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Kempinski Hotel Atlantic, Teil 2 die Jahre 1932 bis 1957
Weitere Artikel zum Kempinski Hotel Atlantic: 1909 bis 1932, 1968-2004 sowie zum Restaurant Tsao Yang.

Artikel vom 14. Januar 2004 
Von 1932 an wurde das Hotel 36 Jahre lang von Oscar H. Geyer als Geschäftsführendem Direktor geleitet. Geyer stammte aus dem Erzgebirge. Seine Eltern betrieben ein Restaurant. Nach einer zweijährigen Lehre im sächsischen Zwickau zog Geyer in die Welt. Er bildete sich in der Schweiz, in Italien, Belgien, Algerien und Frankreich fort. Den Ersten Weltkrieg erlebte er an beiden Fronten mit. 1923 trat er seine erste Direktorenstelle im "Alpenhof" in Garmisch-Partenkirchen an. Unter den folgenden Stationen waren das "Shepheard" und das "Mena-House" in Kairo.

Oscar H. Geyer übernahm die Leitung des Atlantic 1932 - auf dem Gipfel der Wirtschaftskrise. Im Vergleich zu 1928 hatte sich Hamburgs Aussenhandel 1932 auf 60% reduziert, und die Beschäftigung der Stadt war um die Hälfte zurückgegangen. 1933 lag die Arbeitslosigkeit in Hamburg bei 40%. Die durchschnittliche Auslastung des Hotels lag seit Jahren bei 30%. Von 1929 bis 1935 bedeutete das rote Zahlen für die "Atlantic-Hotel-Aktiengesellschaft", die seit 1929 Inhaber des Hotels war, dessen Inventar veraltet und auf ein Minimum geschrumpft war, als es Geyer übernahm.

Langsam ging es wieder aufwärts, nicht zuletzt, weil die Stammgäste, darunter die Filmstars Hans Albers und Emil Jannings und der Schriftsteller Gerhart Hauptmann, dem Hotel treu blieben. Geyer perfektionierte die Arbeitsabläufe, straffte die Organisation und erneuerte die Technik. So liess er 1934 die erste Fernschreibanlage installieren; über Telefone verfügte das Hotel bereits seit der Eröffnung 1909.

In den Jahren der Nazi-Herrschaft hielt sich Geyer so gut es ging aus der Politik heraus. Wenn Hitler nach Hamburg kam, reservierte er eine Suite im Atlantic. Und mit ihm kamen jene, die es für opportun hielten, die Nähe des Führers zu suchen.

Im Februar 1939 lief das Schlachtschiff Bismarck bei Blohm + Voss vom Stapel. Der Protokollchef des Auswärtigen Amts orderte mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete, das Staatsappartement für den Führer, sechzig Zimmer für die Begleitung sowie je ein Büro für Wehrmacht, Luftwaffe, Marine, Partei und Kanzlei. Kurz darauf bestellte Reichsaussenminister von Ribbentrop ein weiteres Dutzend Zimmer. Schliesslich erfolgten noch die Reservierungen von Göring und Göbels mit ihren Stäben. Kurzum, das Atlantic Hotel war zum Stapellauf von den Spitzen von Politiki und Militär fast voll besetzt. Dazu kamen noch rund 500 Sicherheitsbeamte in zivil, die das Hotel und die Umgebung absicherten. Niemand protestierte, als der Direktor die anderen Gäste bei befreundeten Hoteliers unterbrachte.

Der englische Kronprinz Edward of Wales und sein Bruder George, Herzog von Kent, gingen 1932 bei ihrem Besuch im Atlantic inkognito, ohne Protokoll und Sicherheitsbeamte, aber in Begleitung von Hoteldirektor Geyer auf die Reeperbahn. Sie besuchten allerdings nicht schmuddelige Etablissements, sondern steuerten zielbewusst, als würden sie es bereits kennen, ins unverfängliche "Zillertal", wo Tag und Nacht der Bär los war. Dort stemmten sie mit ihrer Begeleitung ihre Bierkrüge. Edward stieg gar aufs Podium der Musikkapelle in Ledernhosen, setzte sich einen Hut mit Gamsbart auf und liess sich den Dirigentenstab geben. Die beiden königlichen Hoheiten wurden natürlich erkannt, ohne dass man sie das spüren liess. So kam es, dass der zukünftige englische König in Hamburg eine bayrische Blaskapelle dirigierte.

Im Krieg stieg ab 1942 kaum noch internationales Publikum im Hotel Atlantic ab. In der zweiten Hälfte von 1943 wurde es beschädigt,, entging jedoch der Zerstörung. Es erhielt keinen Volltreffer und ein Dachstuhlbrand konnte rasch gelöscht werden. Als Rohrnetz zum Hotel beschädigt wurde, gab es kein fliessendes Wasser mehr. Es musste aus der Alster oder in Tankwagen herbeigeführt werden. Elektrizität und Gas fielen aus. Das Hotel musste daraufhin für einige Wochen geschlossen werden. Die Speisekarten im Hotelrestaurant trugen übrigens seit 1942 den Zusatz: "Die Möglichkeit eines Fliegeralarms zwingt uns, unsere verehrten Gäste um sofortige Bezahlung zu bitten."

Als die Alliierten in Hamburg einmarschierten, nahm schon der Vortrupp  mit den Spitzen des Stabes im Atlantic Quartier und das Personal des Hauses unter Vertrag. Das Grandhotel wurde zum Domizil der britischen Offiziere und zum britischen Offiziersklub. Anfang 1950 gaben die Briten das Hotel wieder in deutsche Hände zurück. Da das Geld für die nötige Renovierung fehlte, beschloss Oscar Geyer, das Atlantic in Etappen wiederherzurichten.

Auf Grund der Entflechtung der Schwerindustrie nach dem Krieg musste der Hugo-Stinnes-Konzern auch das Hotel veräussern. Es kam in die Hände der Atlantic-Hotel-GmbH unter der Führung der Rhein-Main-Bank. Die Dresdner- und die Commerz-Bank-Bank-Gruppe waren ebenfalls Teilhaber der neuen Gesellschaft. 1957 erwarb die Hotelbetriebs-AG, die vier Jahre zuvor das Berliner Hotel Kempinski erworben hatte, die Atlantic-Hotel-GmbH.
 
Weitere Artikel zum Kempinski Hotel Atlantic: 1909 bis 1932, 1968-2004 sowie zum chinesischen Restaurant Tsao Yang.




Die Hotellobby im Jahr 2009. Photos © Hotel Atlantic Kempinski Hamburg.


Blick von der Aussenalster auf das Grandhotel. Photo vom Dezember 2013 © Hotel Atlantic Kempinski Hamburg.


Superior Suite mit Alsterblick. Photo Dezember 2013 © Hotel Atlantic Kempinski Hamburg.

Quelle, Literatur
Das Atlantic Hotel zu Hamburg 1909-1999. Herausgeber: Kempinski Hotel Atlantic Hamburg, 269 Seiten.


Blick in das Schlafzimmer der BMW-Suite. Foto 2004 © Hotel Kempinski Atlantic. Pierce Brosnan alias James Bond war im Streifen Tomorrow Never Dies - Der Morgen stirbt nie im Atlantic zu Gast und mit einem BMW 750i unterwegs.



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