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Haus der Geschichte
Baden-Württemberg
Ein sehenswertes Museum in Stuttgart
Artikel vom 11. Februar 2007
Die Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg
bietet inszenierte Geschichte von 1790 bis heute und lädt zur Diskussion und zur
Hinterfragung ein. Ein singulärer Gegenstand kann die Wirren einer ganzen
historischen Phase repräsentieren. Querverweise eröffnen dem Betrachter neue
Perspektiven auf das Geschehene. Die Ausstellung setzt Schwerpunkte und Akzente,
wählt Objekte gezielt aus, die in die Gesamtinszenierung eingefügt werden.
Frau Paula Lutum-Lenger erklärt im Katalog, dass die Re-Kontextualisierung der
Geschichte in der Ausstellung auf vier Ebenen stattfindet. Zunächst macht ein
thematisch bestimmtes Raumbild mit bühnenbildnerischen Mitteln einen
historischen Zusammenhang sinnlich erfahrbar. Solche zeitgenössische Zitate
stimmen zusätzlich ins Thema und die Zeit der jeweiligen Ausstellungsräume ein.
Die Exponate werden so in einen allgemeinen Zusammenhang gestellt. Innerhalb
dieses Bildraumes sind die Objekte nach Massgabe ihrer Deutung angeordnet und
installiert. Hilfestellung bei der Deutung bieten kurze Texte.
Auswahlkriterium für die Exponate ist nicht ihr materieller Wert oder ihre
ästhetische Qualität, sondern allein die Aussagekraft im Rahmen des gewählten
Themas. Bevorzugt berücksichtigt wurden Objekte, die zu demonstrieren vermögen,
welchen Niederschlag die Geschichte im Alltagsleben der baden-württembergischen
Bevölkerung gefunden haben.
Die Originalobjekte bieten dem Betrachter die Möglichkeit zur Identifikation.
Die Auseinandersetzung mit der Landesgeschichte erhält so eine emotionale und
affektive Dimension, während dem auf der vierten Ausstellungsebene Daten und
Fakten in erster Linie die kognitiven Fähigkeiten der Besucher ansprechen.
Das Museum richtet sich sowohl an Laien wie an kundige Besucher, die immer noch
etwas Neues zur Landesgeschichte von Baden-Württemberg erfahren können. Dazu
bieten sich die vier Vermittlungsebenen der Dauerausstellung an: Bildraum,
Raumzitat, authentisches Objekt und Computer-Datenbanken.
Der Besucher ist im Haus der Geschichte Baden-Württemberg nicht reiner
Konsument, nicht passiver Rezipient, sondern die Ausstellungsmacher versuchen,
ihn aktiv in die Erfahrung der Geschichte einzubinden, zum Beispiel indem er
Infotafeln herausziehen muss, um so erst einen Film in Gang zu bringen. Gleich
zu Beginn des chronologischen Teils der Ausstellung wird der Gast von einer
begehbaren Landeskarte mit den rund 250 Territorien aus der Zeit des Alten
Reiches begrüsst. Je nachdem, wohin der Besucher tritt, erscheint der Name und
Titel des jeweiligen Landesherren bzw. der Landesmutter in Form einer
Projektion, die langsam verschwindet, und so die damalige Zersplitterung des
heutigen, erst 1952 gegründeten Landes Baden-Württemberg vor Augen führt.
Mein Ausstellungsfavorit bildet der dem rohstoffarmen Forschungsland
Baden-Württemberg gewidmete Raum. Hier ist der Nobelpreis für Medizin und
Physiologie ausgestellt (Urkunde
und Medaille), der 1995 der Tübinger Biologin Christiane
Nüsslein-Volhard für ihre Arbeiten über die genetische Steuerung der
Embryonalentwicklung verliehen wurde. Ihre Forschungen basierten auf Arbeiten
mit der Taufliege Drosophila melanogaster, die wohl nicht nur dem Schreibenden
aus dem eigenen Biologieunterricht im Gymnasium noch in Erinnerung ist. Andere
Glanzpunkte des Raumes bilden der Hut des Philosophen Karl Jaspers, Talar und
Barett von Martin Heidegger sowie eine Reproduktion des Gipsabgusses der
Totenmaske von Max Weber.
Die Geschichtlichkeit des Gegenwärtigen und die Gegenwärtigkeit des
Geschichtlichen zu vermitteln ist ein Hauptanliegen der Dauerausstellung.
Im Gegensatz zu den Ausführungen in diesem Artikel ist sie
alles andere als trocken, sondern anregend und bildet nicht nur vielen
Schulklassen einen spielerischen und dennoch substantiellen Einstieg in die
Landesgeschichte.

Foto © Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart /
Bernd Eidenmöller.
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Foto ©
Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart /
Bernd Eidenmöller.
Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Das Buch zur
Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Das Museum in
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Foto © Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart /
Bernd Eidenmöller.

Foto © Haus der Geschichte Baden-Württemberg,
Stuttgart / Bernd Eidenmöller.
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