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Renaissance Hamburg Hotel
Artikel vom 2. Februar 2004; neue Fotos am 2. Dezember 2008 eingefügt
 
Das Renaissance Hamburg Hotel mit seiner Klinkerfassade ist ein Schmuckstück in Hamburg. Die Renaissance Hotels sind allgemein individueller auf die jeweilige Stadt ausgerichtet als die Marriott Hotels, die auf Gäste ausgerichtet sind, die sich lieber überall auf der Welt in vertrauter Umgebung bewegen. Die Renaissance Gruppe gehört seit 1997 zu Marriott International.

So offeriert das Restaurant Esprit im Renaissance Hamburg Hotel Norddeutsche Küche, während dem das Restaurant American Place im Hamburg Marriott Hotel amerikanisch-internationale Küche bietet. Das Marriott ist zudem ein Neubau aus dem Jahr 1988, während dem das Renaissance Hamburg Hotel seit 1981 in einem architekturhistorisch bedeutenden, denkmalgeschützten expressionistischen Backsteinbau von Fritz Höger aus dem Jahr 1926 untergebracht ist.
 
Die Renaissance Suite ist mit 215 m2 die zweitgrösste Hotelsuite in Hamburg. Hier stiegen unter anderen schon Steffi Graf und André Agassi, Iris Berben, Elton John, Tina Turner, Thomas Gottschalk, Götz George, Franz Beckenbauer, Joe Cocker und Steve Wonder ab. Die im Stil der 1980er Jahre eingerichtete Renaissance Suite mit ihren weissen Ledersofas und Stühlen ist geschmacklich nicht jedermanns Sache. Sie ist jedoch beliebt und war bereits in mehreren Musikvideos zu sehen.

Mit Ausnahme der Renaissance Suite wurden im Jahr 2000 alle Zimmer, die Flure und das Restaurant komplett renoviert. Extra breite Betten und schallisolierte Fenster sind heute Standard. Die Betten sind mit Daunendecken ausgestattet, 106 Zimmer sind Nichtrauchern vorbehalten. Gut zwei Drittel der Gäste sind Geschäftsreisende. Acht voll klimatisierte und mit Tageslicht ausgestattete Konferenz- und Banketträume sind deshalb im Hotel.

Für Einkaufshungrige ist das Renaissance Hamburg Hotel der ideale Startplatz. Das Hotel ist an die Einkaufspassage Hanse-Viertel angegliedert, die von der bekannten Architektengruppe Gerkan, Marg und Partner von 1978 bis 1982 realisiert wurde. Schräg gegenüber dem Hotel am Bleichenfleet - Fleete sind die hamburgischen Kanäle - entstand 1992 das Shoppingzentrum Bleichenhof. Und die schickste Einkaufstrasse der Hansestadt, der Neue Wall, liegt in einer Parallelstrasse zum Hotel.



Zurück zur Hotelarchitektur: Der Name von Fritz Höger wird allgemein mit dem für ihn jahrelang typischen Backsteinexpressionismus verbunden, insbesondere mit dem 1922-23 erbauten Chilehaus. In diesem Stil errichtete Höger 1926 das Broschekhaus als Druckerei- und Verlagsgebäude für das Hamburger Fremdenblatt. Die damals wichtigste Zeitung Hamburgs ging auf die Liste der ankommenden Fremden in Hamburg (ab 1828) zurück, die ab 1864 als Hamburger Fremden-Blatt erschien. 1907 wurde es vom Verleger Alfred Broschek gekauft, daher Broschekhaus. Der Eigentümer wurde 1936 von den Nationalsozialisten enteignet. 1944 wurde das Blatt mit anderen zur Hamburger Zeitung zwangsvereinigt. Nach 1945 galt es den Besatzungsmächten als nicht lizenzfähig. Ein Wiederbelebungsversuch der Broschekerben scheiterte 1954. Danach führte das Hamburger Abendblatt den Namen Fremdenblatt bis 1992 in Lizenz als Untertitel, um ihn für Mitbewerber zu sperren.

Högers ursprünglicher Entwurf in seinem typischen Backsteinexpressionismus sah einen auffälligem Treppengiebel als Eckbetonung und einen  "Presseturm" vor. Diese wurden auf Einwirken des Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher in abgewandelter, vereinfachter Form gebaut. Der Presseturm mit Aussichtsplattform und der projektierte Staffelgiebel wurden nicht umgesetzt. Von Schumacher wurde auch sonst manche planerische Höhenflüge des Nichtakademikers Höger, der aus dem Handwerk kam, mit grüner Tinte aus den Entwürfen gestrichen. So blieb der Bau - wohl auf Grund des Widerwillens von Höger - an dieser Stelle jahrzehntelang ein Torso, ehe er 1980/81 in der von Schumacher gewünschten Form ergänzt wurde.

Neben den Staffelgeschossen ist die Backsteingliederung an der Vertikalgliedern des Hauses charakteristisch: Gegenüber dem kräftigen Sockelgeschoss ist die Hauptfassade zurückversetzt, doch springen "Ziegelpfeiler" in diesem Bereich stark hervor. Diese sind abgetrennt gegliedert und enthalten wiederholt auf der ganzen Länge in jeder fünften Steinlage kleine, übereinanderliegende Konsolen mit winzigen goldglasierten Keramikpyramiden. Weitere vom Architekten vorgesehene Verzierungen wurden nicht realisiert. Durch den blauroten und goldschimmernden Klinkerton und die abgetrennte Mauerung ergibt sich dennoch, insbesondere im Schrägblick, das für Höger bezeichnende, detailreiche Klinkerspiel von Licht und Schatten.
 
Leider verbieten die zuständigen Hamburger Behörden zur Zeit die Benutzung der wunderschönen Balkone des Hotels. Dar Schreibende ging im Fitnesscenter im obersten Stock verbotenerweise dennoch kurz auf die Terrasse und war begeistert.

An das ehemalige Hamburger Fremdenblatt, das oft fälschlicherweise als ein Vorläufer des Hamburger Abendblatts gehalten wird, erinnern im Innern des Hotels nur noch Zeitungsausschnitte aus den 1920er Jahren im Konferenzraum, der fünfzehn Personen fasst. Einige Geräte aus der ehemaligen Druckerei würden dem Hotel sicher noch mehr Flair geben. Vielleicht findet sich ja in Hamburg noch etwas aus alter Zeit.
 
Im Erdgeschoss dient heute der massige Sockel mit dem steinernen Blumedekor und den grossen Schaufenstern als Front für das Restaurant Esprit. Die Aussenfassade ist durch Pfeiler sowie Bogen- und Sprossenfenster gegliedert; ursprünglich waren da gewölbte Butzenscheiben. Die Überdachung der Terrassen, die in Form von Gesimsen über die gesamte Fassade geführt sind, dient als Gegengewicht.
 
Das Renaissance Hamburg Hotel ist natürlich nicht nur für Architekturbegeisterte einen Besuch wert, sondern für alle, die Fünf-Sterne-Komfort nicht missen mögen.




Das Broschekhaus, heute Sitz des Renaissance Hamburg Hotels, Hamburg-Neustadt, Grosse Bleichen/Heuberg. Siehe dazu S. 162 (mit Hinweisen auf weiterführende Literatur) im Katalog zur Ausstellung 2003 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: Fritz Höger Architekt des Chilehauses. Moderne Monumente. Herausgegeben von Claudia Turtenwald, erschienen im Verlag Dölling und Galitz, Hamburg, 2003, 200 S. Bestellen bei Amazon.de. Der Katalog ist die Quelle für die nebenstehenden Ausführungen zum Broschekhaus. Foto: Katalog. © courtesy Verlag Dölling und Galitz.




Broscheks Restaurant. Photos © Renaissance Hamburg Hotel.
 

Ein Deluxe Room. Fotos © Renaissance Hamburg Hotel.


Social Business Zone. Photos © Renaissance Hamburg Hotel.

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