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Hotel König von
Ungarn Wien
Artikel vom 31. Januar 2007
Das Hotel König von Ungarn und seine
Geschichte
Zu den Wiener Geheimtipps
gehört das rund 100 Meter vom
Stephansdom gelegene Hotel König von Ungarn. Mit nur 33 Zimmern, darunter acht
renovierte Duplex-Appartements, die jährlich zu über 90% vorwiegend von
Stammgästen belegt sind, gehört es zu den Vier-Sterne-Hotels mit intimer
Atmosphäre, in dem sie hin und wieder der Hoteldirektor selbst an der Rezeption
bedient.
Das Hotel befindet sich in österreichischem Privatbesitz der Familienstiftung
Sucher, die daneben noch
ein Dreisternehaus sowie das neben dem Hotel König von Ungarn gelegene Haus mit
der Mozart-Gedenkstätte in der Domgasse Nr. 5 besitzt. Der Komponist lebte dort von Ende September 1784 bis Ende April 1787 mit
seiner Familie in der Beletage. Das Mozarthaus beherbergt das einzige vom
Musiker einst bewohnte Appartement, das noch existiert.
Wolfgang Amadeus Mozart komponierte hier unter anderem die Musik zu Der
Schauspieldirektor und zu Le Nozze di Figaro - Die Hochzeit des
Figaro, weshalb die Adresse als „Figarohaus“ bekannt ist. Die Stadt Wien
mietet die Räumlichkeiten und betreibt die Mozart-Gedenkstätte, die leider
weitgehend mit
Kopien und Faksimiles von Mozart Memorabilien aus anderen Museen auskommen muss.
Im Haus ist ausser den Böden, Fenstern
sowie in einem Zimmer der Marmor imitierenden Stuckverkleidung, die dort bereits
60 Jahre vor Mozarts Einzug angebracht worden war, nichts aus der Zeit Mozarts
übrig geblieben.
Musik hat übrigens auch im Hotel König von Ungarn seinen Platz. Einer der
grossartigsten Pianisten unserer Zeit, der in London lebende Alfred Brendel, ist
Stammgast im Hotel. Der Dirigent Václav Neumann (1920-1995) lebte seit der
Wiedereröffnung 1978 im Hotel König von Ungarn. Er sagte oft, er würde gerne im
Hotel sterben, und so kam es denn auch. Zuvor hatte er sich als Dirigent des
Gewandhausorchesters in Leipzig und der Tschechischen Philharmonie verdient
gemacht.
Doch nicht nur bedeutende Musiker wohnen im König von Ungarn, sondern im
überdachten Innenhof wird zudem regelmässig musiziert, nicht nur zur Einstimmung
auf Dinners, so bei meinen Hotelaufenthalten Ende 2003 und Anfang 2007.
Seit 2001 findet
am Morgen nach dem Philharmonikerball ein Privatkonzert für eine Zürcher Firma
statt, das von rund 6 bis 10 Musikern der Wiener Philharmoniker bestritten wird. Am 19. Januar
2007 konnte ich als Hotelgast der Darbietung beiwohnen. Gespielt wurden kurze,
populäre Stücke, so von Haydn, Brahms und Johann Strauss Vater, unterbrochen und
aufgelockert durch Anekdoten zu berühmten Dirigenten, erzählt vom Ensembleleiter
Fritz Pfeiffer. Unter den Solisten war zum Beispiel die erste Violine Günter
Seifert.
Den Abschluss des morgendlichen Philharmoniker Konzerts bildete die 1974 vom
englischen Komponisten Alan Ridout geschaffene Vertonung des Kinderbuchs
"Ferdinand der Stier" von Munro Leaf aus dem Jahr 1935. Dass Ferdinand, der
kräftige Stier, inmitten das Spanischen Bürgerkriegs lieber an Blümchen riecht
als in der Arena kämpft, wurde von vielen Zeitgenossen als pazifistische
Botschaft interpretiert. Caroll Honeck las den englischen Originaltext; an der
Violine begleitet wurde sie von ihrem Mann, dem Konzertmeister der Wiener
Philharmoniker, Rainer Honeck.
Zurück zum Hotel König von Ungarn. Das historische, ursprünglich zweistöckige
Gebäude aus dem 17. Jahrhundert diente den kirchlichen Würdenträgern der
Erzdiözese St. Stephan rund 200 Jahre als Pferdestall (der heutige Innenhof) und
Gästehaus. Jahrelang diente es der Gräfin von Wrbna als Palais.
1746 wurde es von einem Franzosen Namens Olivaint gekauft und in einen
Gasthof umgewandelt. Rasch wurde es zum Quartier der vornehmen polnischen und
ungarischen Kavaliere. Mit einem Franzosen begann also die Hotelgeschichte.
Vom jungen Olivaint ging das Hotel von 1836 bis 1854 in den Besitz der Herren Wuester und
Landisch über. Als sie sich trennten, tat sich Landisch mit dem bekannten Wirt
Vogelsang zusammen. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte die Dekoration des Hauses
anlässlich der Vermählung ihrer Majestäten Kaiser Franz Joseph und "Sisi", der
zukünftigen Kaiserin.
Von 1869 bis 1971 führte Vogelsang das König von Ungarn alleine, ehe er sich mit
dem populären Gastwirt Josef Hess von der Blauen Weintraube in Margarethen
zusammentat. Nun nahm des Haus einen grösseren Aufschwung. Mitglieder des Hofes,
der Aristokratie, des Klerus und "vornehme Ausländer" gehörten zu seinen Gästen.
Die Familie Hess übernahm bald das Zepter und führte das Hotel König von Ungarn
über mehrere Generationen bis in die 1970er Jahre; daneben besass sie zudem das
Hotel Österreichischer Hof. Nach dem Zweiten Weltkrieg
begann das Hotel König von Ungarn seine Gäste ab 1947 wieder zu verwöhnen.
In den 1970er Jahren wurde das Haus von der heutigen Besitzerfamilie erworben
und 1978 neueröffnet. Dabei wurde es um zwei auf vier Geschosse aufgestockt und
der Innenhof mit einem Glasdach versehen.
Das seit der Wiedereröffnung denkmalgeschützte Hotel König von Ungarn vermittelt
noch heute eine Atmosphäre altösterreichischer Gastlichkeit im Stile eines
privaten Patrizierhauses. Daher fühlen sich hier nicht nur bedeutende Musiker,
sondern alle Gäste wie zu Hause.
Alte Gästebücher geben Auskunft über die Berühmtheiten, die dem Haus ihre Ehre
gaben. Der begeisterte Jäger Erzherzog Leopold Salvator von Österreich widmete
dem Hotel König von Ungarn eine Schiessscheibe im Gästebuch.
Nach dem Ende der k.u.k. Monarchie zog es vor allem ungarische Adelige und
Magnaten nach Wien, von denen zahlreiche im Hotel König von Ungarn
Jahresappartements mieteten. 1937 hinterliessen die Prinzessinnen von Bayern und
die Herzogin von Beauford im Gästebuch aufwendige Aquarelle mit einem Garten
bzw. zwei Rosen.
Eine edle Seite mit den gedruckten Versen "Gott mir Dir, mein Österreich"
signierte 1927 Bundespräsident Michael Hainisch. Die folgenden zwei Jahrzehnte
scheint Gott dann allerdings weitgehend anderweitig beschäftig gewesen zu sein.
Unter den adeligen Gästen, die sich im Gästebuch verewigt haben, nicht inkognito
blieben, gehören zum Beispiel Maria Berta de Bourbon, Marquesa de Madrid (1937),
die Erzherzogin Adelhaid und der Erzherzog Georg (1936), der Prinz Alexander von
Lichtenstein (1956), der Fürst von Hohenlohe und die Fürstin Esterhazy, um nur
einige zu nennen. Laut Gästen sollen zudem die Schriftsteller Mark Twain und
Arthur Schnitzler
im Hotel gewohnt oder verkehrt haben, ohne dass sich dazu Infos finden lassen.
Seit der Neueröffnung 1978 kamen viele Prominente ins Hotel, unter ihnen der
Schauspieler Larry Hagman, Industrielle wie die Familie Bahlsen und Literaten
wie der Literaturnobelpreisträger von 2002 Imre Kertész und der 1989 durch
Suizid aus dem Leben geschiedene Schriftsteller Sándor Márai, der in seinem seit
1999 eine Renaissance erfahrenden Roman Die Glut das Hotel König von
Ungarn in Wien erwähnt.
Das Hotel bietet nicht nur Charme und Geschichte, sondern auch einen
Internetzugang in allen Zimmern. Was allerdings noch auf den neuesten Stand
gebracht werden sollte, sind die Fernseher, insbesondere die Fernbedingungen.
Wenn etwas nicht funktioniert, kann es nicht nur an alten Leitungen, sondern
auch an den Hausgeistern liegen, von denen es fünf geben soll. Als ich im
November 2003 mit Hoteldirektor Binder sprach, meinte er, er glaube nicht an
Geister. Doch Computer, die Bügel- und die Waschmaschine sowie der Trockner
hätten immer mal wieder nicht funktioniert, ohne dass die Hersteller den Grund
dafür gefunden hätten. Daraufhin habe ein Medium - die Freundin eines
Arbeitskollegen - in einem Zimmer mit Stab und Pendel fünf Geister - darunter
Václav Neumann - gefunden, die nicht in höhere Sphären aufsteigen wollten. Das
Medium habe drei Seelen aus der Zwischensphäre aufsteigen lassen, zwei seien
aber noch da, böten aber keine Probleme. Nun funktioniere alles wieder. Bei
meinem erneuten Besuch 2007 hatte sich nichts daran geändert. Nun hier und
wieder gäbe es einen Windhauch bei geschlossen Türen, so eine langjährige
Putzfrau.
Seit einigen Jahre schreibt Frau Dr. Haslinger an einer Geschichte zum Hotel
König von Ungarn. Ihre Arbeit wird Präzisierungen bringen, Lücken füllen und
vielleicht einiges in Frage stellen.
Das Restaurant im Hotel König von Ungarn
Seit Beginn der 1980er Jahren arbeitet Restaurantleiter Dalgin Yilmaz im
Restaurant des Hotels König von Ungarn. Immerhin bereits seit Juli 2001 ist
Zakir Hossain hier Küchenchef. Damals wurde das Restaurant vom Hotel übernommen
und seither nicht mehr verändert.
Der 1967 in Bangladesh geborene Küchenchef arbeitete zuvor rund vier Jahre im
Restaurant "7 Sternbrau" im Wiener Stadtteil Spittelberg. Im König von Ungarn
widmet er sich der handfesten, bürgerlichen Küche, genauer der Wiener Küche
sowie allerlei Spezialitäten. Je nach Angebot gibt Herr Yilmaz zudem tägliche
Empfehlungen an seine Gäste, unter denen viele Stammgäste von Restaurant und
Hotel sind.
Die saisonal ausgerichtete Küche offeriert je nach Saison zum Beispiel
Wildschwein, Fasan, Rehrücken, Seezunge oder Steinbutt. Viele Gerichte der
Standardkarte bleiben jedoch über Jahre hinweg unverändert. So fanden sich im
Januar 2007 die Wiener Erdäpfelsuppe, der mit Pilzrahmgulyas gefüllte
Kräuterpalatschinken sowie die Spinatravioli auf Gorgonzolasauce auf der
Speisekarte, die bereits im November 2003 angeboten wurden. Positiv fällt ins
Auge, dass die Preise in dieser Zeitspanne unverändert blieben.
Nicht fehlen darf unter den Hauptgerichten der traditionelle Haustafelspitz vom
Fleischwagen, der vor dem Gast tranchiert wird. Restaurantleiter Dalgin Yilmaz
ist stolz auf diese Hausspezialität. Zur Auswahl stehen Tafelspitz,
Schulterscherzel, Beinfleisch, dazu Rösteräpfel, eingemachtes Gemüse,
Schnittlauchsauce und Apfelcreme. Als Vegetarier testete ich natürlich keinen
Tafelspitz.
Im Restaurant König von Ungarn wird der Gast zu Beginn nicht nur nach einem
Aperitif gefragt, sondern er wird zudem auf den Buffetwagen mit kalten
Vorspeisen verwiesen. Im November 2003 fanden sich darauf Mozzarella,
Schafskäse, gebratene Champignon, Zucchini, Selleriesalat mit Apfel, Eiersalat
an Currysauce, Oliven, Shrimps, geräucherter Lachs, Forellen- und
Sardellenfilets, Heringsalat, ungarischer Fischsalat (Fogas) sowie hausgemachter
Rindfleischsulz mit Kernöl und roter Zwiebel.
Danach entschied ich mich für die erwähnte nahrhafte Wiener Erdäpfelsuppe.
Danach folgten zwei warme Vorspeisen, die soliden Spinat- und Tomatenmarknudeln
auf Basilikumsauce sowie Spinatravioli auf Gorgonzolasauce, wobei die Ravioli
mit ihrem al dente zubreiteten Teig positiv überraschten.
Als Dessert wählte ich ein empfehlenswertes Schokoladenmousse mit wirklich frischen Früchten
sowie das
König von Ungarn Parfait mit marinierten Sauerkirschen und Preiselbeeren, wobei
das
Nougat-Parfait leider gefroren, also eiskalt war.
Bei der Weinkarte mit ihren 200 Positionen liegt der Schwerpunkt auf den
österreichischen Produzenten. 2003 probierte ich einen fruchtigen, leichten,
jungen Rotwein, einen Zwigelt 2002.
Im Januar 2007 begann ich mein Abendessen mit einem Kir Royal. Neben Cassis
bestand er aus dem Haussekt, einem Grünen Veltliner (Brut) vom Dinstlgut Loiben
im Kremstal, der mit seinen 11.5% einen empfehlenswerten Auftakt bot.
Als Vorspeise wählte ich eine deftige steirische Kürbiskernsuppe mit gerösteten
Kürbiskernen, die einfach, aber gewürzt war. Als Zwischengang entschied ich mich
für eine Limettensorbet, das herausragend und ohne jeden bitteren Nachgeschmack
war.
Anschliessend folgte der mit etwas zu simplem, aber nahrhaftem Pilzrahmgulyas
gefüllte Kräuterpalatschinken. Dazu wählte ich ein Glas des empfehlenswerten
trockenen Riesling Kabinett Pfaffenberg 2005, der mit feinen Obstaromen und
Mineralik überzeugte und wie der Haussekt vom Dinstlgut Loiben im Kremstal
kommt.
2007 waren keine vegetarischen Hauptspeisen auf der Karte zu finden waren. Als
Dessert entschied ich mich wie 2003 für das Schokoladenmousse auf Erdbeercoulis
mit frischen Früchten. Diesmal war das Mousse fest wie ein Speiseeis und wurde
auch so, in Kügelform, präsentiert. Die Früchte - Mandarine, Apfel-, Melonen-
und Ananasschnitz - waren erneut wirklich frisch und saftig.
Das Restaurant König von Ungarn bietet keine Gourmetküche, sondern handfeste,
bürgerliche Speisen für Gäste, die gerne satt werden. Unter ihnen waren laut
Restaurantleiter Yilmaz 2003 bereits der damalige Nationalratspräsidenten Heinz
Fischer (der heutige Bundespräsident), der ehemalige Aussenminister Alois Mock, der damalige Bundeskanzler Wolfgang
Schüssel, der ehemalige Bundeskanzler Franz Franitzky, der 2004 verstorbene Kardinal Franz König,
der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog und Stammgast Alfred Brendel.

Küchenchef Zakir Hossain.
Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Das Restaurant. Foto © Hotel König von Ungarn, Wien.
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Die Fassade. Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Der überdachte Innenhof.
Hier gaben am 19. Januar 2007 zehn Wiener Philharmoniker für eine
Zürcher Firma wie jedes Jahr seit 2001 am Tag nach dem Philharmonikerball
ein kleines Privatkonzert. Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Ansicht von Doppelzimmer 203.
Photo
© Hotel König von Ungarn, Wien.

Im November 2003 war der Schreibende in einem der 8 Duplex zu Gast. Hier
Zimmer 306; rechts die Treppe, die in den unteren Bereich führt.
Photo © Hotel König von Ungarn.

Blick ins Doppelzimmer 308. Der Schreibende wohnte im Januar 2007 in Nr. 307
mit dem gleichen Mobiliar.
Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Das Doppelbett in 309.
Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Blick auf den Stephansdom von Duplex 307 & 311.
Photos © Hotel König von Ungarn, Wien.

Der überdachte Innenhof. Foto © Hotel König von Ungarn, Wien.

Eine historische Ansichtskarte aus der Zeit, als es ein Hess-Hotel war.
Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.

Das Restaurant.
Photo © Hotel König von Ungarn, Wien.
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