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Hotel de
Russie
Hotelkritik, Geschichte und Fotos des Luxushotels
in Rom
Hotel de Russie. Via del Babuino 9, 00187 Rom.
Artikel vom 9. Januar 2006
Die Hotelgruppe von Rocco Forte ist seit
einigen Jahren auf Expansionskurs. Im Frühling 2000 eröffnete sie das
Fünf-Sterne Hotel de Russie in Rom, das vollständig renoviert und neu
eingerichtet wurde. Das zeitgenössische Design ist elegant, aber nicht überladen,
sondern unaufdringlich, schlicht und entspannend in der Wirkung, ohne in simplen
Minimalismus zu verfallen.
Die Terrassengärten im Innenhof aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen vom
Architekten Giuseppe Valadier (1762-1839), dem führenden Vertreter des
Klassizismus in Rom. Er restaurierte unter anderen antike Bauwerke wie den
Titusbogen und das Kolosseum. Der Terrassengarten Giardino Segreto gehört zu einem umfassenden
Entwicklungs- und Umgestaltungsplan des Geländes, das zum Pincio führt, in dem
die Casina Valadier steht. Der Klassizist führte die Arbeiten an den Parkanlagen
von 1809 bis 1814 aus. Die bekannteste Sehenswürdigkeit im ursprünglich antiken
Villenviertel Pincio ist die Villa Borghese aus dem frühen 17. Jahrhundert mit
ihrer weltberühmten Kunstsammlung. Die Garten- und Landschaftsarchitektin
Antonella Daroda versuchte, den Giardino Segreto soweit als möglich in
seinem ursprünglichen Zustand herzurichten.
Zur ursprünglichen Umgestaltung von Valadier beim heutigen Hotel de Russie
gehörte der Bau der zwei Gasthöfe "Albergo delle Isole Britanniche" und "Locanda
di Russia"; letztere beherbergte viele russische Würdenträger. Beide galten zu
ihrer Zeit als stilvoll und genossen eine hohe Reputation.
Zwanzig Jahre nach dem Bau machte der Manager der "Locanda di Russia",
Graf Lucerani, bankrott.
Das Haus wurde vom Besitzer, Fürst Alessandro Torlonia (1800-1886), im
Management übernommen. Der Fürst von Musignano und Canino finanzierte nicht nur
die Trockenlegung des Fuciner Sees, sondern er fügte auch die zwei Inns in Rom
in den 1870er Jahren zu
einem Hotel zusammen, dem "Grand Hôtel de Russie et des Iles
Britanniques", bevor es nach wenigen Jahren in "Hôtel de Russie" umgetauft
wurde.
Fürst Torlonia besass übrigens noch eine Reihe weiterer Hotels, darunter das
Hôtel d'Amérique, das ebenfalls in der Via del Babuino lag. Im Amérique stiegen
von November bis Dezember 1860 Richard Wagner und seine Frau Cosima ab.
1860 war das Jahr, in dem Fürst Torlonia dem "Grand Hôtel de Russie et des Iles
Britanniques" zwei Stockwerke hinzufügte, das Interieur renovierte und sich
des Gartens annahm, in dem er
romantische Grottos und Steingärten anlegen, Palmen und Eiben pflanzen,
Gewächshäuser und Wintergärten bauen liess.
Für die Renovierung des Hotels hatte Fürst Torlonia niemand geringeren als
Domenico Costanzi engagiert, der eine Baufirma besass und sich auf Renovierungen
und die Konstruktion von Hotels spezialisierte. Zu seinen Werken gehören die
Locanda di Roma in der Via del Corso (Hotel Plaza) und seine eigenes Hotel The
Constanzi in der Via S. Nicola de Tolentino.
Im 19. Jahrhunderts pries Alessandro Ruffini regelmässig in seinem Führer der
Hotels, Tavernen, Kaffeehäuser und Herbergen das "Grand Hôtel de Russie et des Iles
Britanniques", das von Beginn an die europäische Elite anzog.
Damals fand auf der Piazza del Popolo, an dem das Hotel steht, der Römer
Karneval statt, der viele Reisende aus England und ganz Europa anzog, die zum
Teil von ihren Zimmern aus den Umzug mit allerlei Artisten auf Wagen sowie
Rennen mit Berber-Pferden beobachten konnten.
In den 1880er und 1890er Jahren wurde das Hotel de Russie von den Brüdern
Francesco "Checco" und Luigi Silenzi geführt, deren Familie Gärten in einem
Gebiet Roms besass, das heute als Quartier Prati bekannt ist. Die Silenzi
führten zahlreiche Hotels in Rom, gingen aber in die Annalen ein, weil sie es
nicht schafften, die Villa Aldobrandini in Magnanapoli, deren Garten durch den
Bau der Via Nazionale verschandelt wurde, in ein erstklassiges Hotel zu
verwandeln.
Das Hotel de Russie zog die russische Zarenfamilie, den russischen Adel und
zahlreiche
romantische russische Maler. Hier starb 1891 der Neffe Napoleons, Prinz Gerolamo
Napoleone, der Mann von Clotilde de Savoy. Die fromme Clotilde war aus Gründen
der Staatsräson mit Napoleon verheiratet worden. Diese romantische Geschichte
lockte neben vielen Adligen auch populäre Massen zum Hotel.
Die Luxusherberge war nicht zuletzt der bevorzugte Treffpunkt des Römer Adels,
der hier opulente, verschwenderische Feste zusammen mit englischen Aristokraten
und reichen Engländern feierte, bei denen Künstlerinnen wie Lina Cavalieri
auftraten. Ebenfalls aufsehen erregten Treffen von 300 Hoteliers aus ganz
Europa, die von den Silenzi eingeladen worden waren. Später logierten im Hotel
reiche
Exilrussen und Künstler wie Diaghilew, Picasso und Stravinsky, nach dem die
heutige Hotelbar benannt ist.
Im Zeiten Weltkrieg wurde das Hotel de Russie vom militärischen Geheimdienst requisitioniert.
Ende der 1940er Jahre übernahm es der Graf Romolo Vaselli, der bereits das "Albergo delle Isole Britanniche"
besass, und in den 1950er Jahren das Hotel renovierte, ehe es vom staatlichen Fernsehsenders RAI
als Bürohaus genutzt wurde. Von 1993 an stand es leer, bis es von Sir Rocco Forte
übernommen und 2000 als Luxushotel wieder eröffnet wurde.
Die Schwester von Rocco Forte, Olga Polizzi, arbeitete zusammen mit Julio La
Fuente an der Restaurierung der Architektur und mit Tommaso Ziffer am
Innendesign des Hotels, wobei der einfache Stil der 1930er Jahre als Vorbild
diente, der Rom und den italienischen Charakter des Hotels repräsentieren soll.
Dabei wurde durchaus - mit Erfolg - dem Eklektizismus gefrönt. Ein Stuhl im
englischen Georgian style trifft auf einen zeitgenössischen Bang & Olufsen-Fernseher, der in einem edlen, asiatisch angehauchten Möbel mit dunklem
Holz und orangefarbenem Lack versteckt ist sowie auf ein typisch französisches
Schreibmöbel im Stil der 1940er Jahre. Anstelle der anderswo üblichen
Reproduktionen von Stichen aus alter Zeit dekorieren im Hotel de Russie
zeitgenössische Farbfotografien mit Blumenmotiven von Robert Mapplethorpe die
Wände. Die Böden sind entweder mit dunklen Parkettböden oder mit hellen
Seasal-Teppichen ausgestattet.
Die Zimmer und Suiten sind geräumig, in kühlen, pastellfarbenen Tönen dekoriert und mit
Leinenbettlaken ausgestattet. Die Badezimmer sind mit Marmor und Mosaiken
ausgekleidet. Wo möglich, wurden lokale Hersteller bevorzugt, um dem Hotel den
Charakter der Region Latium zu geben. Einige Zimmer haben Blick auf die Piazza
del Popolo, den Innengarten oder die Via Margutta, dem Versteck von Audrey
Hepburn im Liebesfilm Roman Holiday.
Unter den vielen berühmten Gästen, die dem Hotel seit der Wiedereröffnung unter
Sir Rocco Forte ihre Referenz erwiesen haben, ist Johannes Rau, der im März 2004
seine letzte Reise als Bundespräsident zu einem Treffen mit dem italienischen
Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi und einer Audienz beim Papst nutzte. Er
bewohnte die Picasso Suite mit Blick auf den Garten im Innenhof, die zuvor
bereits der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder geschätzt hatte.
Unter den verschiedenen Räumen für Geschäftsessen und Privatfeste sei die
Zarinnen-Terrasse (Terrazza della Zarina) hervorgehoben. Auf dieser
Dachterrasse lassen sich Abendessen bei Kerzenlicht und Feste in privatem Rahmen
feiern. Die Schauspieler des Film Oceans 12 schätzten während ihrer Drehpausen die
Privatsphäre hier oben über den Dächern Roms.
Zuletzt noch ein Hinweis auf das Fitness- und Beautyzentrum des Hotels. Es bietet neben dem neuesten Equipment
einen Marine-Hydropool, eine Sauna, ein türkisches Dampfbad sowie ein
umfassendes Programm an Massagen und Schönheitspflegen. Ein separater Lift führt
direkt von den Zimmergängen ins SPA.

Eine Junior Suite.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.

Ein Badezimmer.
Photos © Hotel de Russie, Roma.

Blick in ein Badezimmer.
Photos © Hotel de Russie, Roma.

Die Bar im Garten.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.
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Der Innenhof.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.

Die Picasso Suite.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.

Nijinsky Suite Terrasse.
Photos © Hotel de Russie, Roma.

Photos © Hotel de Russie, Roma.

Fotos © Hotel de Russie, Roma.

Das Restaurant im Garten des Innenhofs.
Fotos © Hotel de Russie, Roma.

Die Piazzetta Valadier bei Nacht.
Photos © Hotel de Russie, Roma.

Die Wellness-Zone.
Photo © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.

Das Fitness.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.

Blick in eine Executive Suite.
Photos © Hotel de Russie, Roma / Rocco Forte Hotels.
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