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Hotel Beau-Rivage Genf *****
Hotelgeschichte, Geschichte des Genfer Luxushotels

Artikel vom 4. November 2003; Details aufdatiert am 11. November 2003
 
Das Genfer Hotel Beau-Rivage ("schönes Ufer") gehört zu den Perlen der Hotellandschaft rund um den Lac Léman. Gegründet wurde es 1865 von Jean-Jacques Mayer, dem Urgrossvater des heutigen Besitzers und Administrators Jacques Mayer, der zusammen mit seiner Mutter und Schwester das Hotel führt, das sich also nach wie vor in Familienbesitz befindet.

Bei unserem Besuch im Beau-Rivage trafen wir Jacques Mayer, der in einem längeren Gespräch die Geschichte des Hotels erzählte und uns dabei Einblick in alte Gästebücher gewährte.
 
Im deutschen Sprachraum sind vor allem zwei tragische Ereignisse in Erinnerung geblieben, die sich in oder um das Hotel Beau-Rivage zugetragen haben: Die Ermordung der österreichischen Kaiserin Elisabeth (1837-1898) und der Selbstmord des CDU-Politikers Uwe Barschel (1944-1987).

Kaiserin Elisabeth ist seit den Filmschnulzen mit Romy Schneider (von denen sich die Schauspielerin später distanzierte) als "Sissi" bekannt. In Wirklichkeit schrieb sie sich jedoch "Sisi" und liess sich ab dem 32. Lebensjahr weder malen noch fotografieren. Diese und noch bedeutend tiefer schürfende Erkenntnisse verdanken wir der Biografie Elisabeth. Kaiserin wider Willen von Brigitte Hamann (Piper Taschenbuch, 1998, 639 S., bestellen bei Amazon.de).

1898 reiste Kaiserin Elisabeth trotz Attentatswarnungen unter dem Pseudonym Gräfin von Hohenems nach Genf, wo sie am 9. September Gast der Baronin Julie Rothschild war. Sie nächtigte bei ihrem Besuch am Lac Léman im Hotel Beau-Rivage, wo sie bereits 1897 eine Woche verbracht hatte. Die Kaisern nahm das Abendessen vom 9. sowie das Frühstück vom 10. September im Hotel ein. Leider fand eine Genfer Zeitung die wahre Identität des eleganten Gastes heraus.

Auf so eine Gelegenheit hatte der Anarchist Luigi Luccheni nur gewartet. Als die Kaiserin am 10. September 1898 von einem Einkaufsbummel mir ihrer Hofdame Gräfin Irma Sztaray zurückkehrte, kam es zur tödlichen Begegnung mit dem Attentäter. Laut dem Bericht der Hofdame kam ihnen auf dem Kai vor dem Brunswick-Denkmal, das vor dem Hotel Beau-Rivage liegt, ein Mann entgegen. Er schien zu straucheln und machte eine Bewegung mit der Hand, scheinbar um sich aufrecht zu halten. Doch Luigi Luccheni hatte ihr mit einer Feile [Dreikant-Feile mit Holzgriff] eine tödliche Stichwunde zugefügt.

Laut dem offiziellen polizeilichen Kommunique durchdrang die Feile die Brustwand an der vierten Rippe, ging durch Lunge und Herz hindurch und verursachte eine starke innere Blutung, die den Tod allmählich und schmerzlos herbeiführte. Nach dem Attentat ging die Kaiserin erst noch weiter bis zu einem Boot, wo sie erstmals ohnmächtig wurde. Als das Boot auf den See hinausgefahren war, verlor sie erneut das Bewusstsein. Da bemerkte die Hofdame einen Tropfen Blut, und der Kapitän wurde über die Identität seines Gastes aufgeklärt. Die Kaiserin wurde in ihre Suite ins Beau-Rivage gebracht, wo ihr Dr. Golay allerdings nicht mehr helfen konnte. Sie verstarb nach rund 20 Minuten, so der Bericht von Fanny Mayer, der Frau des damaligen Hoteldirektors Charles-Albert Mayer.
 
Luccheni hielt sich bereits seit Mai 1898 in der Schweiz auf, wo er sich einer Anarchistengruppe angeschlossen hatte, mit dem Ziel, den Staat abzuschaffen. Eigentlich hatte es der Attentäter auf den Herzog von Orléans abgesehen. Als dieser wider Erwarten nicht in die Calvinstadt kam, änderte Luccheni kurzfristig seine Pläne, den Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Mörder. Er kam nach der Tat sofort in Polizeigewahrsam und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. 1910 beging er im Gefängnis Selbstmord.

Die zweite traurige Geschichte, die vor allem im deutschsprachigen Raum für Furore sorgte, war der Selbstmord des CDU-Politikers Uwe Barschel, dessen Leiche am frühen Sonntagmorgen des 11. Oktober 1987 von einem Zeitungsreporter in der Badewanne von Zimmer 317 im Hotel Beau-Rivage gefunden wurde. Die wohl gezielte und bewusste Einnahme verschiedener Medikamente hatte zum Tode geführt.

Uwe Barschel war seit 1982 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein gewesen und hatte manchen als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Helmut Kohl gegolten. 1987 wurde Barschel jedoch persönlich für eine Verleumdungskampagne gegen seinen Konkurrenten von der SPD, Björn Engholm, verantwortlich gemacht. Der CDU-Mann stellte zwar seine Verantwortung in der Barschel-Pfeiffer-Affäre in Abrede, ein Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtages kam jedoch zum gegenteiligen Schluss. Die politische Karriere des Ministerpräsidenten war am Ende.

Ein zweiter Bericht des Landtages vom Oktober 1995 bestätigte die Verantwortung Barschels, begrenzte diese jedoch auf die politische Verantwortung. Die deutschen und schweizerischen Ermittlungsbehörden kamen 1998 bzw. 1999 nach zum Teil schlecht geführten Untersuchungen zum Schluss, dass ein mögliches "Fremdverschulden", also Mord, im Fall von Uwe Barschel nicht mehr nachgegangen, also ausgeschlossen wurde. Natürlich sind in so einem Fall Verschwörungstheorien aller Art weiterhin im Umlauf.


 
Neben diesen düsteren kann das Hotel Beau-Rivage auch mit erfreulichen Geschichten aufwarten. So wurde das Hotel zum Geburtshelfer eines Staates, denn im Beau-Rivage wurde 1918 die Gründungsurkunde der Tschechoslowakischen Republik unterzeichnet. Der erste Präsident des neuen Staates, Tomas G. Masaryk, residierte natürlich im Hotel. Vaclav Havel, der Präsident der CSFR von 1989 bis 1992, besuchte das Hotel im August 1991. Er versuchte vergeblich, die Teilung in eine Tschechische und die Slowakische Republik zu verhindern. 1993 wurde er der erste Präsident der neuen Tschechischen Republik (1998 wiedergewählt).

Auf die Frage nach weiteren ungewöhnlichen Ereignissen und Anekdoten, die nicht allgemein bekannt sind, meinte der heutige Besitzers und Administrator des Hotels Beau-Rivage, Jacques Mayer, das Frühstück des Boxers Sugar Ray Robinson in den 1950er Jahren, Sardinen mit Erdbeerkonfitüre, sei schon sehr aussergewöhnlich gewesen.
 
Viele Berühmtheiten, Stars und Sternchen haben das Hotel Beau-Rivage seit seiner Eröffnung 1865 besucht. Hier eine kurze Auswahl: Die zu ihrer Zeit berühmteste Schauspielerin der Welt, die Französin Sarah Bernhardt (1844-1923), die eigentlich Henriette-Rosine Bernard hiess, stieg ebenso im Beau-Rivage ab wie Charles de Gaulle, für den leider wie für einige andere Gäste wie Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner die Daten des Aufenthalts nicht bekannt sind. Der Herzog von Windsor kam 1939 mit seiner Frau ins Hotel, für die er 1936 auf den im selben Jahr als König Eduard VIII. bestiegenen englischen Thron verzichtet hatte, weil sich sowohl die Regierung als auch die anglikanische Kirche gegen seine 1937 vollzogene Heirat mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Warfield-Simpson gewandt hatten. Der amerikanische Stummfilmkomiker Harold Lloyd benutzte nicht die Treppe oder den Lift, sondern kletterte die Säulen im Atrium empor. Der Sänger und Schlagzeuger Phil Collins der Gruppe Genesis, der auch als Solomusiker eine erfolgreiche Karriere hat, feierte im Hotel seine dritte Hochzeit.
 
Die verwitwete Präsidentengattin Eleanor Roosevelt besuchte das Hotel 1947, Mary Pickford 1948, Clark Gable 1952, Jean Cocteau 1953. Der Aga Khan, das Oberhaupt der islamischen Konfession der Hodschas, Soraya, die ehemalige Gattin des Schahs von Persien (eigentlich des Irans, Persien existierte ja nicht mehr), der ägyptische König Faruk, Daniel Barenboim, Olaf Palme und Helmut Schmidt haben sich ebenfalls in die Gästeliste eingetragen. Den Besuch im Beau-Rivage der Sängerin Cecilia Bartoli, die in Genf ein Recital gab, verpasste der Schreibende nur um einige Tage. Die Liste der berühmten Gäste ist fast endlos, weshalb wir sie hier abbrechen.

Regelmässig im Mai und November finden im Hotel Beau-Rivage Versteigerungen (vor allem von Uhren und Schmuck) des Auktionshauses Sotheby's statt, das sich zudem 1987 im Untergeschoss des Hotels etabliert hat. So wurden hier die Juwelen der Herzogin von Windsor (1987) und der Baronin Rothschild an den Meistbietenden versteigert.

Das Hotel Beau-Rivage verbindet Tradition und Innovation, ja man kann sogar von einer Tradition der Innovation sprechen. 1872 war das Beau-Rivage das erste Hotel in der Schweiz (und das dritte in der Welt), das seinen Gästen einen Lift anbieten konnte. 1973 führte das Hotel als erstes Traditionshaus in Genf in den Zimmern direkte Telefonlinien nach aussen ein. Im April 2003 installierte das Beau-Rivage als erstes Schweizer Hotel in allen Zimmern und öffentlichen Räumen den schnurlosen Internetzugang Wireless LAN von Cisco Systems. Natürlich ist auch der sichere Zugriff auf firmeninterne Computersysteme möglich.
 
Details aufdatiert am 11.11.2003:

Zuletzt sei noch das Gourmet-Restaurant "Chat-Botté" des Beau-Rivage erwähnt, das der Schreibende leider (noch) nicht getestet hat. 1968 eröffnet, erkochte sich Küchenchef Richard Cressac 18/20 Gault Millau-Punkte und einen Michelin-Stern, den er im 2000 verlor. Im August 2001 verliess Cressac das Hotel, um in der Gemeinde Troinex ein eigenes Restaurant, "La Chaumière", zu eröffnen. Nachfolger im "Chat-Botté" wurde sein langjähriger Assistent, Dominique Gauthier, der einen hervorragenden Start hinlegte und sich bereits nach einem Jahr 16/20 Gault Millau-Punkte verdiente, die er bis heute bewahrt hat. Übrigens besitzt das Beau-Rivage seit 1999 mit "Le Patara" noch ein zweites, ein thailändisches Restaurant. [hinzugefügt am 14.4.2005: Kritik Restaurant Le Chat-Botté].

Das Hotel Beau-Rivage bietet diskreten, eleganten Luxus in der entspannten Atmosphäre des in der vierten Generation von der Familie Mayer geführten Fünf-Sterne-Hotels am Genfersee.

Quellen, Literatur zur Kaiserin Elisabeth und ihrer Ermordung:
- Brigitte Hamann: Elisabeth. Kaiserin wider Willen, Piper Taschenbuch, 1998, 639 S. Bestellen bei Amazon.de.
- Maria Matray, Answald Krüger: Das Attentat. Langen/Müller, 1998, 336 S.
- Arno Maierbrugger, Peter Stipkovics: Luccheni. Monte Verita, 2001, 67 S.

Weitere Artikel zu Genf:
- Geschichte von Genf
- Fête de l'Escalde
- Sehenswürdigkeiten in Genf
- Hotel Bristol
- Restaurant Relais Bristol
- Interview mit Cornelio Sommaruga, Präsident des IKRK + English interview


La Terrasse. Hier lässt es sich leben. Photo © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Das Genfer Hotel Le Beau-Rivage am Genfersee. Am 13.11.2013 neue Fotos hinzugefügt. Photos Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Ein Deluxe-Zimmer, wie es von Cosmopolis getestet wurde. Photos Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Blick in die Suite Sissi (eigentlich "Sisi"). Photo Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Die Terrasse der Suite Sissi. Photos Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Blick in die Suite Wagner. Fotos Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Das elegante Hotelinterieur. Foto Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.


Blick vom Atrium. Photos Copyright © Hôtel Beau-Rivage Genève / Genf.

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