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Dom Hotel Le Meridien
Hotelkritik, Geschichte und Fotos des Fünf-Sterne Hotels in Köln

Hinzugefügt am 21. November 2014
Das Hotel ist seit März 2013 zwecks Renovation und Erweiterung geschlossen. Es soll als Althoff Dom Hotel 2015 neu eröffnen.

Artikel vom 1.2.2006, aufdatiert am 7.2.2006
Bei einem längeren Gespräch mit dem Chefconcierge und Front Desk Manager im Dom Hotel Le Meridien, Thomas Madaus, erfuhr der Schreibende viel zur Geschichte des Fünf-Sterne Hotels in Köln. Herr Madaus hatte einst das Medizinstudium bis zum Physikum vorangebracht, ehe er zu Jura wechselte und das Studium mit dem 1. Staatsexamen abschloss. Danach blieb er jedoch dem Hotelgewerbe treu, das ihn finanziell durchs Studentenleben gebracht hatte. Herr Madaus ist einer der wenigen intellektuellen Concierges der Welt.

Bereits mit sechs Jahren kam er mit seiner Mutter auf eine Schokolade ins Dom Hotel. Doch erst 1999 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er heute der einzige geborene Kölner am Empfang eines Fünfsternhotels ist. Er amtet zudem als Sektionsleiter der Clefs d'Or in Nordrhein-Westfalen. Zum 150jährigen Jubiläum des Dom Hotels im April 2007 wird er ein Buch mit der Geschichte der Luxusherberge veröffentlichen.

 
Wie es der Name bereits ankündigt steht das Dom Hotel Le Meridien direkt am Kölner Dom. Die Anfahrt mit der S-Bahn vom Flughafen Köln/Bonn zum Kölner Hauptbahnhof dauert lediglich 15 Minuten. Das ist schneller als mit dem Taxi und kostete im Januar 2006 ganze Euros 2.20.

Das Dom Hotel blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. 1855 zog die Familie Ignatz Theodor Metz aus Strassburg nach Köln und erwarb den am Domhof gelegenen Gebäudekomplex sowie das daran angrenzende Hôtel du Dôme (obwohl der Dom eigentlich auf französisch Cathédrale heisst). Zur Finanzierung der horrenden Kosten verlangten die Eigentümer von jenen, die den Domplatz (heute Roncalliplatz genannt) betreten wollten, ein Eintrittsgeld.

Dem ersten, im klassizistischen Stil am 28. März 1857 eröffneten Hotelbau war nur ein kurzes Leben beschieden. Der Architekt machte einen Fehler bei seinen statischen Berechnungen, als er das Haus 1866 um eine Etage aufstockte und eine italienische Renaissance-Fassade davor setzte. Auf Grund dieser Veränderung stürzte die Decke über dem grossen Ballsaal an Silvester 1897 ein. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt, da gerade keine Veranstaltung im Saal stattfand.

Ab 1890 entstand ein dritter Hotelbau, der am 15. April 1893 eröffnet wurde. Der Architekt, Herr Betz, war ein Schinkel-Schüler. Sein Schinkelscher Neo-Barockbau mit Kuppeln auf dem Dach war fünfstöckig. Drei offene Erker befanden sich im 2. und 3. Stock, eklektisch geschmückt mit römischen Säulen und griechischen Kapitelen.

In der Lobby hängen übrigens originale Ölgemälde eines unbekannten Künstlers, die den Hotelgründer Theodor Metz (1819-1880) und seine Frau Anna-Gertrud, geborene Weiner (1818-1897) zeigen. Die den zwei Portraits gegenüber liegende Wand schmückt ein Hirtenbild von Rosa di Tivoli  aus dem 17. Jahrhundert, das die Toskana zeigt.

Laut Herrn Madaus soll im Dom Hotel vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges eine die Weltgeschichte verändernde Begegnung stattgefunden haben. Die legendäre niederländische Tänzerin und Doppelspionin Mata Hari sollte als deutsche Agentin gegen die Franzosen eingesetzt werden. Sie wurde jedoch im Dom Hotel von einem französischen Leutnant erfolgreich als Doppelagentin angeworben. Mehr dazu soll in Madaus Buch zum 150. Geburtstag des Hotels im April 2007 erzählt werden.

Die Franzosen köderten Mata Hari, die sich in den französischen Offizier verliebte. Eigentlich sollte sie die Verteidigungspläne für Verdun ausspionieren. Hindenburg persönlich soll sie darauf angesetzt haben. Stattdessen offenbarte sie sich ihrem Liebhaber, wohl wissend, dass dieser die Geheimnisse seinem Generalstab weiterleiten würde. Clemenceau persönlich gab über den Leutnant falsche Verteidigungspläne an Mata Hari und somit die Deutschen weiter. Die Doppelspionin übermittelte im Gegenzug die wirklichen deutschen Angriffspläne auf Verdun an die Franzosen. Das führte zu einer Pattsituation, da die Franzosen die von den Deutschen gegen Verdun vorgesehene Zangenbewegung verhindern konnten, weshalb Frankreich nicht fiel. So soll also im Dom Hotel der Ausgang des Ersten Weltkriegs mit entschieden worden sein.

Weitgehend im Originalzustand befindet sich der japanische Salon, in dem Mata Hari ihren französischen Leutnant traf. Die Decke ist mit original japanischer, goldgewebter Seide ausgekleidet. Im japanischen Salon finden heute 14 bis 15 Personen Platz. Der Salon wird häufig für Familienfeste und Weihnachtsfeiern gebucht. Im Hotel denkmalgeschützt sind neben dem japanischen Salon auch das Treppenhaus, der Eingangsbereich sowie das Personaltreppenhaus, in dem sich ein Originalgeländer sowie Mosaikplatten von 1893 auf den Treppenstufen befinden.

Das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte warf seine Schatten auch auf das Dom Hotel. 1935 proklamierte der Reichskanzler und selbsternannte Führer des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, vom Hotelbalkon aus den Anschluss des Rheinlandes ans Deutsche Reich. Die damalige deutsche Regierung baute damals Köln zur ersten Nachschubslinie für die Westfront aus. Bis heute ist daher der Kölner Bahnhof von erstrangiger Bedeutung.

Von Amerikanern besetzt. Zuvor 90% Zerstörung des Geländes um Dom. Der Dom wurde 19 Mal getroffen, aber nicht zerstört. Der Bahnhof wurde nie ausser Kraft gesetzt, nur getroffen. Erst die sich zurückziehenden deutschen Truppen zerstörten die Eisenbahnbrücke.

Herr Madaus erläuterte mir, wie nach Zweitem Weltkrieg der fünfte Stock zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Im letzten grossen Bombenangriff auf Köln - die Briten bombten bei Nacht, die Amerikaner bei Tag - vom 6. März 1944 wurde das Hotel erstmals getroffen und in der Mitte völlig zerstört. Danach wurde es nur wieder bis zum 4. Stock aufgebaut, wobei auf die Wiederherstellung der Kapitele verzichtet wurde.

Im Dom Hotel wurde nach dem Zeiten Weltkrieg Konrad Adenauer von den Engländern als Regierender Oberbürgermeister Kölns wieder eingesetzt, ehe sie ihn wegen "Unfähigkeit" und angeblicher "Nazi-Vergangenheit" wieder absetzten. Der bedeutendste deutsche Nachkriegspolitiker stellte unbequeme Fragen bezüglich des Umgangs der Alliierten mit der Kölner Bevölkerung, was den Besatzern missfiel. Adenauers Totenfeier fand übrigens im Kölner Dom statt. Deshalb stiegen damals im Dom Hotel gleichzeitig der amerikanische Präsident, die Queen und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle ab. Die anderen bedeutenden Gäste der Trauerfeier wohnten gegenüber im 1867 erbauten Excelsior Hotel Ernst, das sich im Besitz der Familie Kracht-Roulet [aufdatiert am 5.2.2006] befindet, der auch das altehrwürdige Baur au Lac in Zürich gehört.

Ein angenehmerer Gast als Mata Hari und insbesondere Adolf Hitler war Sir Peter Ustinov. Er liebte das Dom Hotel insbesondere wegen der Lage am Dom. Als Stammgast über 35 Jahre lang liebte er den "erhabenen Blick über mein Köln am Rhein" von seiner Suite 106/107 aus - vor allem bevor ab 1968 das Römisch-Germanische Museum gebaut wurde, das den Roncalliplatz bis heute verschandelt.

Als im November 1999 die Schindler-Bar - benannt nach Barkeeper Schindler, der bis 2002 volle 48 Jahre lang im Hotel gearbeitet hatte - auf Grund eines technischen Fehlers brannte, weigerte sich Peter Ustinov, das Hotel zu verlassen. Stattdessen harrte er auf der Terrasse seiner geliebten Suite 106/107 aus, von der er den Dom im Blick behielt. Zu seinen Ehren und mit seinem Einverständnis wurde die Bar nach ihm benannt. Das hufeisenförmige Ustinov's wurde mit allerlei Memorabilia des Künstlers ausgestattet. Die Erinnerungsstücke wurden dem Hotel zum Teil direkt von Ustinov geschenkt bzw. stammen aus dem Filmfundus.

Sir Peter liebte es, Gäste zu imitieren. Er sass im Sessel neben der Rezeption - der heute durch eine Vitrine von  "4711" ersetzt ist - und schnitt Grimassen, die eincheckenden Gäste aufs Korn nehmend. Er war ein herzensguter Mensch. Doch wenn ihm etwas nicht passte, kam der ruhende Vulkan zum Ausbruch. Er tobte kurz, um kurz danach wieder ganz ruhig zu sein. Vor allem war er natürlich der beste Werbeträger und äusserte sich immer positiv über das Dom Hotel.

Beim Bau der U-Bahn 1968 kamen ganze römische Stadtteile zum Vorschein. Direkt unter dem Dom Hotel residierte einst der römische Militärpräfekt für die Kolonie Germania-Inferior. Unter dem Dom lag ein Jupitertempel, und nebenan befand sich das Nordtor der römischen Stadtbefestigung Colonia Claudia Ara Agrippinensis CCAA. Claudia war übrigens die Tochter von Vizekaiser Agrippa und wurde mit Kaiser Claudius verheiratet, der ihr Germania Inferior zur Hochzeit schenkte. Im Jahr 38 nach Christus erhielt Köln römische Stadtrechte. Damals wohnten hier bereits bis zu 6000 Einwohner, was Köln zu einer der bedeutendsten Städte des Reiches machte. Das lag nicht zuletzt am Quarzgehalt der Böden der Region, weshalb hier wertvolles blaues und grünes Glas hergestellt wurde.

Für eine Anekdote gut war der G7-Gipfel im Juni 1998: Bundeskanzler Schröder hatte nach Köln geladen. Die Britische Regierung wohnte damals im Dom Hotel. Das Staatsbankett des G7 fand gleich gegenüber im Römisch-Germanischen Museum statt und wurde auf dem Dionysos-Mosaik serviert. Da die Staatsgäste das Mosaik nur mit Strümpfen betreten durften, spazierte Premierminister Blair vom Dom Hotel Le Meridien aus gleich mit Strümpfen über den Roncalliplatz.

Der 300 Quadratmeter grosse Balkon des Dom Hotels gehört zu den besten Marketingargumenten des Fünf-Sterne Hauses. Hier, im 1. Stock, finden regelmässig Veranstaltungen mit in der Regel bis zu 150 Personen statt. Wenn eine Tribüne aufgebaut wird, bietet sie gar für 250 Zuschauer Platz. Diese geniessen nicht nur den Blick auf den Kölner Dom, sondern auch jenen auf allerlei Spezialanlässe auf dem Roncalliplatz. Dazu gehörten bisher unter anderem Aufführungen von Carmen, eine Oldies-Nacht mit Earth, Wind and Fire, den Temptations und The Commodores, Aufführungen von Der Jedermann mit Johannes Heesters sowie am 18. August 2005 der Auftritt von Papst Benedikt XVI. Der Papst segnete anlässlich des Weltjugendtages auf dem Roncalliplatz die Gläubigen. Den besten Blick auf die Szene genoss man natürlich vom Dom Hotel Le Meridien aus. Für die FIFA WM 2006 ist für die Fussballfans der Aufbau einer Grossleinwand zur Übertragung der Spiele geplant, zwischen denen auch einige Konzerte stattfinden sollen.

Der Karneval gilt in Köln als fünfte Jahreszeit. Den Höhepunkt bietet der Rosenmontag, an dem eine Million Menschen unterwegs sind. Es handelt sich zwar um keinen offiziellen Feiertag in Köln, dennoch muss an diesem Tag kein Kind in die Schule gehen. Vom Dom Hotel Le Meridien geniesst man den Blick auf den Umzug, der am  Mainzelmännchen-Brunnen hinter dem Hotel vorbeizieht. Der Name des Brunnens erinnert an die Mainzelmännchen, die einst in der Nacht die Arbeit der Damen und Herren verrichtet haben sollen, bis diese, neugierig geworden, die Nacht aufblieben, um zu erfahren, wer ihre Arbeit tut. Daraufhin verschwanden die Mainzelmännchen auf Nimmerwiedersehen.

Die 124 Zimmer und Suiten des Dom Hotels Le Meridien, um die sich rund 100 Angestellte kümmern, wurden übrigens 2003 alle renoviert. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten die Executive Doppelzimmer mit Domblick, so Nr. 309, in dem der Schreibende zwei Nächte zu Gast war. Der Stil aller Zimmer ist gleich, einzig die Zimmergrösse, die Farben der Teppiche und der Polsterungen der Möbel sowie einige weitere Details variieren.

2003 verkauften die letzten Nachfahren der Gründerfamilie das Dom Hotel an die Familie Udo Lammerting, einen der grossen Immobilienhändler und Entwickler im Rheinland. Pächter des Hotels war bis 1978 die Gründerfamilie, die danach nur noch als Besitzer in Erscheinung trat. Fortan wurde das Luxusetablissement von Trusthouse Forte (unter der Leitung des Vaters des heute bedeutenden Hoteliers Rocco Forte) gepachtet. 1995 kaufte Trusthouse Forte Le Meridien von der Air France. Daraufhin ordnete Lord Trusthouse seine Hotels neu und brachte 1997 das Dom Hotel unter das Dach von Le Meridien. Nach dem Ende der Trusthouse Gruppe übernahmen zuerst Briten, dann die Japaner von Nomura und schliesslich die Lehman Brothers die Kontrolle über das Hotel, das seit November 2005 unter dem Management der Starwood Hotelgruppe ist.

Seit Ende 2001 steht das Dom Hotel Le Meridien unter der Leitung von Jürgen Sziegoleit, der seit rund 20 Jahren für Le Meridien tätig ist. Seine Eltern führten ein kleines Hotel mit 16 Zimmern am Niederrhein. Bereits als Kind half er im Familienbetrieb mit und wollte zuerst Koch werden. In den 1980er Jahren arbeitete er gar unter Sternekoch Heinz Winkler im Gourmettempel Tantris in München. Das Restaurant im Dom Hotel ist allerdings kein Gourmetrestaurant, da es auf Grund seiner Lage direkt am Dom, mit einer Sommerterrasse auf dem Roncalli-Platz, entscheidend von der Laufkundschaft lebt, zu denen sich natürlich auch einige Habitués gesellen. Das Frühstücksbuffet offerierte übrigens im Januar 2006 "richtigen" Tee von Eilles (seit 1873) und nicht billige Teebeutel. Zudem gefielen dem Schreibenden die gefüllten Cherrytomaten und die gefüllten Oliven ausgezeichnet.

Das Dom Hotel Le Meridien bietet Fünf-Sterne-Qualität im Herzen von Köln. Dabei präsentiert es sich nicht als klassisches Grandhotel, sondern vielmehr als Mischung aus effizientem Businesshotel und zeitgenössischem Haus für anspruchsvolle Gäste, die eine entspannte, ungezwungene Atmosphäre schätzen.

Siehe auch den Artikel zum Excelsior Hotel Ernst in Köln.


Photos © Dom Hotel Le Meridien, Köln.


Foto
© Dom Hotel Le Meridien, Köln.


Photos © Dom Hotel Le Meridien, Köln.


Photos © Dom Hotel Le Meridien, Köln. Bücher zu Köln bei Amazon.de.


Der nicht im Hotel arbeitende bekannte Barkeeper Franz Brandl kreierte für die Bar
exklusiv den "Ustinov", eine Kreation aus Erdbeerlikör, Limone, Calvados, Cointreau
und Champagner. Photos © Dom Hotel Le Meridien, Köln.


Fotos © Dom Hotel Le Meridien, Köln.


Foto © Dom Hotel Le Meridien, Köln. Bücher zu Köln bei Amazon.de.





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