägyptomanie ausbrach. Ägyptologen wie Giovanni Belzoni
trugen zum Mythos Ägypten massgeblich bei. Der Suezkanal wurde 1869 für den
Verkehr geöffnet. Nun spätestens wurde das Nilland für Reisende aus aller
Welt attraktiv. Noch im selben Jahr organisierte Thomas Cook erstmals für
Touristen eine Ägyptenreise.
Das Mena House Hotel am Fuss Cheopspyramide, die aus der Zeit um 2560 vor
unser Zeitrechnung stammt, entstand aus einer Jagdhütte. Sie gehörte einst
dem Khediven Muhammad Ali, der nach Napoleons Niederlage die Hoheit des
ottomanischen Reiches über Ägypten wieder hergestellt hatte. 1869 hatte die
Jagdhütte zwei Stockwerke und wurde von König Ismail dem Prächtigen, der
Ägypten modernisierte, vergrössert und über die Pyramid Road von Gizeh mit
Kairo verbunden, weil der Besuch der Kaiserin Eugenie, der Gemahlin von
Napoleon III, anstand. Auf Grund dieser Geschichte besitzt das Mena House
Hotel eine einzigartige Lage, näher an den Pyramiden als jedes andere Hotel.
1883 kaufte das englische Ehepaar Ethel und Hugh F. Locke-King auf seiner
Hochzeitsreise die Jagdhütte. Sie gründeten das Mena Hotel, wie es 1885
hiess, benannt nach dem Gründervater der ersten pharaonischen Dynastie. Im
folgenden Jahr offiziell öffnet, besitzt das Mena House noch heute Objekte
aus jenen Anfangstagen. Dazu gehört zum Beispiel eine historische Türe.
Berühmt ist das Luxushotel für
Mashrabia, Haremsfenster aus Buchenholz und Mahagoni,
die vom Ehepaar Locke-King stammt, ebenso wie farbige Marmormosaiken und
andere Details.
Der österreichische Baron Ernst Rodakowski war der erste Hoteldirektor im
Mena Hotel. Er war ein Freund des Besitzerehepaars und brachte die Herberge
auf das Niveau der besten Luxushotels. Allerdings war sie nicht profitable,
da Ethel und Hugh F. Locke-King zu generös mit ihren Freunden waren, die sie
beherbergten.
Ursprünglich verfügte das Mena House über 80 Schlafzimmer, einen Golfplatz,
Tennisplätze (die erst nach 2007 verschwunden sind), ein Billardzimmer,
Pferde und Ställe, ein elegantes französisches Restaurant sowie einen
italienischen Fotografen, Fasani, der im Hotel sein Studio hatte.
Der spätere deutsche Hoteldirektor G. A. Loedlick aus Frankfurt engagierte
den englischen Arzt Barry-Blacker, der erste Schritte in Richtung eines Spas
unternahm. Bereits 1890 eröffnete das Mena House den ersten Pool in Ägypten,
in dem sich Hotelgäste schwimmend abkühlen konnten. Im selben Jahr
verkündete das Luxushotel, dass es fortan ganzjährig offen bleiben würde, im
heissen Sommer nicht mehr schliessen würde.
Berühmte Gäste im Mena House Hotel
Die Liste der Berühmtheiten, die im Mena House Hotel abstiegen, füllte
Bücher. Nicht nur die oben erwähnten Feldmarschalle Rommel und Montgomery
schliefen hier. Unter den frühen Gästen, noch im 19. Jahrhundert, waren der
Prince of Wales sowie der Sherlock Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle
mit seiner Gattin.
Das Hotel wechselte bereits im 19. Jahrhundert mehrmals teilweise die Hand.
Baron Rodakowski kaufte 1894 Anteile vom Ehepaar Locke-King. 1896 kaufte
Emil Weckel Anteile. Danach kam ein Herr Schick hinzu. Zwei Jahre später
verkaufte Baron Rodakowski seine Hotelanteile. 1904 schliesslich übernahm
George Nungovich das Mena House von den Herren Schick und Weckel. Nungovich
war ein Selfmademan, der als Porter in Kairos Hauptbahnhof begonnen hatte,
um zum Schloss über ein Hotelimperium in ganz Ägypten zu herrschen. Zu
seinem Reich gehörten das Angleterre, das Savoy, das Grand Continental und
das Mena House.
Nungovich bewies ein feines Händchen, als er August Wild als Generaldirektor
für seine Hotelgruppe anstellte. Wild konnte 1909 Kaiserin Eugénie,
inzwischen Witwe, für einen zweiten Besuch bei den Pyramiden begrüssen. Im
selben Jahr organisierte Wild ein Bankett für den Prinzen und die Prinzessin
von Wales, den zukünftigen König Georg V und Queen Mary. Es fand in einem
Chalet statt, das 1969 extra für den Besuch von Kaiserin Eugénie gebaut
worden war.
Im Ersten Weltkrieg diente das Mena House zeitweise den Australischen
Truppen, gegen Ende des Krieges als Spital. Der Erste Weltkrieg brachte
zudem Winston Churchill ein erstes Mal ins Hotel bei den Pyramiden. Er
verliebte sich in die Luxusherberge und wurde zum Stammgast. Die Churchill
Suite, die sich der Schreibende 2007 wie 2012 anschaute, zeugt von dieser
engen Beziehung.
Nach dem Krieg gingen die Wohlhabenden wieder auf die Grand Tour, zu der
auch Ägypten gehörte. Das Mena House erhöhte deshalb die Zahl der Zimmer um
30. König Fuad I kam 1922 an die Macht. Vor allem aber entdeckte Howard
Carter das Grab von Tutankhamun. Das Ägyptenfieber grassierte unter den
Touristen wie nie zuvor.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 tötete den Gizeh-Tourismus nicht.
König Faruk raste regelmässig in seinem roten Sportwagen über die Pyramid
Road ins Mena House für einen Drink. Die australischen Soldaten kamen
erneut. Die Montgomery Suite verfügt heute über eine Türe aus dem Palast von
Huda Shaarawi, der ersten erwähnenswerten Feministin Ägyptens. Historische
Fotos von
„Monty“ ergänzen das Dekor.
Das Mena House wurde im November 1943 das Hauptquartier der Alliierten
Chiang Kai-shek, Roosevelt und Churchill während der Kairo-Konferenz.
Japans bedingungslose Kapitulation und Japans Verzicht auf China wurden
beschlossen, die Operation Overlord, die Invasion Europas, diskutiert. Zur
Sicherheit installierte die RAF einen Sicherheitsposten auf der Spitze der
Cheopspyramide.
1952 musste König Faruk ins Exil fliehen. Nasser kam 1956 regierte als
Präsident Ägyptens von 1956 bis zu seinem Tod 1970. In jener Zeit wurde das
Mena House Hotel nationalisiert. 1971 übernahm die indische
Oberoi-Hotelgruppe das Management. Oberoi renovierte das Hotel von 1972 bis
1975 vollständig. Die Präsidenten Sadat und Carter nächtigten im Mena House.
Während der ägyptisch-israelischen Gespräche von 1979 wohnte Präsident
Carter in der Churchill Suite, Sadat in der Montgomery Suite und der
israelische Premier Menachem Begin wohnte in der Suite 908.
Bereits 1978 wurde der oben erwähnte Gartenflügel des Luxushotels eröffnet.
Ursprünglich mit 200 Zimmern. In den Jahren 2007 und 2008 wurde der Garden
Wing komplett umstrukturiert.
Die Liste der berühmten Gäste nach dem Krieg umfasst Namen wie Frank
Sinatra, Julio Iglesias und Gloria Gaynor, die alle Konzerte für die
Hotelgäste gaben. Pierre Balmain und Bulgari organisierten Modeschauen, der
persische Reza Schah Pahlavi kam ins Mena House auf seinem Weg ins Exil. Zu
den Stammgästen gehört der schwedische König. Eleanor Parker und Robert
Taylor kamen 1954 für den Film Valley of the Kings ins Hotel. Drei
Monate lang weilten Schauspieler wie Yul Brynner und Charlton Heston für
The Ten Commandements von 1956 im Hotel. Bis heute zieht das Mena House
Hotel die Reichen, die Schönen und die Mächtigen wie Motten das Licht an,
denn hier kümmern sich rund 750 Angestellte um maximal 420 Gäste.
Einige zusätzliche Details sind im
englischen Artikel von 2007 zu
finden. Quellen für diesen Artikel waren der ehemalige Oberoi Hoteldirektor
Mohit
Nirula, Vizedirektor
Tarek Lotfy sowie das Buch von Andreas Augustin: The Mena House Treasury
(88 Seiten).

Der Blick von der Montgomery-Terrasse. Fotos © Mena House Hotel.
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Der Blick vom Gartenflügel auf das historische Hotelgebäude und die Pyramiden.
Die Vegetation sieht inzwischen allerdings etwas anders aus. Fotos
© Mena House Hotel.

Blick in die Churchill Suite. Fotos © Mena House Hotel.

Eine Deluxe Suite. Fotos © Mena House Hotel.

Eine Executive Suite. Fotos © Mena House Hotel.

Das Restaurant Al Rubayyat. Fotos © Mena House Hotel.

Ein Zimmer im neu renovierten Gartenflügel. Auch von hier aus geniesst man den
Blick auf die Pyramiden. Fotos © Mena House Hotel.

Der Golfplatz, der zur Zeit aufgefrischt wird. Fotos © Mena House Hotel.
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