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Nr. 65, November 2004
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Pariser Stadtgeschichte
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Artikel vom 2. November 2004
 
Die Seinemetropole zählt auf dem 105 km2 umfassenden Gebiet der Ville de Paris rund 2,3 Millionen Einwohner, womit Paris Europas dichtbesiedelte Hauptstadt ist. Die acht Départements der Region Ile-de-France umfassen gar zwölf Millionen Einwohner, womit Paris Europas grösster Ballungsraum ist.

Archäologische Ausgrabungen förderten in den letzten Jahren in Paris-Bercy Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus dem Neolithikum zu Tage und belegen eine Besiedlung seit dem vierten vorchristlichen Jahrtausend. Die Pariser
Stadtgeschichte wurde im dritten Jahrhundert vor Christus vom Keltenstamm der Parisier geprägt, die sich auf der Höhe der Ile de la Cité niederliessen. Bei dieser Insel kreuzte ein Landweg die Seine. Hier lag der Hauptort Lucotesia (louk-teih, Ort der Sümpfe), der vom Fischfang lebenden Kelten, die bereits Handel trieben, wie Münzfunde belegen.

Nach der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar 52 vor Christus dominierten die Römer die Geschichte von Paris. Vor allem auf dem linken Seineufer der römischen Kolonialstadt Lutetia Parisiorum wurden Strassenzüge im linearen Raster Roms errichtet. Diese Achsen gliedern bis heute den Pariser Stadtkern. Die Römer errichteten neben Stadthäusern Tempel, Theater und Thermen. Die Baumaterialen wurden vor Ort abgebaut: Kalkstein und Sand auf dem linken, Gips auf dem rechten Ufer der Seine.

Die Anfänge des Christentums in der Stadt endeten mit dem Märtyrertod von Dionysius, dem "Apostel Galliens" und ersten Bischof von Paris, der hier um 250 nach Christus das Christentum predigte. Später wurde über seinem Grab die Abtei St-Denis errichtet, die Jahrhunderte lang Verehrungsstätte und Grablege der französischen Könige war.

Im vierten Jahrhundert nach Christus, als sich der spätere Kaiser Julian Apostata in Paris aufhielt, wurde der Name Civitas Parisiorum erstmals urkundlich erwähnt.

Im fünften Jahrhundert beendeten die alemannischen Merowinger unter Chlodwigs Führung das friedliche nebeneinander von Galliern und Römern, drängten die Römer zurück, unterwarfen die restlichen germanischen Stammesfürsten und schufen ein einheitliches Reich. Im Jahr 508 machten sie Paris zur Hauptstadt, den römischen Regierungspalast auf der Cité wandelten sie in eine merowingische Pfalz um.

Auf die Merowinger folgten die Karolinger (843-987), die Kapetinger (987-1328) und das Haus Valois (1328-1498). Philipp von Valois (Philipp VI), der Neffe des Französischen Königs Philipp IV, genannt der Schöne, führte mit dem Erlöschen der Dynastie der Kapetinger gegen den englischen König Eduard III, den Enkel von Philipp IV, einen blutigen Erbfolgekrieg. Der Hundertjährige Krieg (1339-1453) brachte Paris Hungersnöte, Epidemien und die zeitweilige Besetzung durch die Engländer.

Auf die Valois folgte das Haus Orléans-Angoulême (1498-1589). Im 16. Jahrhundert lebten sowohl Ignatius von Loyola, der Begründer des Jesuitenordens, als auch Jean Calvin, der protestantische Reformer von Genf, zeitweilig in Paris. Die Folgen waren die Religionskriege zwischen Katholiken und Hugenotten. In der Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. August 1572 wurden Tausende von Hugenotten in Paris niedergemetzelt. 

Die Bourbonen (1589-1792) erzielten eine Beruhigung. Der Hugenotte Heinrich von Navarra bestieg 1589 als Heinrich IV (1589-1610) den Thron und trat zum katholischen Glauben über. Im Edikt von Nantes sicherte er 1598 den Protestanten eine eingeschränkte Religionsfreiheit zu. Als das Edikt später wieder aufgehoben wurde, flüchteten über 20'000 Hugenotten nach Deutschland, da ihnen der preussische Kurfürst Friedrich Wilhelm im "Edikt von Potsdam" von 1685 Asyl gewährte.

Nach der Ermordung Heinrichs IV begann mit Ludwig XIII (1610-40) das Grand Siècle von Paris, in dem barocke Prunkbauten entstanden. Der junge König stand zuerst unter der Vormundschaft der Königinmutter Maria von Medici und ihrer Günstlinge.

Das 17. Jahrhundert wurde durch den Einfluss zweier Kardinäle geprägt, Kardinal Richelieu (1624-42) und Mazarin (1643-61). 1624 entstand eine vom Adel unabhängige Ministerialverwaltung, 1635 die Académie Française, die Paris zu einem Hort der Gegenreformation und des Absolutismus machte. Als Louis XIV (1643-1715) minderjährig war, führte Kardinal Mazarin im Einvernehmen mit der Königinmutter Anna von Österreich die Regierungsgeschäfte.

Nach dem Tod des Kardinals 1661 übernahm der inzwischen volljährige Sonnenkönig allein die Regierungsgeschäfte. Ein stehendes Heer, die zentrale Verwaltung, eine abhängige Gesetzgebung und Justiz, die gelenkte Wirtschaft und die katholische Staatskirche (ab 1685) machten ihn zum absoluten Herrscher von Gottes Gnaden. Minister Colbert, der Schöpfer des Merkantilismus, erweiterte die Herrschaft des Königs. Eine Staatsdruckerei, Akademien, die Gobelinmanufaktur und andere Luxusgewerbe verhalfen Paris zur Blüte. 

Louis XIV verlegte seinen Regierungssitz vom Louvre ins neu errichtete Barockschloss Versailles. Gleichzeitig wuchs die Stadt als wirtschaftliches Zentrum Frankreichs unaufhörlich. Der Tuileriengarten erhielt seine heutige Form, die Champs-Elysées, die Place Louis-le-Grand (heute Place Vendôme genannt), die Place de Victoire, das Hôtel und der Dom des Invalides sowie die Louvrekolonnaden entstanden.

Die Bauwut, die horrenden Hofhaltungskosten und die Kriege des Sonnenkönigs zerrütteten die Staatsfinanzen, die auch von den Nachfolgern nicht in die Griff gebracht wurden. Louis XV (1715-1774) erreichte zwar zahlreiche aussenpolitische Erfolge, im Innern jedoch nahm die Willkürherrschaft unerträgliche Formen an. Die Generalstände waren bereits seit 1614 nicht mehr einberufen worden. 1771 wurden zusätzlich die Parlamente abgeschafft.

Der Nachfolger Louis XVI zeigte sich bei seiner Thronbesteigung 1774 zwar zuerst reformbereit, doch die Finanzen bekam auch er nicht in den Griff. Paris wurde um die Ecole Militaire, die Münze, die Place de la Concorde und die Kirche der heiligen Genoveva (heute der Panthéon) bereichert, doch gleichzeitig lebten 500'000 Menschen in Armut.

Wie andere Städte, so litt auch Paris Jahrhunderte lang unter katastrophalen hygienischen Zuständen. Die Einwohner lebten buchstäblich im eigenen Dreck. Die Folge waren Krankheiten und Seuchen. Die Lebenserwartung lag bei lediglich vierzig Jahren. Die Zustände waren so schlimm, dass es der König vorzog, nach Versailles zu ziehen, allerdings auch, um dem politischen Druck von Adel und Bürgertum weniger ausgesetzt zu sein.

In Paris herrschte eine permanente Gefahr von Epidemien. Die Friedhöfe waren überfüllt. Die Gebeine der Verblichenen wurden deshalb erstmals 1786 in die leeren Steinbrüche vor der Stadt gebracht. Die damals vor den Stadttoren liegenden Katakomben bilden heute eine Touristenattraktion. Die hygienischen Zustände waren einer der Faktoren, die zum Ausbruch der Französischen Revolution 1789 beitrug.

In den Salons erhoben sich die kritischen Stimmen der Aufklärung, in den Strassen wuchs der Unmut der Bürger. Am heutigen französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli 1789, erstürmte das Pariser Volk das Staatsgefängnis Bastille, das zum Symbol der absolutistischen Unterdrückung geworden war. Am 15. Oktober desselben Jahres wurde die Königsfamilie zur Rückkehr ins Tuilerienschloss in Paris gezwungen.

Die Revolution wurde zuerst von liberalen Kräften getragen. Nach der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte vom 26. August 1789 erarbeitete die Nationalversammlung 1790 die Verfassung für eine konstitutionelle Monarchie. Doch das Regime radikalisierte sich bald. Nach dem Fluchtversuch der Königsfamilie kam es 1792 zum Sturm der Tuilerien. Der Nationalkonvent trat zusammen und schaffte am 21. September 1792 das Königtum ab. Am 21. Januar des folgenden Jahres wurde Ludwig XVI ein Opfer der Guillotine auf der Place de la Révolution, seit 1795 Place de la Concorde genannt.

Die Ausschreitungen der Massen, die Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses und die Bedrohung durch eine royalistische Allianz im Ausland stürzten Paris in politisches Chaos und soziales Elend. Die Revolution frass ihre Kinder.

Zu Teil 2 der Pariser Stadtgeschichte.


Eiffelturm. © Paris Tourist Office - Fotograf: David Lefranc.


Notre-Dame. © Paris Tourist Office - Fotograf: David Lefranc.


Opéra Garnier. © Paris Tourist Office - Fotograf : David Lefranc.

Quelle, Literatur
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Neu zu Paris am 17.4.2005:
- Hotel Le Bristol
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