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John Scofield
Biographie, Biografie, CDs, Konzertkritik
Konzert bei "jazz in winterthur" mit Steve Swallow und Bill Stewart

Artikel vom 9. Oktober 2001

Biografie des Gitarristen John Scofield
 
Der Gitarrist und Komponist John Scofield wurde 1951 in Dayton, Ohio, geboren und wuchs in Wilton, Connecticut auf. Mit elf lernte er das Gitarrenspiel. Als Jugendlicher spielte er in Rock-, R&B- und Soul-Bands. 1966 begann er Jazz zu studieren, insbesondere von 1970 bis 1973  am renommierten Berklee College in Boston, wo er von Mick Goodrick und Gary Burton unterrichtet wurde.
 
Um 1969 begann Scofield, sich mit Jazz zu befassen. Er spielte mit Gary Burton und Gerry Mulligan. Jazzrock steckte damals noch in den Kinderschuhen. Seine ersten grossen Auftritte kamen jedoch mit der Billy Cobham/George Duke-Band. 1974 spielte John Scofield mit Gerry Mulligan und Chet Baker in der Carnegie Hall (siehe die Live-CD rechts unten).
 
Danach wandte sich Scofield in New York akustischem Jazz mit eigenen Gruppen sowie Musikern wie Dave Liebman und Steve Swallow zu. Mit Swallow war er 2001 bei "jazz in winterthur" zu Gast. Dieser habe ihn als Bassist und Songwriter wie kein anderer beeinflusst, bekennt Scofield.
 
1982 wurde der Gitarrist ein Teil der Miles Davis Band mit ihrem improvisierten und funkigen Jazz. Gut drei Jahre und einige (auch eigene) Platten später tat Scofield sich mit dem ex-P-Funk Schlagzeuger Dennis Chambers zusammen. Sie verschrieben sich eindeutig den Funk-Rhythmen. Chamber und der Bassist Gary Grainger waren Meister des "James Brown/ Earth Wind and Fire/70's thing", wie Scofield sich ausdrückte.
 
1989 unterschrieb Scofield einen Plattenvertrieb bei Blue Note Records und machte sich daran, "more <swinging> avenues" zu erforschen. Zusammen mit einem Freund aus den Zeiten an der Berklee School, dem Saxophonisten Joe Lovano, bildete er eine Gruppe, mit der er drei seiner "jazzigsten" Alben aufnahm; daneben existiert aus jener Periode noch eine Bootleg-Aufnahme aus Europa. Zur Gruppe gehörte damals auch der Schlagzeuger Bill Stewart, der beim unten besprochen Konzert in Winterthur mit Scofield dabei war.
 
Danach wandte sich der Gitarrist dem Soul-Jazz zu. Seit den 1960er Jahren war er von Eddie Harris und Les McCann beeinflusst gewesen. Nun lud er Harris als Gastmusiker für das Album Hand Jive ein, sein letztes Album für Blue Note; danach wechselte er zu Verve. In jener Zeit stiess der Hammondorgelspieler Larry Goldings zu Scofield, der nun auch New Orleans-Rhythmen in sein Spiel integrierte. Hand Jive war kein besonders innovatives, aber ein unterhaltendes Album.

Zugleich nahm Scofield zusammen mit Pat Metheny, der zusammen mit Bill Frisell sein Lieblingsgitarrist ist, eine Platte auf. Daneben spielte er mit Jim Hall, Mike Stern, John Abercrombie, Kurt Rosenwinckel, Albert King, Carlos Santana, Tom Morello und anderen.

Als Scofield die Platte Shack Man von Medeski, Martin & Wood mit ihren "swampy grooves" und Freejazz-Tönen hörte, wollte er sofort mit ihnen zusammen arbeiten. Das Resultat mit den Männern aus dem Umfeld von John Luries Lounge Lizards erschien auf CD als A GoGo und brachte ihm seinen bisher grössten kommerziellen Erfolg. Scofield hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit jungen Musikern zusammen getan; nicht nur, um ihnen sein Wissen zu vermitteln und sie zu fördern, sondern vor allem auch, um von ihnen inspiriert zu werden.
 
Konzert bei "jazz in winterthur"
 
Das Konzert des John Scofield Trios bei "jazz in winterthur" vom 3. Oktober 2001 war mehr als ausverkauft; Dutzende von begeisterten Jazzfans drängten sich hinter den Stuhlreihen, an die Wand der Alten Kaserne gelehnt. Der Gitarrist war übrigens bereits 1993 in Winterthur zu Gast gewesen.
 
Nehmen wir es vorweg, John Scofield war der überragende Mann des Abends. Unterstützt wurde er von Steve Swallow am e-Bass sowie Bill Stewart am Schlagzeug, die beide ebenfalls schon in Winterthur aufgetreten waren. Zusammen standen sie hier allerdings zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.

Zum Konzertauftakt, bei dem es noch einige akustische Probleme zu regeln gab, spielte das Trio den Jazz-Standard Gone With The Wind. Nostalgische Töne, in schnellem Tempo gespielt, stellenweise swingend oder gar an Bossa Nova erinnernd, heizten ein.
 
Danach folgte Scofields Eigenkomposition Whatever, die von Miles Davis' So What inspiriert ist. Wie am ganzen Abend spielte das Trio zu Beginn und am Schluss zusammen, wobei die Gitarre das dominierende Instrument war. Im Mittelteil folgte in der Regel zuerst ein Duo von Schlagzeug und e-Bass, zumeist von einem Schlagzeugsolo gefolgt; hin und wieder war auch Swallow solo zu hören. Scofield dagegen hielt sich im Mittelteil diskret zurück, liess seinen Partnern viel Raum und steuerte nur hier und dort einige Noten bei, ehe er im Trio-Schlussteil wieder die Akzente setzte.
 
Das dritte, brandneue Stück - und deshalb noch ohne Namen - führte in den Jazzrock. Auf das melodiöse Whatever folgten also härtere und effektvollere Klänge. Power und Action waren angesagt. Im Mittelteil des Stückes dagegen setzten e-Bass und Schlagzeug auf ruhigere Töne, ehe Stewart am Schlagzeug mit einem Solo mit einfachem Rhythmus begeisterte. Den Schlusspunkt im Trio-Teil setzte Scofield mit quackenden (!) Gitarrentönen. 

Im von Billie Holiday geliebten und oft gespielten You'Ve Changed überraschte das Trio mit introspektivem Spiel. Die zarte Einleitung mit einem Gitarrensolo sowie der danach mit seinen Besen behutsam streichelnde Schlagzeuger und der subtile Bassist zogen hier ein neues Register. Das harmonische, eingängige Stück endete mit einem längeren Solo von John Scofield.
 
Loose Cannon mit seinem leicht stampfenden Rhythmus, einer rockigen Gitarre und allgemein funkig-fetzigen Tönen zeigte das Trio zuerst von seiner extrovertierten Seite, ehe das Stück im Mittelteil in ruhigere Bahnen geführt wurde. Auf ein orgiastisches Schlagzeugsolo fuhr das Trio in exaltiertem Ton weiter, wobei es eine beeindruckende Einheit bildete. Nach rund 55 Minuten war der erste Teil des Konzerts leider bereits vorbei.
 
Der zweite Teil des Abends begann mit einem etwas einförmigen Stück. Danach wurde es mit dem Jazz-Standard The Wind And The Rain lyrischer. Mit Pretty Out folgte eine Eigenkomposition von Scofield, in dem Stewart erneut in einem dramatischen Solo glänzte. Mary Tyler Moron, ebenfalls von Scofield komponiert und nach der amerikanischen TV-Show Mary Tyler Moore benannt, weil es Scofields Frau an diese erinnerte - eine Einschätzung, die der Komponist nicht teilt -, war wieder intimer und melodiöser. Auf ein letztes, rockiges Stück mit viel Groove folgte als Zugabe das eingängige Green Tea, bei dem John Scofield nochmals alle Register seiner Gitarrenkunst zog.


V.l.n.r.: John Scofield, Bill Stewart, Steve Swallow. Foto Copyright: J. Lepage, 2001.
 

John Scofield: Überjam. Verve, 2002. CD bestellen bei Citydisc Schweiz, Amazon.de, Amazon.com, Amazon.co.uk.
 

John Scofield: Works for Me. Verve, 2001. CD bestellen bei Citydisc Schweiz, Amazon.de, Amazon.com, Amazon.fr, Amazon.co.uk. Scofield überzeugt hier mit akustischem, traditionellem Jazz, von hochkarätigen Musikern wie Altsaxophonist Kenny Garrett, Schlagzeuger Billy Higgins, Bassist Christian McBride und Pianist Brad Mehldau unterstützt. Works for Me besteht ausschliesslich aus Eigenkompositionen (darunter zwei Balladen), wobei Freepie vom gesamten Quintett geschrieben wurde.
 

John Scofield: Bump. Verve, 2000. CD bestellen bei Citydisc Schweiz, Amazon.de, Amazon.com, Amazon.fr, Amazon.co.uk. Bump war ein Schritt weg vom Jazz und wieder hin zu Rock, Funk und  Blues, wobei Scofields Gitarre im Zentrum steht. Auf dieser CD spielten einige jüngere Musiker aus der New Yorker Jazz-Avantgarde wie der Schlagzeuger Kenny Wollesen mit. Latino-Sounds stehen in den letzten Jahren weltweit hoch im Kurs, weshalb bei Scofield, der auch schon mit Carlos Santana gearbeitet hat, diese hier nicht fehlen durften.
 

John Scofield: Steady Groovin' . Blue Note, 2000. CD bestellen bei Citydisc Schweiz, Amazon.de, Amazon.com, Amazon.fr, Amazon.co.uk. Die elf Kompositionen von John Scofield stammen aus früheren Alben aus den Jahren 1989 bis 1995, vor allem aus Groove Elation und Hand Jive. Zu den herausragenden Musikern gehört Joe Lovano, der in den Titeln Fat Lip und Camp Out zu hören. Schlagzeuger Bill Stewart spielt bei Chariots und Camp Out mit.
 

Gerry Mulligan, Chet Baker, John Scofield, u.a.: Carnegie Hall Concert 1974/Live At Carnegie Hall 1974. Sony. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.com oder Amazon.com.
 
Der 1940 in New York City geborene Steve Swallow wuchs in Fair Lawn, New Jersey, auf. Ehe er mit 14 zum akustischen Bass wechselte, lernte er Klavier und Trompete spielen. Die Musik bildete den einzigen Lichtblick in seiner tristen Jugend. An der Yale University studierte Swallow Komposition bei Donald Martino und spielte Dixieland mit Grössen wie Pee Wee Russell und Buck Clayton. 1960 traf er Paul und Carla Bley und verliess Yale. Das Jimmy Giuffre Trio und das Sextett von George Russell waren weitere Stationen. In den 1960er Jahren spielte Swallow auch mit Sheila Jordan, Joao Gilberto, Benny Goodman, Clark Terry oder Chick Corea. 1964 wurde er Teil des Art Farmer Quartet's mit Jim Hall. Swallow nahm Platten mit Bill Evans, Stan Getz, Steve Kuhn u.a. auf. Von Ende 1965 bis 1968 tourte er mit dem Stan Getz Quartet. 1968 wandte er sich Gary Burton zu, mit dem er bereits bei Getz gespielt hatte. Mit Burton trat er die nächsten 20 Jahre lang auf. 1970 wandte sich Swallow dem e-Bass zu und zog nach Bolinas, Kalifornien. 1974 begann er zwei Jahre lang am Berklee College of Music zu unterrichten. Nach Hotel Hello für Gary Burton nahm er mit Home ein zweites Album für ECM auf. Swallow spielte mit Dizzy Gillespie, Michael Brecker, George Benson und Herbie Hancock, nahm Alben mit Stan Getz, Steve Lacy u.a. auf. 1978 tourte er mit der Carla Bley Band. Von 1980 bis 1984 tourte er mit John Scofield, mit dem er auch Platten einspielte. In den 1980er Jahren war Swallow Co-Produzent von Carla Bley. Er produzierte auch Niels-Henning Orsted Pedersen u.a. Daneben tourte oder nahm er auf mit Motohiko Hino, Ernie Watts, Paul Bley, Allen Ginsberg u.a. Seit 1988 trat Swallow mit Carla Bley in Duos in Europa, den USA und Japan auf; mit ihr spielte er auch Duo-Alben ein. 1989 trat er nach 27 Jahren erstmals wieder mit Jimmy Giuffre und Paul Bley auf. Das Trio spielte auch eine Platte ein. 1991 komponierte und produzierte er Swallow. Auf der Platte spielen Gary Burton, John Scofield und Steve Kuhn mit. Mit Scofield und Pat Metheny spielte Swallow 1993 Platten ein. Tom Harrell, Joe Lovano, Mulgrew Miller, Jack DeJohnette, Michael Franks, John Taylor und Chris Potter waren einige seiner vielen anderen Partner in den 1990er Jahren. In den Downbeat Critics Polls ist Swallow seit 1983 und in den Downbeat Readers Polls seit 1985 auf den ersten Platz abonniert. Er lebt mit Carla Bley in den Bergen im Staat New York.