Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages

Index  Advertise  Werbung  Links  Feedback
© Copyright www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Der Glacier Express
Von St. Moritz / Davos nach Zermatt

Artikel vom 18. März 2003

Cosmopolis benutzte den Glacier Express, um im Jahr 2002 von Chur aus nach Zermatt und zurück zu reisen. Wer allerdings vom glitzernden und extrovertierten St. Moriz mit seinem Highlife (Abfahrt auf anderer Strecke auch ab Davos möglich) die Reise ins Wallis antritt, hat insgesamt 291 Brücken, 91 Tunnels, 7 zu durchquerende Täler und 3 zu überwindende Pässe vor sich, ehe er nach siebeneinhalb Stunden im autofreien, auf Diskretion und Understatement bedachten Zermatt ankommt.
 
In St. Moritz werden die örtlichen Heilquellen seit langem benutzt. Erste Überreste von Quellfassungen werden der Bronzezeit, um 1500 v. Chr., zugeordnet. In moderner Zeit setzte der Tourismus im Jahr 1859 ein, als die ersten Skifahrer erschienen. Damit setzte eine rasante wirtschaftliche Entwicklung ein. 1930 unternahm der Glacier Express seine Jungfernfahrt.

Von St. Moritz aus führt die Reise mit dem Glacier Express über Celerina, wo der Zug kurz vor der Ortschaft den Eiskanal des Bobrun von St. Moritz überquehrt. Danach folgen Samedan und Bever, ehe der Zug die Albula-Viadukte über- und den Albula-Tunnel durchquert. Über Kehrtunnels, Schleifen, Brücken und Viadukte kommt man so vom Engadin nach Bergün im Albulatal. 
 
Über das bereits in der Bronzezeit bewohnte Tiefencastel wird der tiefste Punkt der Reise in Chur, das 595 Meter tief liegt, erreicht. Chur ist die Hauptstadt des Kantons Graubünden, die mit ihrer rund 5000jährigen Siedlungsgeschichte als älteste Stadt der Schweiz gilt. Im Jahr 15 v. Chr. von den Römern erobert, wurde Chur 451 n.Chr. zum ersten Bischofssitz nördlich der Alpen.

Bald nachdem der Zug Chur verlassen hat, überquert der Glacier Express wie schon bei der Hinfahrt aus dem Engadin bei Reichenau die Eisenbrücke, bei der sich die beiden Quellflüsse des Rheins, Ober- und Niederrhein, vereinigen. Danach trennen sich die Wege der zwei Strecken. Beeindruckend nun die Fahrt durch die Ruinaulta, die nach dem Rückzug der Gletscher geschaffene 15 km lange Rheinschlucht, in der sich Fluss und Bahn einen Weg zwischen den Kreidefelsen hindurch gebahnt haben. Kalkwände, Runsen und Türme prägen die Landschaft, die bis auf den 1903 erfolgten Bau der Rhätischen Bahn von Chur nach Ilanz weitgehend unberührt ist.
 
Von Ilanz über Trun geht die nun steiler werdende Fahrt nach Disentis, dessen Dorfbild durch das 765 über den Grabstätten der Heiligen Placidius und Sigisbert gegründete Kloster dominiert wird. Die heutige Klosteranlage entstand in den Jahren 1683-95.
 
Ab Disentis übernimmt die Furka-Oberalp-Bahn (FO) den Zug, der sich nun mit der Hilfe von Zahnrädern im Rollmaterial und der Zahnstange zwischen den Geleisen, die beim Vortrieb und beim Bremsen hilfreich sind, in Richtung Oberalppass vorwärts bewegt. Mit der 1911 bis 1915 gebauten FO sind so Steigungen und Gefälle bis 179 Promille zu bewältigen.
 
Mit 2033 Metern ist bei Oberalp der höchste Punkt der Reise erreicht. Dominant ist der Piz Badus, an dessen Fuss liegt der vom Zug aus nicht zu sehende Thomasee, die Quelle des Rheins. Dann folgt bereits die atemberaubend steile Abfahrt nach Andermatt, der Erlebnis-Höhepunkt der Reise von Chur nach Zermatt. Andermatt und das Urserental wurden im 12. Jahrhundert von den Walsern kolonisiert. Durch den Transitverkehr kam die Bevölkerung zu ansehnlichem Wohlstand. Hier kam 1799 auch der russische General Suworow vorbei, der Napoleon Einhalt gebieten wollte.
 
In Andermatt stellt die FO mit der Verbindung nach Göschenen durch die Schöllenen-Schlucht den Anschluss an die Gotthardlinie her. Doch der Glacier Express fährt westwärts, der Reuss entlang nach Hospental und dann durch den seit 1982 bestehenden 15,4 km langen Furka-Basistunnel. So gelangt der Reisende vom Kanton Uri ins Wallis.
 
Die Fahrt geht weiter durch das Goms. Dort, in Niederwald, wurde der legendäre Cäsar Ritz (1850-1918) geboren, der berühmteste Hotelier der Welt. Am Weg liegt auch Ernen, das mit seinem Musikfestival über die Region hinaus ausstrahlt. Der grösste Ort im Goms ist Fiesch, von wo aus es unter anderem aufs Eggishorn geht, das die einzigartige Sicht auf Aletschgletscher, Eiger, Mönch, Jungfrau, Matterhorn und Mont-Blanc bietet. Doch der Glacier Express fährt weiter. Über einen Kehrtunnel bei Lax verlässt der Zug das Goms in Richtung Rhonetal.
 
Nach dem Tunnel folgt eine Zahnradstrecke mit bis zu 90 Promille Steigung. Über den Grengiolsviadukt, mit einer lichten Höhe von 31 Metern die höchste Brücke der FO, geht es nach Grengiols. Von dort aus führt eine weitere Zahnradstrecke nach Betten, wo der Glacier Express die Rhone überquert.
 
An der rechten Talflanke entlang fährt die Bahn über Naters nach Brig, dem Hauptort des deutschsprachigen Wallis. Das Rhonetal war bereits in der Steinzeit besiedelt. In der Bronzezeit um 1500 v. Chr. wanderten Lugurer ein. In der Eisenzeit folgten Kelten. Mit den Römern kam um 25 v. Chr. die Rebe. Im 6. Jahrhundert wurde Sitten Bischofssitz. Um 450 wanderten im Unterwallis die Burgunder, im 8. Jahrhundert im Oberwallis die Alemannen ein. Daher spricht man im Unterwallis heute Französisch, im Oberwallis Deutsch.
 
Die Strecke Brig-Visp-Zermatt wird mit der gleichnamigen Bahn (BVZ) befahren. Nach knapp zweieinhalbjähriger Bautätigkeit wurde die Strecke nach Zermatt 1891 für den Sommerbetrieb eröffnet. Visp liegt noch 665 Meter über Meer. Hier verlässt der Glacier Express das Rohnetal und überwindet mittels einer Zahnradstange die starke Steigung nach Stalden, wo sich links das Saas Tal vom Mattertal trennt. Es geht vorbei an den Steinbrüchen der Quarzit AG, wo die Granitplatten für die im Wallis typischen Hausbedachungen gebrochen werden. Bald erreicht der Zug St. Niklaus. Oberhalb davon liegt Grächen. Wir befinden uns hier in der niederschlagärmsten Region der Schweiz. Über Herbiggen geht es am Bergsturz von 1991 vorbei nach Randa, von wo aus das 4505 Meter hohe Weisshorn zu sehen ist. Über Täsch, wo alle Touristen ihre Autos zurücklassen müssen, endet die Fahrt nach einigen Tunnels im autofreien Zermatt. Über Zermatt thront majestätisch das Matterhorn. Der Endpunkt des Glacier Express ist erreicht. 
 
Wegen der bestmöglichen Sicht sollte die Fahrt mit dem Glacier Express unbedingt im Panoramawagen mit seinen übergrossen Fenstern, die in die Dachwölbung einlaufen, unternommen werden. Ein Besuch im Speisewagen gehört natürlich auch dazu.
 
Der Glacier Express ist dem europäischen Bahn-Reservierungssystem (EPR) angeschlossen. Reservationen können daher in den meisten grösseren Bahnhöfen und in allen Reisebüros mit Bahnfahrkartenverkauf angenommen werden.
 
Siehe auch die Artikel zur Geschichte von Zermatt, zum Tourismus in Zermatt sowie zum Grand Hotel Zermatterhof.

Quellen für diesen Artikel: Glacier Express, insbesondere der 48seitige Glacier Express Reiseführer von 1997.




Der Glacier Express auf der Rheinbrücke bei 
Reichenau-Tamins, beim Zusammenfluss von
Hinter- und Vorderrhein. Foto: © Rhätische Bahn, Chur.
 

Der Glacier Express und das Kloster von Disentis/Mustér.
Foto: © Rhätische Bahn, Chur.
 

Der Glacier Express auf dem Landwasser-Viadukt
bei Filisur (Albulatal). Foto: © Rhätische Bahn, Chur.
 
Karten und Bücher
- Bücher und Karten zu Zermatt bei Amazon.de.
- Hans Eckart Rübesamen: Der Glacier Express. St. Moritz - Zermatt. München, Bruckmann, 2001, 96 S. Bestellen bei Amazon.de.
- Ronald Gohl, Hans-Bernhard Schönborn: Glacier Express. München, Bruckmann, 2000, 143 S. Bestellen bei Amazon.de.
 

Der Glacier Express bei Segnes im Surselva.
Foto: © Rhätische Bahn, Chur.

Deutsch Politik Geschichte Kunst Film Musik Lebensart Reisen
English Politics History Art Film Music Lifestyle Travel
Français Politique Histoire Arts Film Musique Artdevivre Voyages

Index  Advertise  Werbung  Links  Feedback
© Copyright www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.