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Grand Hotel Wien
Geschichte, Design, Hotelkritik,
Photos
Artikel vom 6. März 2007
Die Anfänge
Unter den historischen Hotels der Stadt Wien nimmt das Grand
Hotel Wien eine Sonderstellung ein. Die Fassade datiert von 1870, das
Innendesign zeichnet es als klassisches Grand Hotel aus, doch das gesamte
Innenleben wurde ab 1990 völlig neu gestaltet (Foto des völlig entkernten Hotels
um 1990 unten rechts).
Als das Grand Hotel Wien 1870 die Türen öffnete, war es das erste
Ringenstrassenhotel. Neben Betten bot es bereits Restaurants, ein Kaffeehaus,
eine Bar, Salons und war mit einer eigenen Wäscherei, einer Werkstatt und
Stallungen für die Pferde der Gäste ausgestattet.
Es war das erste Etablissement in ganz Österreich, das den Zusatz Grand
im Namen führte, und dies ganz zurecht. Hotelgründer Anton Schneider setzte im
boomenden Wien neue Massstäbe. Die neue k&k Hofoper, die heutige Staatsoper,
hatte im Vorjahr, nur rund zweihundert Meter vom Hotel entfernt, ihre Türen
geöffnet, und der Musikvereinsaal wurde ebenfalls 1870 eingeweiht.
Von 1866 bis 1870 wurde das Grand Hotel als Maison meublée gebaut, vom
Besitzer Anton Schneider aber sofort nach der Fertigstellung von einem
Privathaus in ein Hotel umgewandelt. Die Pläne stammten vom damals sehr
gefragten Architekten Carl Tietz. Dieser betreute in Wien gleichzeitig um die 30
Baustellen. Das immense Arbeitspensum forderte jedoch seinen Tribut: Carl Tietz
wurde in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, wo er verstarb.
Eine Werbung aus dem Jahr 1871 im Magazin The Hotels of Europe versprach
ein "first class hotel" mit 300 Zimmern und Apartments. Wie in allen
Hotelpublikationen wurde von Hoteldirektor François Sommer stolz auf den
dampfbetriebenen Aufzug hingewiesen. Er stellte das Wohnen im obersten Stockwerk
- bis dahin zumeist den Domestiken vorbehalten - dem Aufenthalt in den damals
begehrtesten Zimmern in der Belle Etage gleich.
Künstler waren mit dem Grand Hotel verbunden. August Eisenmenger (1830-1907)
malte das Kunstgeschichte schreibende Deckengemälde im Speisesaal des Grand
Hotels, das leider später zerstört wurde. Ein Gemälde von Thomas Etthofer vom
November 1913 zeigt den Fünf-Uhr Tee im Grand Hotel Wien. Leider existiert der
1911 mit einem Glasdach versehene Innenhof, "eine Oase der Stille und der
Kühle", in dem der Tee serviert wurde, nicht mehr.
1873 kam es an der Wiener Börse zu einem Börsenkrach. Seither spricht man von
"Crash". Das Jahr brachte zudem eine Choleraepidemie. Für das Grand Hotel Wien
hielt das Jahr aber auch Glanzlichter bereit, darunter der Besuch des Königs von
Belgien sowie von einer spanischen und einer niederländischen Delegation.
Am 23. Oktober 1873, nach drei Jahren Bauzeit, weihte Kaiser Franz Joseph I.
Europas grösste Wasserleitung ein. Wien erhielt eine Hochquellwasserleitung aus
dem Rax-Schneeberg-Gebiet. Das Grand Hotel schloss sich dem neuen System sofort
an, das dem bisherigen, aus drei hauseigenen Brunnen bestehenden, überlegen war.
Bis heute profitieren die Wiener von einer herausragenden Wasserqualität.
1873 war für das Grand Hotel auch kulinarisch ein Meilenstein, denn Küchenchef
Louis Tremmel führte in Wien die gehobene französische Küche ein. 1876 vermerkte
der Hotelführer A Holiday Tour in Austria das Grand Hotel und das
ihm an der Ringstrasse fast gegenüber gelegene Imperial als die besten Häuser Wiens.
Mayerling
1888-89 wurde das Grand Hotel Wien einer der Schauplätze eines der grössten
Skandale des späten Kaiserreiches: Mayerling. Das Grand Hotel war das Quartier
von Maria Gräfin Larisch und ihrem Mann, wann immer sie nach Wien kamen. Die
Nichte von Kaiserin Elisabeth verband ein vertrauensvolles Verhältnis mit dem
1958 geborenen Kronprinzen Rudolf.
Es war Maria Gräfin Larisch, die dem Thronfolger die junge und hübsche Baronesse
Mary Vetsera vorstellte. Die verhängnisvolle Affäre spielte sich zu einem Teil
im Grand Hotel ab. Gräfin Larisch agierte nicht nur als postillon d'amour.
Bratfisch, der Leibkutscher des Kronprinzen, holte die Vetsera nachweislich über
zwanzig Mal am Hinterausgang des Hotels ab, um sie zu geheimen Treffen mit ihrem
geliebten Rudolf zu kutschieren.
Im November 1888 forderte der Kaiser seinen Sohn auf, seine Affäre mit der
16jährigen Baronesse Vetsera zu beenden, die damals im zweiten Monat schwanger
war. Marys Mutter wollte ihren Backfisch in ein Kloster senden. Als sie von der
Schwangerschaft erfuhr, fasste sie den Entschluss, ihre Tochter nach England zu
bringen. Daraufhin floh Mary zur Gräfin Larisch ins Grand Hotel.
Am 27. Januar 1889 kam es am Morgen im Grand Hotel zu einer Unterredung zwischen
Kronprinz Rudolf und Gräfin Larisch. Am Nachmittag betrat der Thronfolger
irrtümlich die Schwemme des Hotels, als er über den diskreten Seiteneingang
erneut zur Gräfin wollte, und wurde dabei von den Fiakern erkannt.
Am folgenden Tag sandte der Kronprinz die Baronesse in sein Jagdschloss
Mayerling vor, wo er am selben Abend eintraf. Am 29. Januar 1889 kam es zur
Tragödie: Zeugen wollen zwei Schüsse aus dem Schlafzimmer gehört haben.
Kronprinz Rudolf erschoss sich. Ob er zuvor seine 17jährige Geliebte durch einen
Kopfschuss tötete, ist bis heute umstritten. Offiziell wurde Maria Vetsera nicht
an der Seite des Kronprinzen gefunden. Brigitte Hamann führt für den Freitod des
liberal eingestellten Thronfolgers viele politische Gründe an, führt den
Selbstmord also nicht allein auf die "unstatthafte" Affäre zurück.
Maria Gräfin Larisch blieb auch nach dem Drama Stammgast im Grand Hotel. Mit
ihrem Mann, Georg Graf Larisch, bewohnte sie gewöhnlich die Suiten 21, 23 und 28
im ersten Stock mit Blick auf die Maximilianstrasse, die heutige Mahlerstrasse.
Johann Strauss und Dr. Karl Lueger
Der Walzerkönig Johann Strauss (Sohn; 1825-99) war der musikalische
Superstar seiner Zeit. Auf einer erfolgreichen Tournee durch die USA dirigierte
er in Philadelphia vor 50,000 begeisterten Zuhörern. Nach einem Konzert der
Wiener Philharmoniker zu seinem fünfzigjährigen Dirigierjubiläum fand im Grand
Hotel Wien im Beisein von Johannes Brahms ein Galadiner mit 200 Gästen zu seinen
Ehren statt. Grossfürst Konstantin von Russland logierte damals ebenfalls im
Hotel und bat das Personal, in einem angrenzenden Raum den Reden und der Musik
zu Ehren von Johann Strauss zuhören zu dürfen, da er ein glühender Verehrer des
Maestros war.
Um 1900 kam es zu einem legendären Wortwechsel zwischen dem Portier des Grand
Hotels und dem antisemitischen und antiliberalen, aber populären
christlichsozialen Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger, der die Stadt
modernisierte und zum Beispiel die Stadtbahn, Wiens erste U-Bahn, bauen liess.
Der Portier fragte Lueger: "Sagen Sie, Herr Bürgermeister, warum kommen Sie
eigentlich nie ins Grand Hotel?". Die Antwort kam prompt: "Weil das ein Tempel
der kapitalistischen Ausbeuter ist." Daraufhin erwiderte der Portier: "Aber
diese Ausbeuter geben mir meine Arbeit!" Da fragte Lueger rhetorisch nach: "Und
was hast Du daraus gemacht?" Der schlagfertige Portier antwortete: "Ich habe Sie
gewählt, damit Sie auch Arbeit haben."
1911 erreichte das Grand Hotel Wien seine grösste Ausdehnung. Die Nachbargebäude
Kärntnerring 11 und 13 wurden gekauft. Architekt Carl Tietz hatte sie
weitsichtig so gebaut, dass sie problemlos ins Hotel eingegliedert werden
konnten. Das Hotel gewann so 100 Zimmer hinzu, erhielt neue Aufzüge, Salons
sowie den erwähnten Innenhof. Alle Zimmer waren nun bereits mit Telefonen
ausgestattet.
"1914 feierte das Haus Habsburg-Lothringen im Grand Hotel ein
Gala-Familien-Dinner mit Backhendl, Tafelspitz und Apfelstrudel", erzählt
Andreas Augustin. Doch die Idylle war kurz darauf vorbei. Nach der Ermordung des
Thronfolgerpaares in Sarajevo brach der Erste Weltkrieg aus und die
Österreich-Ungarische Monarchie ging unter.
Gäste nach dem Ersten Weltkrieg
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Wien rasch wieder zur Weltstadt. Josephine Baker
trat im Varieté Ronacher auf und logierte zuerst im Grand Hotel, ehe sie vor
Rassisten auf den Semmering in Sicherheit gebracht werden musste.
Der Korso entlang der Ringstrasse war damals eine beliebte Flaniermeile. Im
Sommer war vor dem Grand Hotel eine beliebte Terrasse eingerichtet, die heute
als Schanergarten ebenfalls im Sommer wieder auflebt. Um 1920 war das Grand Hotel weitgehend
im Sheraton Stil eingerichtet, benannt nach dem englischen Architekten Thomas
Sheraton (1751-1806).
Nach dem Untergang der Habsburgmonarchie "logierte halb Budapest hier - und ein
gutes Viertel jedes Balkan Staates", notierte der eminente polnische Mediziner
und Immunologe Ludwik Hirszfeld (Ludwig Hirschfeld) zum Grand Hotel, das zum
Zufluchtsort vor allem für viele Adelige geworden war.
In den 1930er Jahren blieb das Hotel weiterhin eine beliebte Adresse.
Schauspieler wie Emil Jannings und Heinz Rühmann stiegen hier ab. Ab 1935 begann
im Grand Hotel die Karriere des späteren Doyens der österreichischen Hotellerie,
Otto Scheiner (1918-2002), der aus seinen Erinnerungen viel zum Buch Die Geschichte des
Grand Hotel Wien von Andreas Augustin beitrug, das die Hauptquelle für
diesen Artikel bildet.
Der Clown Charlie Rivel gastierte 1930-33 und 1943 im Varieté Ronacher und
wohnte mit seinen drei Söhnen im Grand Hotel. Leider ist dazu keine Anekdote
überliefert.
Die im Empire Stil eingerichteten Musiksalons des Grand Hotel Wien waren bei an
der Oper gastierenden Künstlern sehr beliebt. Jeder Salon hatte entweder einen
Flügel oder ein Piano. Die Kostproben, die so tagsüber durch das Haus klangen,
stimmten auf das Opernprogramm des jeweiligen Abends ein.
Kriegsjahre
Zu den Kriegsjahren ist nicht viel zum Grand Hotel bekannt. 1938 holte Hitler
Österreich "heim ins Reich". Im Jahr darauf klassifizierte der Führer des
Deutschen Automobil Clubs das Grand Hotel zusammen mit dem Bristol und dem
Sacher als eines von lediglich drei Wiener
5-Sterne-Hotels. Noch 1940 eröffnete der deutsche Automobilhersteller Borgward
ein Verkaufsbüro im Grand Hotel. Doch in den Kriegsjahren stagnierte das
Hotelgeschäft und die Versorgungslage verschlechterte sich.
Glamour in den Nachkriegsjahren
Das Grand Hotel Wien wurde erst 1957 von Direktor Walter Scheel wiedereröffnet.
Zuvor hatten hier die sowjetischen Besatzungstruppen gewohnt. Die
Bundesregierung dachte zuerst daran, das Imperial zuzusperren und die Möbel dem
Grand Hotel zu geben, dem das Mobiliar fehlte. Glücklicherweise kam es nicht
dazu und beide Traditionshotels wurden erhalten.
Zu den ersten Gästen im Grand Hotel nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Prinz
Saud, der saudische Thronfolger. Der Königssohn kam mit einem Harem von zwölf
Frauen. Er liess sich in einer Klinik medizinisch untersuchen, deren Essen
jedoch nicht seinen Wünschen entsprach. Daher musste das Grand Hotel einspringen
und ihn bekochen. Jeden Tag fuhren zwei Rolls Royce vom Hotel in die Klinik, um
dem Prinzen standesgemässe Mahlzeiten zu servieren.
1958 drehte Anatole Litvak den Film The Journey in Wien, der eigentlich
in Budapest spielte. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Ungarn drehte das
Filmteam in Wien und brachte dem Grand Hotel berühmte Gäste, darunter die
Schauspieler Yul Brynner, Deborah Kerr, Jason Robards Jr., Robert Morley, E.G.
Marshall und Anne Jackson.
Damals war das Grand Hotel zudem der Stützpunkt der Air France Besatzungen. Als
SAS Manager in Wien halfen, nach dem Krieg die Austrian Airlines wieder
aufzubauen, logierten diese ebenfalls im ältesten Ringstrassenhotel.
1958 war allerdings auch das Jahr, in dem es Österreich gelang, die
Internationale Atomenergieagentur IAEA nach Wien zu holen. Dem neutralen
Kleinstaat und der Donaumetropole gelang es so, auf dem diplomatischen Parkett
wieder präsent zu sein. Der Preis dafür war das Gebäude des Grand Hotels. Die
IAEA eröffnete 1958 hier ihre Büros und blieb im Haus bis zur Eröffnung des
IAEA-Hochhauses in der Wiener UNO-City an der Donau im Jahr 1979.
Nach einem Brand dauerte es Jahre, ehe das Gebäude des ehemaligen Grand Hotels
renoviert wurde. Die japanische Fluglinie und Hotelkette All Nippon Airways
(ANA) trat 1989 als Investor auf. Noch heute ist vielen Wienern das Haus als ANA
Grand Hotel ein Begriff.
1990 wurde das Haus innen völlig entkernt, auf die Originalgrösse von 1870
reduziert und nur die Aussenfassade erhalten. Daher sieht das Hotel bis auf die
Dachpartie heute aus wie 1870. Innen ging die Patina verloren, dafür konnten die
Zimmer problemloser als in historischen Gebäuden den zeitgenössischen
Hotelstandards angepasst werden.
Am 15. Juni 1994 wurde das ANA Grand Hotel nach vierjähriger Umbauzeit vom
damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk feierlich wiedereröffnet. In der
Folge stiegen hier wieder Stars und Sternchen, Politiker und Wirtschaftsmagnaten
ab. Die "Drei Tenöre" Placido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras
nutzten das Grand Hotel zusammen mit Dirigent James Levine für eine
Präsentation. Die UNO-Generalsekretäre Boutros-Boutros Ghali und Kofi Annan
waren hier zu Gast. Der 1999 verstorbene Geiger Lord Menuhin liebte die grosse
Suite des Grand Hotel.
Da das ANA Grand Hotel japanische Besitzer hatte, stiegen hier vermehrt
Persönlichkeiten aus dem ehemaligen Reich der Aufgehenden Sonne ab, so 1994 der
Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe. Ein Höhepunkt bildete der Wiener Besuch
des japanischen Kaiserpaares im Jahr 2002.
Im Jahr 2000 feierte das ANA Grand Hotel zusammen mit 600 Ehrengästen seinen
130sten Geburtstag. Am 1. August 2002 übernahm die 1990 in London gegründete
internationale Hotelkette JJW
Hotels & Resorts des saudi-arabischen Scheichs Mohamed Bin Issa Al Jaber das Traditionshotel. Seit dem 1. Dezember 2002
ist das
Luxushotel zu dem Mitglied der prestigereichen Vereinigung Leading Hotels of the World.
Der Schreibende konnte sich Anfang 2007 vom ausgezeichneten Service des Hauses
überzeugen, das mit zwei bekannten Restaurants aufwarten kann, dem französischen
Restaurant Le Ciel und dem japanischen Spezialitätenrestaurant
Unkai.
Literatur
- Brigitte Hamann: Kronprinz Rudolf. Piper TB, bestellen bei
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- Andreas Augustin: Die Geschichte des
Grand Hotel Wien, 1994 (engl. Ausgabe), 2000 (dt. Ausgabe), 79 S.
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Die Fassade bei Nacht.
Foto © Grand Hotel Wien.

Eine Junior Suite. Photos © Grand Hotel Wien.

Ein Deluxe Zimmer. Photos © Grand Hotel Wien.

Das völlig entkernte Hotel um 1990. Foto © Grand Hotel Wien.

Die historische Fassade. Foto © Grand Hotel Wien.

Blick in eine Suite Deluxe. Foto © Grand Hotel Wien.

Badezimmer Suite Deluxe. Fotos © Grand Hotel Wien.

Ein Superior Room. Fotos © Grand Hotel Wien.

Die Fassade. Fotos © Grand Hotel Wien.

Der Schanergarten (Bar- und Restaurant im Sommer). Photos © Grand
Hotel Wien.
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