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Kempinski Hotel
Atlantic, Teil 2 die Jahre 1932 bis 1957
Weitere Artikel zum Kempinski Hotel Atlantic: 1909
bis 1932, 1968-2004
sowie zum
Restaurant Tsao Yang.
Hinzugefügt am 27. Mai 2010
Laut Pressemeldungen ist der
Miteigentümer des Hotels Atlantic, Dieter Bock, einer der reichsten Deutschen,
am 12. Mai beim Abendessen im eigenen Hotel erstickt („Aspiration beim
Abendessen“, so die Meldung ohne Details). Das Hotel wird zur Zeit für 25
Millionen Euro renoviert. 2008 wurden dem Atlantic die 5 Sterne entzogen, weil
seit längerem nicht mehr richtig investiert wurde. Es verlor zudem die
Mitgliedschaft bei den Leading Hotels of the World. Dieter Bock von der Octavian
Hotel Holding GmbH wollte das Hotel mit den Investitionen zu neuer Blüte führen.
Artikel vom 14. Januar 2004
Von 1932 an wurde das Hotel 36 Jahre lang von Oscar H. Geyer als
Geschäftsführendem Direktor geleitet. Geyer stammte aus dem Erzgebirge.
Seine Eltern betrieben ein Restaurant. Nach einer zweijährigen Lehre im
sächsischen Zwickau zog Geyer in die Welt. Er bildete sich in der Schweiz, in
Italien, Belgien, Algerien und Frankreich fort. Den Ersten Weltkrieg erlebte
er an beiden Fronten mit. 1923 trat er seine erste Direktorenstelle im
"Alpenhof" in Garmisch-Partenkirchen an. Unter den folgenden
Stationen waren das "Shepheard" und das "Mena-House" in
Kairo.
Oscar H. Geyer übernahm die Leitung des Atlantic 1932 - auf dem Gipfel der
Wirtschaftskrise. Im Vergleich zu 1928 hatte sich Hamburgs Aussenhandel 1932
auf 60% reduziert, und die Beschäftigung der Stadt war um die Hälfte
zurückgegangen. 1933 lag die Arbeitslosigkeit in Hamburg bei 40%. Die
durchschnittliche Auslastung des Hotels lag seit Jahren bei 30%. Von 1929 bis
1935 bedeutete das rote Zahlen für die "Atlantic-Hotel-Aktiengesellschaft",
die seit 1929 Inhaber des Hotels war, dessen Inventar veraltet und auf ein
Minimum geschrumpft war, als es Geyer übernahm.
Langsam ging es wieder aufwärts, nicht zuletzt, weil die Stammgäste,
darunter die Filmstars Hans Albers und Emil Jannings und der Schriftsteller
Gerhart Hauptmann, dem Hotel treu blieben. Geyer perfektionierte die
Arbeitsabläufe, straffte die Organisation und erneuerte die Technik. So liess
er 1934 die erste Fernschreibanlage installieren; über Telefone verfügte das
Hotel bereits seit der Eröffnung 1909.
In den Jahren der Nazi-Herrschaft hielt sich Geyer so gut es ging aus der
Politik heraus. Wenn Hitler nach Hamburg kam, reservierte er eine Suite im
Atlantic. Und mit ihm kamen jene, die es für opportun hielten, die Nähe des
Führers zu suchen.
Im Februar 1939 lief das Schlachtschiff Bismarck bei Blohm + Voss vom Stapel.
Der Protokollchef des Auswärtigen Amts orderte mit einer Bestimmtheit, die
keinen Widerspruch duldete, das Staatsappartement für den Führer, sechzig
Zimmer für die Begleitung sowie je ein Büro für Wehrmacht, Luftwaffe,
Marine, Partei und Kanzlei. Kurz darauf bestellte Reichsaussenminister von
Ribbentrop ein weiteres Dutzend Zimmer. Schliesslich erfolgten noch die
Reservierungen von Göring und Göbels mit ihren Stäben. Kurzum, das Atlantic
Hotel war zum Stapellauf von den Spitzen von Politiki und Militär fast voll
besetzt. Dazu kamen noch rund 500 Sicherheitsbeamte in zivil, die das Hotel
und die Umgebung absicherten. Niemand protestierte, als der Direktor die
anderen Gäste bei befreundeten Hoteliers unterbrachte.
Der englische Kronprinz Edward of Wales und sein Bruder George, Herzog von
Kent, gingen 1932 bei ihrem Besuch im Atlantic inkognito, ohne Protokoll und
Sicherheitsbeamte, aber in Begleitung von Hoteldirektor Geyer auf die
Reeperbahn. Sie besuchten allerdings nicht schmuddelige Etablissements,
sondern steuerten zielbewusst, als würden sie es bereits kennen, ins
unverfängliche "Zillertal", wo Tag und Nacht der Bär los war. Dort
stemmten sie mit ihrer Begeleitung ihre Bierkrüge. Edward stieg gar aufs
Podium der Musikkapelle in Ledernhosen, setzte sich einen Hut mit Gamsbart auf
und liess sich den Dirigentenstab geben. Die beiden königlichen Hoheiten
wurden natürlich erkannt, ohne dass man sie das spüren liess. So kam es,
dass der zukünftige englische König in Hamburg eine bayrische Blaskapelle
dirigierte.
Im Krieg stieg ab 1942 kaum noch internationales Publikum im Hotel Atlantic
ab. In der zweiten Hälfte von 1943 wurde es beschädigt,, entging jedoch der
Zerstörung. Es erhielt keinen Volltreffer und ein Dachstuhlbrand konnte rasch
gelöscht werden. Als Rohrnetz zum Hotel beschädigt wurde, gab es kein
fliessendes Wasser mehr. Es musste aus der Alster oder in Tankwagen
herbeigeführt werden. Elektrizität und Gas fielen aus. Das Hotel musste
daraufhin für einige Wochen geschlossen werden. Die Speisekarten im
Hotelrestaurant trugen übrigens seit 1942 den Zusatz: "Die Möglichkeit
eines Fliegeralarms zwingt uns, unsere verehrten Gäste um sofortige Bezahlung
zu bitten."
Als die Alliierten in Hamburg einmarschierten, nahm schon der Vortrupp
mit den Spitzen des Stabes im Atlantic Quartier und das Personal des Hauses
unter Vertrag. Das Grandhotel wurde zum Domizil der britischen Offiziere und
zum britischen Offiziersklub. Anfang 1950 gaben die Briten das Hotel wieder in
deutsche Hände zurück. Da das Geld für die nötige Renovierung fehlte,
beschloss Oscar Geyer, das Atlantic in Etappen wiederherzurichten.
Auf Grund der Entflechtung der Schwerindustrie nach dem Krieg musste der
Hugo-Stinnes-Konzern auch das Hotel veräussern. Es kam in die Hände der
Atlantic-Hotel-GmbH unter der Führung der Rhein-Main-Bank. Die Dresdner- und
die Commerz-Bank-Bank-Gruppe waren ebenfalls Teilhaber der neuen Gesellschaft.
1957 erwarb die Hotelbetriebs-AG, die vier Jahre zuvor das Berliner Hotel
Kempinski erworben hatte, die Atlantic-Hotel-GmbH.
Weitere Artikel zum Kempinski Hotel Atlantic: 1909
bis 1932, 1968-2004
sowie zum chinesischen
Restaurant
Tsao Yang.

Die Hotellobby im Jahr 2009. Photos
© Hotel Atlantic Kempinski Hamburg.
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Blick von der Aussenalster auf das Grandhotel. Photos © Hotel Atlantic
Kempinski Hamburg.
Quelle, Literatur
Das Atlantic Hotel zu Hamburg 1909-1999. Herausgeber: Kempinski Hotel Atlantic
Hamburg, 269 Seiten.

Blick in das Schlafzimmer der BMW-Suite. Foto © Hotel Kempinski Atlantic.
Pierce Brosnan alias James Bond war im Streifen Tomorrow Never Dies - Der
Morgen stirbt nie im Atlantic zu
Gast und mit einem BMW 750i unterwegs.
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